Das Wichtigste in Kürze
- Sieben Jahre nach Ankunft in der Schweiz sind fast zwei Drittel der Flüchtlinge immer noch arbeitslos und leben von der Sozialhilfe.
- Eine einjährige Vorlehre soll ihnen nun den Einstieg in den Arbeitsmarkt erleichtern.
- Das Pilotprojekt Integrationsvorlehre startet nächstes Jahr. Heute orientiert das Staatssekretariat für Migration die Kantone, die es umsetzen sollen.
- Der Bund stellt dafür 54 Millionen Franken in den nächsten vier Jahren zur Verfügung.
- Die Kantone haben bis im September Zeit, sich zu bewerben.
Viele Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene rutschen in die Sozialhilfe, weil sie keine Arbeit finden, wie Adrian Gerber vom Staatssekretariat für Migration (SEM) erklärt. «Es ist daher von gemeinsamen Interesse, dass sie rasch beruflich integriert werden und von der Sozialhilfe wegkommen.»
Es ist von gemeinsamen Interesse, dass sie rasch beruflich integriert werden und von der Sozialhilfe wegkommen.
Klar ist, dass die Chancen auf dem Arbeitsmarkt mit einem ordentlichen Berufsabschluss steigen. Ziel der Integrationsvorlehre sei, jährlich bis zu 1000 Flüchtlinge und vorläufig aufgenommene Menschen dazu zu befähigen, eine Berufslehre zu machen, sagt Gerber.
Ein Erfolg im Kanton Glarus
Einzelne Kantone und Unternehmen wollten nicht auf das Pilotprojekt des Bundes warten und haben ähnliche Projekte in eigener Regie bereits angestossen. In Glarus zum Beispiel nehmen seit letztem Herbst 12 Flüchtlinge an einem Berufseinführungsprogramm teil.11 sind nach wie vor dabei. Die meisten von ihnen werden im Sommer wohl eine richtige Lehre antreten können. |
Für Andreas Zehnder Abteilungsleiter Soziales beim Kanton Glarus ist das Berufseinführungsprogramm eine Erfolgsgeschichte. «Wir möchten dieses Programm weiterführen und es auch weiterentwickeln. Da ist die Unterstützung des Bundes sehr sinnvoll.» Der Bund bezahlt 13'000 Franken pro Kopf und Jahr. |
Erwartungen zu hoch?
Roger Cuennet, Rektor der Berufsfachschule in Ziegelbrücke/GL, warnt aber vor überzogenen Erwartungen. Das Berufseinführungsprogramm versuche, Jugendliche in Berufsfelder hineinzubringen, in denen es eh schon viele Lehrstellensuchende gebe und daher Arbeitslosigkeit entstehe. «In diesen weniger qualifizierten Berufen ist es wirklich schwierig, und das Angebot an Bewerbern gross.»
Das Gastgewerbe, die Landwirtschaft, die Baubranche rekrutierten heute viele Angestellte im Ausland.
Klar brauche die Schweiz vor allem hoch qualifizierte Berufsleute, bestätigt Adrian Gerber, aber eben nicht nur. Das Gastgewerbe, die Landwirtschaft, die Baubranche rekrutierten heute viele Angestellte im Ausland.
«Es ist doch viel sinnvoller, wenn Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene, die hier sind und Sozialhilfe erhalten, ausgebildet werden, um diese Arbeitsstellen zu besetzen.»
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