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Schweiz Das Dorf und der Milliardär

Vaux-sur-Morges ist statistisch gesehen die Gemeinde mit den besten Steuerzahlern. Um die 5 Millionen Franken Steuern nimmt der kleine Waadtländer Weiler jährlich ein. Den grössten Teil davon zahlt ein einziger Einwohner: Der Milliardär André Hoffmann.

Legende: Video Dorf profitiert von Multimilliardär abspielen. Laufzeit 5:29 Minuten.
Aus 10vor10 vom 19.07.2013.

Einen einzigen Verein hat das Dorf, die ehemaligen Feuerwehrleute. Im Weiler Vaux-sur-Morges läuft nichts, zusammen kommen tut man höchstens, wenn's brennt. Und wäre es heute nicht so heiss – man würde keine Menschenseele antreffen.

Doch heute sind sie draussen. In der Ferne über den weiten Feldern schweben sie auf ihren Traktoren dahin, verzerrt durch die flirrende Hitze. Die Bauern wenden ihr Heu – es ist Sommer in Vaux-sur-Morges, einem Dorf, das man auf der Hauptstrasse vom Genfersee in Richtung Jura her kommend erst bemerkt, wenn es schon wieder vorbei ist.

Das Dorfschild steht schief vom letzten Touchieren eines Traktors. Auf einer Anhöhe mitten in den Feldern kauern sich ein paar weitere Häuser zu einem Einfamilienhaus-Quartier zusammen. In den zwei Strassen dazwischen Basketballkörbe, Katzen, Gartenzwerge. Keine Menschen – die sind an der Arbeit. Bis 1940 lebten im Dorf ausschliesslich Landwirte - heute sind die meisten Einwohner von Vaux-sur-Morges Pendler und arbeiten im nahen Morges, Lausanne oder Genf.

Der Multimilliardär

Einer der Neuzuzüger brachte Vaux-sur-Morges in den letzten 10 Jahren immer wieder in die Schlagzeilen. Gleich neben der Gemeindeschreiberei, einer ehemaligen Kapelle, hat sich in einem umgebauten Bauerngut die Familie Hoffmann niedergelassen. André Hoffmann ist Multimilliardär.

Als Verwaltungsrat des Basler Pharmagiganten Roche vertritt er die Interessen der Roche-Erben. Von Morges aus verwaltet er mit seiner La Massellaz SA das Familienvermögen. Er fahre mit dem Rad zur Arbeit, erzählen Nachbarn. Herr Hoffmann sei ein sehr offener Typ, der sich nicht scheue, das ganze Dorf nach der Renovation des Landguts zu sich nach Hause einzuladen und an den Gemeindeversammlungen mitzureden. Unsere Interviewanfrage hat der 55jährige dankend abgelehnt.

Das reichste Dorf der Schweiz

Auf der Rangliste der Gemeinden mit den höchsten Steuereinnahmen pro Kopf liegt Vaux-sur-Morges seit Jahren auf Platz 1. Allerdings bezahlt vor allem André Hoffmann für alle 172 Einwohner. Gut viereinhalb Millionen Franken Steuern waren es im Jahr 2012.

Doch der Überfluss ist trotzdem nicht ausgebrochen in Vaux-sur-Morges. Die Dorfstrasse hat Risse, der Platz vor der Kirche, eigentlich der einzige markante Ort der Gemeinde, scheint eingewachsen und abgewetzt. «Es gibt keine grossen, leuchtenden Aktionen für die Bevölkerung», sagt der Gemeindeschreiber Raymond Stoudmann. «Ausser den angenehmen Nebeneffekt, dass wir wenig Steuern zahlen.» Den Steuerfuss konnte Vaux auf das gesetzlich erlaubte Minimum reduzieren.

Dass sich André Hoffmann im kleinen Weiler niedergelassen hat, mag Zufall sein. Oder kühle Berechnung: Denn mit seinem Vermögen hat er ein derartiges Gewicht, dass er in einer kleinen Gemeinde den Steuerfuss quasi im Alleingang senken kann – für sich und die Mitbewohner.

Seit einigen Jahren aber muss das Dorf die Einnahmen von seinem Milliardär teilen. Während die Gemeinde in den Nullerjahren satte Überschüsse verzeichnete, ist das Lorbeerbett für Vaux-sur-Morges dünner geworden: Etwa 85 Prozent der Steuereinnahmen muss die Gemeinde heute abgeben.

