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Schweiz Bundesgericht: Untersuchungshaft für Minderjährige ist zulässig

Für mutmasslich straffällige Minderjährige zwischen 10 und 15 Jahren darf Untersuchungshaft angeordnet werden. Die Haft ist jedoch nur zulässig, wenn keine anderen geeigneten Massnahmen zur Verfügung stehen. Dies hat das Bundesgericht entschieden.

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Legende: Die Untersuchungshaft war laut Bundesgericht in dem zu beurteilenden Fall zulässig und verhältnismässig. Keystone/symbolbild

Kinder, die einer Straftat verdächtigt werden, dürfen ausnahmsweise in Untersuchungshaft gesetzt werden. Dies hat das Bundesgericht im Fall eines 12-jährigen Rumänen entschieden.

Der Junge war im Dezember 2013 von der Genfer Polizei festgenommen worden. Eine Frau hatte den Knaben in ihrem Garten bemerkt. Bereits davor hatte die Polizei einen Haftbefehl gegen den Jungen erlassen.

Bei der Polizei gab der Rumäne zu, schon mehrere Einbrüche in der Schweiz begangen zu haben. Seine Identität konnte die Polizei jedoch nicht feststellen, weil der Knabe keine Ausweispapiere bei sich trug.

Auch wollte er den Standort des Camps in Frankreich nicht bekannt geben, wo sich seine Grossmutter angeblich befand. Eine Schule besuche er nicht und seine Eltern wohnten in Rumänien, liess der Junge die Polizei wissen.

Weil Fluchtgefahr bestand, wurde der Knabe in einer Einrichtung für Jugendliche in Untersuchungshaft behalten. Der Jugendrichter verurteilte den 12-Jährigen wegen versuchten Diebstahls, Sachbeschädigung und Hausfriedensbruchs. Eine Strafe wurde jedoch nicht verhängt und der Knabe freigelassen.

200 Franken pro Hafttag verlangt

Vor Bundesgericht beantragte der anwaltlich vertretene Junge, es sei festzustellen, dass die gegen ihn verhängte Untersuchungshaft rechtswidrig gewesen und ihm pro Hafttag eine Genugtuung von 200 Franken auszurichten sei.

Er begründete sein Begehren damit, dass Minderjährige unter 15 Jahren von Gesetzes wegen nicht mit Freiheitsentzug bestraft werden dürften. Weil eine Untersuchungshaft die Dauer der zu erwartenden Freiheitsstrafe nicht übersteigen dürfe, sei Untersuchungshaft gegen unter 15-Jährige nicht zulässig.

Das Bundesgericht folgt dieser Argumentation in seinem publizierten Urteil nicht. In der Jugendstrafprozessordnung sei zwar kein Mindestalter für eine Untersuchungshaft festgelegt worden. Es handle sich dabei gemäss den Lausanner Richtern aber nicht um eine Gesetzeslücke, die von ihnen zu füllen sei.

Vielmehr lasse die Jugendstrafprozessordnung eine Untersuchungs- oder Sicherheitshaft nur in Ausnahmefällen vor. Das heisst, vorher müssen sämtliche möglichen Ersatzmassnahmen geprüft werden. Darin sieht das Bundesgericht eine ausreichende Garantie dafür, dass eine Untersuchungshaft für unter 15-Jährige jeweils rechtskonform angeordnet wird.

Massnahmen möglich

Hinsichtlich des Verbots von Freiheitsstrafen für Personen unter 15 Jahren führt das Gericht ins Feld, dass stattdessen Massnahmen verhängt werden können. Bei der Beurteilung der zulässigen Höchstdauer einer Untersuchungshaft seien diese zu berücksichtigen.

Im Fall des jungen Rumänen wurde keine Massnahme verhängt, auf welche die Untersuchungshaft angerechnet werden könnte. Die kantonale Vorinstanz muss deshalb nochmals prüfen, ob allenfalls eine Entschädigung in Betracht kommt. In diesem Punkt hat das Bundesgericht die Beschwerde des Jungen gutgeheissen.

Ansonsten hält es fest, dass die Untersuchungshaft aufgrund der konkreten Umstände verhältnismässig gewesen sei.

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Michael Räumelt (Wirtschaftskanzlei)
    Wenn das erreichen eines Alters, ab dem einem Mensch vom Gesetz her zugetraut wird, die Folgen seiner Handlungen so weit zu überblicken, dass er bewusst anderen schaden zufügt und daher für diese Handlungen die Verantwortung übernehmen muss ist dieser Entscheid richtig.Seit 2008 fordert dies bereits auch die deutsche Polizei..zu recht.
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  • Kommentar von Henriette Rub (ehb)
    So werden dann Kinder zu Einbrechen und Straftätern erzogen, da sie gemäss unseren Gesetzen nicht strafmündig sind und tun und lassen können, was immer sie wollen. Schöne Aussichten...
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    1. Antwort von Heidy Rüegg (heidy70)
      Und dann sollen sie auch noch belohnt werden! Das ist gut, wo sind eit eigentlich! Dieser Kerl wird einmal ein grosser Verbrecher dank unserer Kuscheljustiz. Und dann wird das auch noch Schule machen, dass man in der Schweiz Untaten begehen kann und dazu noch belohnt wird!
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  • Kommentar von Daniele Röthenmund (gerard.d@windowslive.com)
    Mit solchen Verfügung muss man sehr Vorsichtig umgehen, das kann nur die aller Letze Massnahme sein, den solch eine Erfahrung kann auch Schaden verursachen. Wenn wir zu solchen Massnahmen zugreifen, dann haben wir als Gesellschaft versagt. Man muss nur nach den USA sehen, solche Repressiven haben nur negative Folgen, es ist eines der Länder mit der grössten Kriminalität. Doch wir geben immer mehr von unseren Zivilisierten Eigenschaften auf. Gewalt wird immer wie mehr legitimiert! Rückschritt!
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