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Chavalon wird nicht gebaut Das Aus für grosse Gaskraftwerke

Nachdem auch Chavalon nie gebaut wird, ist in der Schweiz das Ende der Gaskombikraftwerke besiegelt.

Legende: Audio «Strompreise sind zu tief und Kompensationskosten zu hoch» abspielen. Laufzeit 02:21 Minuten.
02:21 min, aus Rendez-vous vom 30.06.2017.
  • Der Bund sah Gaskraftwerke lange Jahre als beste Alternative zu den Atomkraftwerken.
  • Mit Chavalon im Unterwallis ist jetzt allerdings das letzte Projekt für ein Gaskombikraftwerk gestorben.
  • Die beteiligten Westschweizer Energiekonzerne lassen das Vorhaben aus wirtschaftlichen Gründen fallen.
  • Was das für die künftige Schweizer Stromversorgung heisst, ist offen.
Rohre und Kessel mit Rädern.
Legende: Das Wärmekraftwerk Chavalon wurde 1999 stillgelegt. Es hätte als Gaskombikraftwerk umgenutzt werden sollen. Keystone

Ein Gaskraftwerk in Chavalon könne nicht wirtschaftlich betrieben werden, sagt der zuständige Projektleiter bei Romande Energie, Jean-François Pilet: Die Strompreise seien zu tief, die Kosten für die Kompensation des CO-Ausstosses zu hoch.

Letztes Projekt gestoppt

Mit Chavalon stirbt das wohl aussichtsreichste Gaskraftwerk-Projekt. Weil dort bereits in der Vergangenheit ein Kraftwerk stand, hätte die bestehende Infrastruktur – zum Beispiel die Leitungen zum Abtransport des Stroms – genutzt werden können.

Nun wird daraus nichts und mehrere Millionen Franken Projektierungskosten müssen abgeschrieben werden. Genauere Angaben will Jean-Francois Pilet nicht machen.

Mit Gaskraftwerken in eine atomfreie Energiezukunft?

Der Bundesrat beschloss im Februar 2007 eine Neuausrichtung der Energiepolitik. Die Strategie stützte sich auf vier Säulen: Energieeffizienz, erneuerbare Energien, Grosskraftwerke und Energieaussenpolitik. Als Übergangslösung für die atomfreie Zukunft setzte er auf Gaskombikraftwerke. So könne die Stromlücke schnell geschlossen werden. Weil diese Kraftwerke aber viel CO2 ausstossen, wurde beschlossen, dass sie die Emissionen vollständig kompensieren müssen – wenn nötig auch im Ausland.

Gaskraftwerke hielt man lange als beste Alternative zu Atomkraftwerken. Der Bund ging davon aus, dass zwischen fünf und acht Gaskombikraftwerke gebaut werden müssten, um den Ausfall der Atomkraftwerke in der Schweiz dereinst zu kompensieren.

Alle grösseren Energieproduzenten liessen Projekte ausarbeiten. Doch in den letzten Jahren hat sich einer nach dem anderen zurückgezogen. BKW und Axpo bestätigen, dass sie sich definitiv aus ihren Projekten in Utzenstorf (BE), Cornaux (NE) und Perlen (LU) zurückgezogen haben.

Aus für grosse Gaskraftwerke in der Schweiz

«Die aktuellen politischen Rahmenbedingungen für Gaskraftwerke in der Schweiz sind nicht günstig. Es besteht keine Aussicht, ein solches rentabel betreiben zu können», sagt Axpo-Sprecherin Monika Müller.

«Lex Chavallon» ist Makulatur

Im November 2011 setzte der Bundesrat gegen den Willen von Parlament und Kantonen Sonderregeln für das geplante Gaskombikraftwerk Chavalon durch. Er hat das ehemalige Ölwerk von der Pflicht befreit, wesentliche Teile der Abwärme für Heizzwecke nutzen zu müssen. Bei Chavalon bestehe das Problem darin, dass das ein paar hundert Meter über dem Rhonetal gelegene Werk nicht in der Nähe von Siedlungen liege und somit die Abwärme nicht zum Heizen genutzt werden könne, argumentierte die Landesregierung.

Das Aus von Chavalon ist das Aus für grosse Gaskraftwerke in der Schweiz – darin sind sich die Befragten einig. Umstritten aber ist und bleibt wohl, ob künftig mehr Strom importiert werden muss, um eine Stromlücke in der Schweiz zu verhindern, oder ob der Ausbau von Sonne-, Wind- und Wasserkraftwerken reicht.

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12 Kommentare

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  • Kommentar von Norbert Schnidrig (3646)
    Die Angst vor einem Stromausfall ist bei uns Schweizern so hoch, dass sich einige schon jetzt ins Hösli machen. Seid beruhigt, ihr lebt trotzdem weiter. Zudem lernt ihr bei Stromausfall die Natur besser kennen. Der Computer funktioniert dann nur noch 2 Stunden über den Akku. Vielleicht mal bei Kerzenlicht ein Buch lesen? Oder sogar den Angehörigen eine Geschichte erzählen? Viele haben das gegenseitige kommunizieren verlernt. Zuhören, überlegen und dann reden. Und von diesen drei ist Zuhören Nr1
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  • Kommentar von Walter Starnberger (Walter Starnberger)
    National- und Ständerat haben beschlossen, die Treibhausgas-Emmissionen bis 2030 auf die Hälfte von 1990 zu reduzieren. CO2-Schleudern wie das Gaskombikraftwerk Chavalon sind da ein absolutes NoGo. Vor allem wenn man bedenkt, dass die Bevölkerung bis 2030 noch kräftig wachsen wird.
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  • Kommentar von Jürg Sand (Jürg Sand)
    Was das wohl bedeutet für die "Energiewende"? Gar nichts, wir spielen weiter grüne blinde Kuh!
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    1. Antwort von Beat Reuteler (br)
      Sie haben zwar recht, es bedeutet nichts, aber was es mit Farben und Tieren usw. zu tun hat erschliesst sich mir nicht.
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