Ein schuldenfreies Dasein

Allerdings bleibt die Situation für eine kleine Landgemeinde mehr als komfortabel. Heute steht das Dorf komplett schuldenfrei da. Einige der Überschüsse gingen in einen Nachhaltigkeits-Fonds, um etwa ökologische Haussanierungen im Dorf zu unterstützen. Man leistet sich ein neues Müllsystem, Strassenbeleuchtung, ein Waldhaus. Kein Wunder, klopfen bald andere Gemeinden an. Seine Nachbargemeinden unterstützt Vaux-sur-Morges: Clarmont gibt es einen günstigen Kredit für eine Strassensanierung, in Colombier finanziert es den Aufbau einer Tagesschule mit.

Trotzdem: Die Geldschwemme wird mit gut schweizerischer Vorsicht behandelt. «Es stimmt, wir haben mehr finanzielle Kapazitäten als ärmere Gemeinden. Deswegen können wir aber nicht einfach Geld ausgeben, ohne zu rechnen», sagt Gemeindepräsident Vincent Denis. An der Gemeindeversammlung wird auch um Ausgaben von 1500 Franken hart diskutiert.

Abhängigkeit vom Supersteuerzahler

Was passiert, wenn der Supersteuerzahler eines Tages weg zieht, mag sich in Vaux-sur-Morges heute keiner ausmalen. «Wir bemühen uns, die Abhängigkeit von unserem grössten Steuerzahler zu reduzieren», sagt Gemeindepräsident Denis.

Das Dorf investiert in Immobilien und tritt auch als Vermieter auf: Soeben wurden drei grosse Mehrfamilienhäuser am Dorfrand fertiggestellt – über 6 Millionen Franken hat die Gemeinde hier in Beton gegossen. Die Mieteinnahmen der luxuriösen Appartements – jedes zu einem Mietpreis von über 3000 Franken – sollen der Gemeinde eine neue Einnahmequelle sein. Denn keiner weiss, wie lange der Milliardär dem Dorf treu bleibt.

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Marianne Roe, Gwatt
    Wieder so ein Bericht für die ewigen "Neider" "Geizer" und "Zocker". Wir sollten jedem solchen Neider eine Million zur Verfügung stellen und sehen, wie lange er diese halten oder evtl. sogar vermehren kann. Wohl keiner, denn Mittellose sind meistens nicht grundlos mittellos, sondern sie können nicht rechnen und können sehr leicht irregeführt werden oder versuchen auch andere irre zu führen. Das heisst, sie glauben auch an Lügen oder verbreiten Lügen.
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    1. Antwort von Albert Planta, Chur
      Ihre Äusserungen sind auch nicht das Gelbe vom Ei. Es stimmt nicht, dass alle Mittellosen selber für ihr Schicksal verantwortlich sind. Auch ist bei uns der Mittelstand stark benachteiligt, deshalb sacken viele immer weiter in die Armut ab, weil sich die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter öffnet. Die eigentlichen Gewinner heutzutage sind die Reichen. Deshalb schadet es nicht, wenn die Superreichen im Gespräch bleiben.
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  • Kommentar von Tobias Hofer, Rosshäusern
    Und was ist nun das Fazit, dieser journalistisch hochstehenden Berichterstattung? Dass MULTIMILIARDÄR Hoffmann trotz seiner MULTIMILIARDEN nicht den allgemein gültigen Klischees entsprechend MULTIMILIARDIERT und aufgtund dieses üblen Verhaltens aus der Gemeinde geworfen werden sollte, bevor er diese durch seinen Wegzug um ihre STEUER-MULTIMILIARDEN bringt und damit ins Elend stürzt?
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  • Kommentar von Eliane Meier, Frauenfeld
    Und wer von diesen Herren, die gezeigt wurden, ist nun Herr Hoffman?
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    1. Antwort von T.Hofer, Rosshäusern
      Darum geht es doch gar nicht. Hauptsache der MUL-TI-MI-LI-AR-DÄR ist wirkungsvoll zur Schau gestellt. Mit der Schilderung des netten Velofahres von nebenan, kann sich der Leser auch äusserst kreativ die unersättliche Gier und ungeheure Aroganz dieses MUL-TI-MI-LI-AR-DÄRS ausmalen. Schrecklich wie dieser mit seinen Multimiliarden, mit denen er rein theoretisch jederzeit weg ziehen könnte, die bescheidenen Leute vom Dorf durch sein (noch)-nicht-weg-ziehen, zu seinen wehrlosen Untertanen macht! =D
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