«Das Problem hat zwei Füsse, nicht vier Pfoten»

Hunde haben in der Schweiz letztes Jahr fast 3300-mal zugebissen, zeigt eine Auswertung des Sonntagsblick. Schuld an den Bissen seien nicht die Hunde, sagt Hansueli Beer, Präsident der Schweizerischen Kynologischen Gesellschaft. Viele Hundehalter würden vergessen, dass ein Hund Erziehung brauche.

Ein Golfspieler hält einen Hund in den Armen. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die meisten Gemeinden kontrollieren laut der Kynologischen Gesellschaft den Besuch der Hundehalterkurse nicht. Reuters

Innert fünf Jahren ist die Zahl der gemeldeten Hundebisse in der Schweiz um 13 Prozent angestiegen. Fast 3300 waren es letztes Jahr, berichtet der Sonntagsblick. Der Anstieg erstaunt Hansueli Beer, Präsident der Schweizerischen Kynologischen Gesellschaft – des wichtigsten Hundehalterverbandes –, nicht. Die Zunahme hänge teilweise wohl damit zusammen, dass Ärzte die Beissvorfälle recht konsequent den Behörden melden würden. «In vielen Fällen ist es wahrscheinlich gar kein Hundebiss, sondern nur ein Zuschnappen, aber die Leute gehen völlig zu Recht damit zum Arzt.» Er wolle nichts verharmlosen, betont Beer.

«Schuld an Bissen ist der Hundehalter»

2:51 min, aus SRF 4 News aktuell vom 31.08.2015

Erziehung geht vergessen

Vor allem zwei Gruppen von Hundehaltern bereiten dem Fachmann Sorgen: Jene, die ihre Tiere aus dubiosen und unkontrollierten Zuchten aus dem Ausland in die Schweiz holen. Und solche, die ihre Hunde nicht richtig erziehen. «Das Problem hat nie vier Pfoten, sondern immer zwei Füsse.» Die Schuld für einen Biss sei beim Hundehalter zu suchen. «Viele Leute vergessen, dass ein Hund Erziehung braucht.» Ausserdem werde bei der Anschaffung eines Hundes oft nicht daran gedacht, dass ein Hund 10 bis 15 Jahre lebe. «Nach einem Jahr ändern sich vielleicht die Lebensumstände der Halter, und sie beginnen, den Hund zu vernachlässigen.»

Keine Kontrollen

Alle Hundehalter müssen seit einigen Jahren einen Kurs besuchen, um ihre Sachkunde im Umgang mit dem Tier nachzuweisen. In gewissen Kantonen sind auch bestimmte Hunderassen verboten, oder es gibt einen Leinenzwang und Maulkorbvorschriften. Den Anstoss für die Massnahmen gab ein Vorfall vor zehn Jahren im Kanton Zürich, als Pitbull-Terrier einen kleinen Buben angriffen und töteten. Hansueli Beer ist skeptisch, ob die getroffenen Massnahmen etwas bringen. So würden zum Beispiel die meisten Gemeinden nicht kontrollieren, ob die obligatorischen Hundehalterkurse besucht werden.

Anreize für freiwillige Kurse

Besser als obligatorische Kurse wären laut Hansueli Beer freiwillige Schulungen, die dafür vom Hundehalter mehr Wissen und Können abverlangen würden: «Ein solcher Kurs wäre intensiver als der Sachkundenachweis, den Halter heute absolvieren müssen.» Um die Leute zum Besuch eines freiwilligen Kurses zu bewegen, brauche es kluge Anreize. Wer einen solchen besuchen würde, müsste beispielsweise weniger Hundesteuer bezahlen, sagt Beer. Er ist überzeugt, dass dieses Modell mehr bringen würde als die heutigen Massnahmen – und so weniger Menschen von Hunden gebissen würden.

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