Bund leistet Rückkehrhilfe an Opfer von Menschenhandel

Unter Asylsuchenden in der Schweiz sind auch Menschen, die sexuell oder anderweitig ausgebeutet worden sind. Wie Recherchen von Radio SRF zeigen, unternimmt der Bund seit kurzem mehr für die Betroffenen. Er gibt ihnen in einem Pilotversuch auch Geld.

Frauen im Kopftuch, von hinten Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Asylsuchende in der Schweiz: Oft werden die Opfer von Menschenhandel nicht erkannt. Keystone/Archiv

Voller grauenhafter Gewalt sind die Geschichten, die Opfer von Menschenhandel erzählen. Es sind meistens Frauen. Auch in der Schweiz leben Menschen, die dieses Schicksal am eigenen Leib erfahren haben. Zahlen gibt es zwar keine, aber die Opferberatungsstelle FIZ hat Jahr für Jahr mehr zu tun, nicht zuletzt wegen der Asylsuchenden.

Denn unter ihnen sind auch Opfer von Menschenhändlern. Gerade sie bräuchten mehr Hilfe, findet man bei der Beratungsstelle. Nun tut das Staatssekretariat für Migration, das Bundesrätin Sommaruga unterstellt ist, etwas. Sprecher Gieri Cavelty: «Es ist ein Verbrechen, das der Bundesrätin sehr nahe geht. Menschenhandel richtet sich unmittelbar gegen die Würde des Menschen.»

Einerseits besuchen die Mitarbeiter Ausbildungen, damit sie Opfer von Menschenhandel in den Asylverfahren überhaupt erkennen. Das ist schwierig, denn viele schweigen aus Angst. Andererseits läuft seit Anfang Jahr ein Pilotversuch, der bis jetzt nicht beachtet wurde: Asylsuchende im Dublin-Verfahren, die Menschenhändlern zum Opfer gefallen sind, bekommen neu Geld, wenn sie freiwillig in ihr Heimatland zurückkehren. Sie erhalten bis zu 6000 Franken Rückkehrhilfe, damit sie zu Hause wieder Fuss fassen können.

Eigentlich dürfte die Schweiz diese Menschen gemäss Dublin-Abkommen gratis in ein sicheres EU-Land schicken. Sprecher Cavelty findet die Rückkehrhilfe dennoch legitim: «Hier hat die Rückkehrhilfe einen Sinn. Die Rückkehr in den Herkunftsstaat ist auf jeden Fall nachhaltiger.»

Staatssekretariat rechnet mit mehr Ausreisen als bisher

Bisher haben bloss fünf Asylsuchende das Angebot genutzt. Gegen Geld verlassen bis jetzt auch ausserhalb des Dublin-Verfahrens kaum Opfer von Menschenhandel die Schweiz freiwillig. Es sind nur etwa 20 pro Jahr.

Im Staatssekretariat rechnet man nun damit, dass sich das ändern könnte. Wenn die Ausbildung der Betreuenden nachwirkt und sie mehr Opfer erkennen können.