Überteuerte MiGel-Liste Bundesamt für Gesundheit hat zu viel versprochen

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Mittel- und Gegenständeliste (MiGel) definiert die Preise, die die Krankenkassen für medizinische Hilfsmittel wie Bandagen oder Krücken bezahlen müssen.
  • Diese Liste bedarf einer dringenden Revision, denn die Preise sind zum Teil massiv zu hoch. Deshalb machte «Kassensturz» im März dieses Jahres Druck auf das Bundesamt für Gesundheit (BAG). Denn: Die Krankenkassen könnten mit angepassten Preisen bis zu 100 Millionen Franken einsparen.
  • Nun teilt das BAG mit, dass die Überprüfung länger als geplant dauern wird. Es dauert weitere zwei Jahre, bis die komplette Liste überarbeitet sein wird.

Die Mittel- und Gegenständeliste (MiGel) aus den 1990er-Jahren definiert die Preise für Hilfsmittel wie Verbände, Kanülen, Krücken oder Teststreifen für Blutzuckeranalysen. Diese Preise zahlen Krankenkassen, wenn Patienten die Hilfsmittel über die Kasse abrechnen. Wenn der Patient solche Hilfsmittel aber selber bezahlt in der Apotheke, sind die Preise teilweise massiv tiefer als jene auf der MiGel.

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Bildlegende: Die Ausgaben der Krankenkassen für Hilfsmittel und Medizinalgeräte haben sich in den letzten 10 Jahren verdoppelt. SRF

Die SRF-Konsumentensendungen «Kassensturz» und «Espresso» berichteten im Frühling 2016, die Krankenkassen könnten mit angepassten Preisen bis zu 100 Millionen Franken einsparen.

Konkrete Beispiele:

  • Für 100 Einweg-Spritzkanülen bezahlt der Apotheker 9.60 Franken. Veräussert werden sie für 17.10 Franken. Das BAG setzt einen höheren Preis; gelistet sind 45 Franken.
  • Auch Krücken sind absurd hoch gelistet: Einkaufspreis 17.75 Franken. Verkaufspreis ohne Krankenkassenbeteiligung: 24 Franken. Krankenkassen bezahlen jedoch amtlich abgesegnete 81 Franken.

BAG will sich sofort an die Arbeit machen

Gegenüber dem «Kassensturz» kündigte das BAG im Frühling eine Totalrevision der Mittel- und Gegenständeliste an. «Bis Ende 2017 werden wir die Liste überarbeiten, wir werden sämtliche Posten genau anschauen», hiess es damals. Das Bundesamt für Gesundheit schätzt das Sparpotenzial auf zehn bis zwanzig Millionen Franken ein – der Krankenkassenverband Santésuisse geht sogar von 100 Millionen Franken aus.

Was wird aus dem Versprechen?

Nun teilt das Bundesamt für Gesundheit mit, auf Anfang 2017 würden verschiedene Beträge in der Mittel- und Gegenständeliste gesenkt, zum Beispiel für Blutzuckerstreifen, Lichttherapie-Lampen oder Atemtherapie-Geräte. Und weiter lässt das BAG wissen, die gesamte Liste soll bis Ende 2019 überprüft und angepasst werden. Es dauert also noch einmal zwei Jahre länger, bis die teilweise massiv überhöhten Preise bereinigt werden.

«Wir arbeiten mit Hochdruck»

«Espresso» will vom BAG wissen, weshalb diese Überprüfung nun noch einmal länger dauert als geplant. Die Abteilungsleiterin für Leistungen im BAG Sandra Schneider erklärt: «Es gibt Bereiche, die ein grosses Kostenvolumen haben. Diese werden wir bis Ende 2017 überprüft und angepasst haben.» Es gebe aber auch Bereiche, die kostenmässig keine grosse Bedeutung hätten und wenig verwendet würden. Für diese Bereiche dauere die Revision noch etwas länger.

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