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Schweiz Damit das Gemeinde-Wasser nicht zwischen den Leitungen versickert

Die jurassischen Trinkwasserleitungen sind teils verlottert. Zwischen Reservoir und dem Wasserhahn gehen deshalb gegen 50 Prozent des Trinkwassers verloren. Dagegen kämpft eine Gemeinde in der Region nun erfolgreich an – und befindet sich dabei landesweit in guter Gesellschaft.

Legende: Video Pruntrutt kämpft gegen den Wasserverlust an abspielen. Laufzeit 02:56 Minuten.
Aus Schweiz aktuell vom 08.11.2016.

Pruntrut hütet seine Wasserleitungen wie den eigenen Augapfel – kein Tropfen Trinkwasser darf verloren gehen. Mit neu installierten Überwachungssonden in den Wasserschächten unterhalb der jurassischen Kleinstadt kontrollieren die Behörden derzeit Lärm, Druck und den Verbrauch der Wasserleitungen.

Die systematische Überwachung der Wasserleitungen der jurassischen Gemeinde war notwendig, zumal sich der Zustand der Netzinfrastruktur bis ins Jahr 2008 zusehends verschlechterte. Immer wieder mussten die Verantwortlichen Lecks in den Leitungen hinnehmen. «Die Situation war wirklich schwierig. Wir haben damals beinahe 50 Prozent des Trinkwassers verloren. Das waren unhaltbare Zustände», sagt FDP-Gemeinderat Gabriel Voirol zu «Schweiz Aktuell».

Gesetz gegen Wasserverlust erlassen

Der schleichende Zerfall zwang Pruntrut zum Handeln – mit Erfolg: Nachdem das neue Überwachungssystem installiert war, konnte die Gemeinde im Kanton Jura den Wasserverlust innerhalb von sechs Jahren von 48 auf 12 Prozent senken.

Eine junge Frau trinkt Wasser aus dem Hahn.
Legende: Nicht das ganze Trinkwasser, welches wir aus Röhre zu uns nehmen, kommt auch beim Konsumenten an. Keystone

Doch nicht alle Gemeinden im Jura gehen denselben Weg wie Puntrut. Deshalb beträgt der Wasserverlust im Bezirk Delemont laut «Schweiz Aktuell» 33 Prozent. In Ajoie sogar 50 Prozent. Für die Politik Grund genug, ein neues Gesetz zu erlassen. Es verpflichtet die jurassischen Gemeinden, den Wasserpreis so hoch anzusetzen, dass sie mit dem Geld die Wasserleitungen aus eigener Kraft sanieren können. Dieses Gesetz wurde vergangenen Februar in Kraft gesetzt.

Auch andere Regionen der Schweiz kämpfen erfolgreich gegen den Trinkwasserverlust – allen voran der Kanton Baselland. Während im Jahre 2012 in der Region bis zu 20 Prozent des Trinkwassers verloren ging, konnte der Kanton den Verlust im vergangenen Jahr auf 13,4 Prozent eindämmen.

Chur setzt auf Online-Überwachung

Die Stadt Chur registrierte im vergangenen Jahr einen Trinkwasserverlust von 13,1 Prozent. «Dabei handelt es sich nicht nur um Leckverluste, sondern auch um unangemessene Verbräuche wie beispielsweise Hydrantenwasser oder Messdifferenzen durch zeitliche Verschiebungen bei den Zählerablesungen», sagt Marco Gabathuler, Geschäftsleitungsmitglied des zuständigen Stromversorgers IBC Energie Wasser Chur. Daher liege der wahre Leckverlust wohl zwischen fünf bis zehn Prozent.

Gabathuler interpretiert diesen Wert als Erfolg. Schliesslich liege der nationale Durchschnitt bei 14 Prozent. Das Geschäftsleitungsmitglied verrät denn auch gleich das Erfolgsrezept der Bündner Stadt: «Wir haben eine flächendeckende Online-Lecküberwachung, die Lecks sofort meldet und dadurch eine rasche Reparatur ermöglicht. Das wirkt sich auch positiv auf die Leckmenge aus», sagt Gabathuler.

Zürich verliert fast kein Wasser

Die niedrigen Wasserverluste seien auch deshalb erfreulich, weil die Churer Netzinfrastruktur über ein hohes Durchschnittsalter verfüge. Wie alt die Wasserleitungen sind, war jedoch nicht in Erfahrung zu bringen. Bei Trinkwasserleitungen geht der Schweizerische Verein des Gas- und Wasserfaches SVGW von einer Nutzungsdauer von 50-80 Jahren aus.

Auf den Loorbeeren ausruhen will sich das Bündner Stromversorgungsunternehmen aber nicht. Vielmehr werde jährlich bis zu zwei Prozent in die Netzinfrastruktur der Stadt investiert. Für das laufende Jahr würden laut Gabathuler rund fünf Millionen Franken in die Sanierung gesteckt. Schweizweit betragen die Investitionen in die Wasserinfrastruktur rund 880 Millionen Franken.

Während die Stadt Bern vergangenes Jahr einen Trinkwasserverlust von 10 Prozent verzeichnete, ist die Stadt Zürich bei der Eindämmung des Wasserverlustes derweil laut eigenen Angaben Spitzenreiter. Demnach verlor Zürich im Jahr 2014 insgesamt 4,9 Prozent seines Wassers. Vergangenes Jahr erreichte die Zwinglistadt einen Wert von 4,7 Prozent.

Die Zürcher Wasserwerke führen die Spitzenwerte auf eine intensive Kontrolle der Wasserleitungen und den kontinuierlichen Unterhalt der Rohre zurück. Ausserdem investiere die Stadt Zürich substantielle Finanzmittel in den Netzunterhalt. Unter dem Strich würden in der Wirtschaftsmetropole gegen 23 Millionen Franken in die Sanierung und Erneuerung der Netzanlagen investiert.

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2 Kommentare

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  • Kommentar von Alex Bauert (A. Bauert)
    «Es verpflichtet die jurassischen Gemeinden, den Wasserpreis so hoch anzusetzen, dass sie mit dem Geld die Wasserleitungen aus eigener Kraft sanieren können.» Heisst, es wird eine asoziale Kopfsteuer unter dem Mäntelchen von Gebühren für Wasserverbrauch erhoben, denn alle brauchen zwingend Wasser.
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  • Kommentar von Alfred Schläpfer (191.5yenokavan)
    Kein Wunder geht so viel Trinkwasser verloren. Das sind ja alles unfähige öffentliche Betriebe, die sich darum kümmern. Die Trinkwasserversorgung sofort privatisieren, am besten gleich Nestlé übergeben und den Staat einmal mehr in die Pfanne hauen. Die verantwortungsvollen Mitarbeiter auf Gemeinde-, Kantons- und Bundesebene machen einen hervorragenden Job. Sicher nicht gratis, dafür nicht ausbeuterisch wie die Privatindustrie. Hände weg.
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