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Der Schweizer IS-Kämpfer
Aus 10 vor 10 vom 16.03.2016.
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Schweiz Datenleck im IS: Schweizer wollte keine Todesanzeige an Familie

Einer der vier Schweizer Dschihadisten, die in den Personalakten des Islamischen Staates (IS) verzeichnet sind, wollte seinen allfälligen Tod gegenüber seiner Familie verheimlichen. Das geht aus der Akte der Befragung des IS hervor. Das berichtet «10vor10».

Der heute 25-jährige Damien G. hat sich gemäss den öffentlich gewordenen Dokumenten des Islamischen Staates (IS) am 1. August 2013 auf das Territorium der Terrormiliz begeben. Wie alle Neuankömmlinge wurde er von der «General-Grenzverwaltung» befragt. Damien G. meldete sich als Kämpfer. Eingereist war er gemäss dem Personalbogen aus der Türkei über den Grenzort Atmeh.

Der Personalbogen, den der IS über Damien G. aus Orbe (VD) erstellt hat, enthält einige Besonderheiten, wie die Analyse ergab. «10vor10» liegen die Personalbögen der vier Männer aus der Schweiz vor, die bis jetzt in der Datensammlung des Rechercheverbunds von WDR/NDR/SZ entdeckt wurden.

Eine Bauchtasche, scheinbar zur Bombe präpariert, zusammen mit dem Schweizer Pass.
Legende: Eines der letzten Bilder, das von Damien G. stammt. Er veröffentlichte es 2014 auf Twitter. SRF

Unter Punkt 21 fragt die Terrormiliz nach einer Kontaktadresse – dies offensichtlich, um Angehörige im Todesfall benachrichtigen zu können. Gemäss dem Journalisten Volkmar Kabisch vom Rechercheverbund gaben fast alle IS-Rekruten Telefonnummern von der Familie oder Freunden an. Nicht aber Damien G. Über ihn notiert der IS auf dem Personalbogen: «Er will, dass wir niemanden benachrichtigen.»

Journalist Kabisch sagt dazu gegenüber «10vor10»: «Das ist ehrlich gesagt gar nicht üblich. Von den Bögen, die ich mir bisher durchgesehen habe – bisher ein paar Tausend – ist es das einzige Mal, das jemand ausschliesst, dass Familienangehörige, Freunde oder sonst wer informiert wird.»

Mutter: «Er ist nur mit dem Nötigsten abgereist»

Aufgewachsen ist Damien G. bei Adoptiveltern im Waadtland, er stammt ursprünglich aus Algerien. Seine Mutter sagte 2014 gegenüber dem Westschweizer Fernsehen RTS, er sei 2013 unverhofft abgereist, sie habe nichts kommen sehen. «Ich habe keine Sekunde daran gedacht, dass er seine Abreise vorbereitet». Er habe sogar seinen Gebetsteppich zurückgelassen. «Er ist nur mit dem Nötigsten abgereist. Das sind all seine Sachen», sagt die Mutter und blickt auf den noch vollen Kleiderschrank.

Zudem fällt in der Personalakte von Damien G. auf, dass er nach eigenen Angaben vor dem Eintritt in den IS bereits bei mehreren anderen islamistischen Milizen gekämpft hat. Dies legt er unter Punkt 15 offen, wo der IS fragt: «In welchem Jihad kämpfte er zuvor?». Damien G. nennt zwei Gruppen: Jabhat Al Nusra, der Ableger von Al Kaida in Syrien. Und «Muhajireen wal Ansar». Dabei handelt es sich wohl um die «Jaish al Muhajireen wal Ansar», übersetzt: «Armee der Ausländer und Unterstützer».

2013 war die Gruppe mit Al Kaida verbunden. Dann kam es zum Bruch und ein Teil der Kämpfer schloss sich dem IS an. Anführer der abtrünnigen Fraktion ist Omar Al Shishani, ein Tschetschene. Der Schweizer Damien G. gehört wohl zur Gruppe jener Kämpfer aus dem Ausland, die 2013 mit Al Shishani zum IS wechselten.

