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Schweiz «Das Urteil ist bedauerlich für das Kind»

Schweizer Kinder dürfen nicht zwei Väter haben. Das hat das Bundesgericht entschieden. Rechtsprofessorin Andrea Büchler zum wegweisenden Urteil, dem Leihmutterschaftsverbot in der Schweiz und zum Kindeswohl.

Legende: Video Die Folgen des Urteils abspielen. Laufzeit 01:44 Minuten.
Aus Tagesschau vom 21.05.2015.

SRF News: Wie interpretieren Sie das Urteil des Bundesgerichtes?

Andrea Büchler: Das Urteil hat mich überrascht. Es steht im Widerspruch zu jüngeren Entwicklungen in den Nachbarländern Deutschland und Österreich. Dort wurde in ähnlichen Konstellationen eine ausländische Geburtsurkunde anerkannt.

Hat die Tatsache, dass beide Elternteile Männer waren, die Richter beeinflusst?

Das ist schwierig zu beurteilen. Grundsätzlich spielt diese Frage aber keine zentrale Rolle. Es ging darum, ein ausländisches Urteil über die Elternschaft zu beurteilen. Allerdings sind natürlich gleichgeschlechtliche Paare in diesen Konstellationen mit besonderen Problemen konfrontiert. So können sie noch keine Stiefkindadoption vornehmen. Der andere Vater kann das Kind also nicht adoptieren.

Was bedeutet das Urteil für das betroffene Kind?

Das Kind hat in der Schweiz nur einen Elternteil und damit natürlich gewisse Nachteile. Es hat zum Beispiel keine Erbrechte gegenüber dem anderen Vater. Die Rechte und Pflichten, die ansonsten beide Elternteile haben, hat jetzt nur der leibliche Vater des Kindes.

Was war ausschlaggebend für das Urteil?

Das Bundesgericht hat mitgeteilt, dass das Leihmutterschaftsverbot in der Schweiz eine gewichtige Rolle gespielt hat. Dem Kindeswohl hingegen wurde nicht die gleiche Bedeutung beigemessen.

Was hat das Urteil für eine Wirkung?

Klar ist: Mit der steigenden Mobilität wird es noch mehr solcher Fälle geben. Eine Möglichkeit, die Schwierigkeiten zu entschärfen, wäre eine internationale Konvention. Wir kennen solche Instrumente, zum Beispiel beim Haager Adoptionsübereinkommen. Momentan erarbeitet die Haager Konferenz ähnliche Instrumente für Fälle der Leihmutterschaft.

Was könnte zu Problemen führen?

Die Haltungen der verschiedenen Länder zur Leihmutterschaft sind sehr unterschiedlich. Es wird schwierig, hier einen Minimalkonsens zu erreichen. Somit müssen wir damit rechnen, dass über längere Zeit Rechtsunsicherheit besteht. Das ist bedauerlich, vor allem für die Kinder.

Das Interview führte Michael Steiner.

Andrea Büchler

Andrea Büchler

Seit 2002 ist Andrea Büchler Inhaberin des Lehrstuhls für Privatrecht und Rechtsvergleichung an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Zürich.

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38 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Koller, Basel
    Wenn ich diese Kommentare hier lese stelle ich 2 Dinge fest. 1. Wir leben wohl doch noch im Mittelalter, 2. Ahnung von Kindern scheint keiner hier zu haben.
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    1. Antwort von Werner Christmann, Stein am Rhein
      Hans Koller: Schön dass sie sich hier geoutet haben als der einzige der eine Ahnung von Kindern hat. Übrigens: Ich habe 3 Kinder, selber gezeugt mit meiner Ehefrau und selber aufgezogen auch mit meiner Frau. Und sie?
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  • Kommentar von M. Roe, Gwatt
    Homos sollen keine Kinder adoptieren können, das ist für mich ganz klar. Da hatte das Bundesgericht wieder einmal einen wirklich logischen Entscheid gefällt. Ein Kind darf nicht 2 Väter haben. Wenn das Gericht ja gesagt hätte, müsste ich sagen, bei denen ist eine Schraube locker. Ich sehe das Problem vor allem bei den Schwulen, denn die können sich nicht mit der Gleichberechtigung der Frauen abfinden. Die Schwulen werden sicher deshalb auch von der islamischen Welt (deren Männer) unterstützt.
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  • Kommentar von Nicole Schärli, AESCH
    Und noch was: Der Egoisumus heute kenn keine Grenzen. NEIN, Kinder kriegen ist kein Menschenrecht. UND nebst Rechten gibt es auch noch Pflichten. KINDER darf und soll man nicht beliebig verteilen, verpflanzen, adoptieren, verschenken!Weder an Heteros noch an HOmos. Sie haben ein Recht auf Familie und zwar au Mama und Papa. Was nicht heissen soll, das Homosexuelle primär schlechte Eltern wären. Nein damit hat es nichts zu tun!! Bin der Meinung das auch viele Heteros kein Kinder kriegen sollten
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    1. Antwort von M. Steiner, Winterthur
      Selber schwul, teile ich Ihre Ansicht. Geht es um Adoption aus einer Notlage heraus, ist das Urteil des BGE verwerflich, weil es das Kind im Todesfall des Vaters rechtlos lässt. Aber der Mechanismus der Leihmutterschaft als faktenschaffende Adoptionsbasis lehne ich ab. Es gibt, wie sie sagen, kein Recht auf Kinder. Und ein paar Unterschiede darf es in dieser Gleichmachergesellschaft schon noch geben, Herrschaft! Die Zwängerei schadet anderen, viel wichtigeren gleichgeschlechtlichen Anliegen.
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    2. Antwort von Werner Christmann, Stein am Rhein
      Alle Achtung, M. Steiner!!!!
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