Das kostet: Babyboomer gehen in Pension

Schuldenmässig steht die Schweiz im Vergleich zu anderen Ländern in Europa eigentlich gut da. Dennoch steigt die Verschuldung, denn die Gesellschaft altert und das muss bezahlt werden. Es sei denn, wir machen etwas dagegen, wie die Eidgenössische Finanzverwaltung in einem Bericht schreibt.

Ein älteres Ehepaar sitzt auf einer Bank und geniesst den Blick auf den Zürichsee. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Alterung der Bevölkerung fordert auch die Kantone: Im Bild ein älteres Paar in Zürich. Keystone/Archiv

Geburtenstarke Jahrgänge kommen ins Rentenalter, die Schweiz wird älter und das kostet: AHV, IV, Gesundheitskosten, Kosten für die Langzeitpflege. «Das bedeutet, dass wir entweder höhere Beiträge bezahlen oder, so wie es der Bundesrat vorgeschlagen hat, die Mehrwertsteuer erhöhen», sagt Serge Gaillard, Direktor der Finanzverwaltung, zu den Folgen.

Damit spricht Gaillard die Reform der Altersvorsorge 2020 an, die derzeit vom Parlament beraten wird. «Die Rentenreform würde beim Bund einige Probleme lösen», sagt er.

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Lesen Sie hier den ganzen Bericht des Eidgenössischen Finanzdepartements.

Kantone und Gemeinden gefordert

Die Alterung der Bevölkerung fordert damit vor allem Kantone und Gemeinden. «Es bestehen grosse, finanzpolitische Herausforderungen, insbesondere ausgelöst durch die Langzeitpflege», sagt Stefan Leutwyler von der Gesundheitsdirektorenkonferenz dazu. «Diese Herausforderungen sind besorgniserregend für die Zukunft.» Es gebe aber auch Massnahmen, mit denen der Kostenschub gebremst werden könne, so etwa mit Prävention.

Unter dem Strich kosten Gesundheit, Pflege und Altersvorsorge also mehr. Das bedeutet auch, dass Bund, Kantone und Gemeinden insgesamt mehr Geld ausgeben werden, gemessen am Bruttoinlandprodukt. Diese sogenannte Staatsquote steigt bis ins Jahr 2045 von 32 auf 36 Prozent.

Zurückzuführen ist das hauptsächlich auf die Kosten in Gesundheit und Pflege. «Da spielt nicht nur die demographische Alterung eine Rolle», sagt Gaillard. «Bedeutsam ist auch, dass immer mehr Gesundheitsleistungen in Anspruch genommen werden.»

Optimistischer dank mehr Migration

Die Finanzverwaltung rechnet heute allerdings deutlich optimistischer als auch schon. Noch vor vier Jahren warnte der Bund vor einer wahren Explosion der Schuldenquote. Heute betrachtet die Finanzverwaltung die Lage viel entspannter und rechnet mit noch knapp 60 Prozent im Jahr 2045 – sofern nichts unternommen wird. «Wir haben in den letzten zehn Jahren die Schuldenquote reduziert und viel in die Infrastruktur investiert», sagt Gaillard dazu. Die Ausgangslage sei deshalb gut.

Hinzu kommt eine Komponente, über die politisch leidenschaftlich gestritten wird: Die Migration. Das Bundesamt für Statistik rechnet aktuell mit mehr Zuwanderung, als es noch vor vier Jahren voraussagte. Die Finanzverwaltung stützt sich auf diese Zahlen.

Mehr Zuwanderung entlastet die Sozialwerke zwar zunächst, weil mehr Erwerbstätige da sind, die etwa die Renten der älteren Generation finanzieren können. Doch längerfristig sieht es etwas anders aus. «Selbstverständlich erwerben diejenigen, die bezahlen, auch wieder Ansprüche an das Pensionssystem, von denen sie dann später profitieren können», sagt Gaillard.

Zum Schluss ein Trostpflaster

Über solche, viel längerfristige Effekte sagt die Finanzverwaltung nichts. Das sei zu weit weg, heisst es. Wenn auch alles teurer wird - fast an den Schluss ihres Berichts hat die Finanzverwaltung noch ein verheissungsvolles Trostpflaster geheftet: So wachse das verfügbare Einkommen pro Kopf in der Schweiz weiter. Herr und Frau Schweizer würden also reicher, trotz steigender Beiträge an Sozialversicherungen und Steuern.