Omar Al Shishani stieg in die höchsten Ränge des IS auf, die USA bezeichnen ihn als «Kriegsminister» des IS und setzten 5 Millionen Dollar Belohnung aus. Vor zwölf Tagen dann: Die USA fliegen einen weiteren Luftangriff auf Stellungen des IS – und treffen nach eigenen Angaben Omar Al Shishani. Er wurde offenbar schwer verletzt.

Die «Jihad-Erfahrung» von Damien G. war für den IS offensichtlich von grossem Interesse. Denn seine Laufbahn bei den anderen Gruppen wurde gleich doppelt vermerkt auf dem Personalbogen; ein zweites Mal unter Punkt 23 «Bemerkungen». Dort ist die Information sogar rot markiert.

Spuren zu Rekrutierer von Paris-Attentäter

Von erhöhtem Wert für die Terrororganisation dürften auch die Angaben sein, die Damien G. bei Frage 11 machte, den bisher bereisten Ländern: Marokko, Frankreich, Italien, Holland, Deutschland, Türkei und Syrien. Den Vorgesetzten im IS wird damit deutlich: Der Neuankömmling aus der Schweiz kann sich offenbar in Europa, sowie gewissen Ländern Nordafrikas und des Nahen Ostens frei bewegen.

Damien G. stellte mehrmals Propaganda-Inhalte aufs Internet. 2014 verbreitete er auf Twitter das Bild einer Bauchtasche, die scheinbar zu einer Bombe präpariert ist. Darin steckt ein Schweizerpass. Zudem ist er auf einem Gruppenbild zu sehen, zusammen mit dem Franzosen Mourad Fares, bekannt unter dem Kampfnamen Al Hassan Al Faransi. Dieser ist nach Erkenntnissen französischer Ermittler für die Rekrutierung von zumindest einem der Attentäter der Anschläge von Paris im November 2013 verantwortlich.

Auch von Fares finden sich in den öffentlich gewordenen Personalunterlagen des IS Spuren: Er taucht mehrfach als sogenannter Bürge auf, also Referenz für Neuankömmlinge – so etwa als Bürge des Schweizer Konvertiten Mathieu A.

Ob Damien G. noch am Leben ist, weiss auch sein Vater nicht, er habe kein Lebenszeichen von seinem Sohn erhalten. Dies sagte der Vater gegenüber SRF-Korrespondent Rolf Dietrich.

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Beppie Hermann  (Eine rechte Grüne)
    Und das hat also nichts mit dem Islam resp Koran zu tun? Der Koran hat, im Gegensatz zum NT, keine Überarbeitung erfahren, es scheint sich auch niemand ernsthaft dafür anzustrengen. Jeder kann ihn lesen und umsetzen und meinen er tue das einzig Richtige. Diese Schrift gehört mE der heutigen Zeit angepasst oder verboten. Und die moderaten Muslime möchten doch bitte endlich ihren unterschwelligen Separatismus hinterfragen, auch optisch, denn er ist mitschuld an der Isolation ihrer eigenen Jugend.
    1. Antwort von W. Pip  (W. Pip)
      Einverstanden. Kommentierte Ausgaben als einzig legale Versionen würden helfen.
  • Kommentar von Ursula Schüpbach  (Artio)
    "Ob Damien G. noch am Leben ist, weiss auch sein Vater nicht, er habe kein Lebenszeichen von seinem Sohn erhalten. Dies sagte der Vater gegenüber SRF-Korrespondent Rolf Dietrich." Nicht jedes Kind mag mit seinem Vater noch Kontakt haben.
  • Kommentar von Saroukhan Ali  (Kurdisch von Syrien)
    ich verstehe nicht warum CH Behörde lassen so luite einbürgern .Danke
    1. Antwort von Hans Haller  (panasawan)
      Vorsicht Herr Saroukhan Ali, damit laufen Sie Gefahr in der Luft zerrissen zu werden. - NB: Die Gedanken sind frei...!
    2. Antwort von Christophe Bühler  ((Bühli))
      Laut SF wurde. D.G aus Algerien adoptiert.