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Schweiz Deponie Bonfol: Einfach der Nase nach

Seit Jahren wird die ehemalige Chemiemüll-Ablage saniert – ein hunderte Millionen Franken teures Hightechgeschäft. Zurzeit sind statt ferngesteuerten Robotern sensible Nachbarn gefragt.

Legende: Video Ehrenamtlich Schnuppern in Bonfol abspielen. Laufzeit 1:59 Minuten.
Aus Tagesschau vom 01.09.2013.

In den 1960er- und 1970er Jahren karrte die Basler Chemie 114'000 Tonnen Abfälle in eine stillgelegte Tongrube in der dünnbesiedelten Ajoie. Die billige Entsorgung des teils hochgiftigen Mülls ist zu einer aufwendigen Totalsanierung geworden – mit gigantischen Kosten für die Verursacher. Die Basler Chemie wird für die vollständige Entgiftung des Areals in Bonfol rund 350 Millionen Franken bezahlen müssen.

Stinkt es heute Morgen?

Die seit Jahren dauernde Sanierung ist zur Hälfte geschafft. 86'000 Tonnen kontaminierte Erde sind bisher ausgegraben, weggeschafft und als Sondermüll verbrannt. Nachdem der erste Teil der Grube saniert ist, wird das riesige Zelt geöffnet und demnächst auf den noch nicht sanierten Teil verschoben.

Nun sind die Nachbarn gefragt. 28 Freiwillige schnüffeln im Auftrag der Basler Chemischen Industrie (bci) jeden Morgen und Abend, ob es von der Deponie her unangenehm stinkt. Schlagen sie Alarm, sprayt die bci Betriebs AG die Halle mit ätherischen Ölen ein.

Deponie Bonfol: billig entsorgt – sehr teuer saniert

  • Rostende Fässer
    Legende: Rostende Fässer SRF

    1961 bis 1976: Giftstoffe werden aufgehäuft

    In einer ehemaligen Tongrube im Grenzgebiet zu Frankreich lagern Basler Chemiefirmen in den 1960er und 1970er Jahren ihren gefährlichen Abfall ab – im ganz grossen Stil: Rund 114'000 Tonnen Müll aus der Produktion von Farbstoffen, Pharmazeutika, Waschmitteln und Agrochemikalien, unsortiert, nicht dokumentiert, giftig, teils radioaktiv. Nach 16 Jahren ist die Grube randvoll. Sie wird stillgelegt und versiegelt.

  • Gigantische Altlast rückt ins Bewusstsein

    In den 1980er Jahren wird das Dorf Bonfol in der jurassischen Ajoie schweizweit bekannt: Auslaufende Giftstoffe belasten das Grundwasser. Im Rahmen eines Sicherheitskonzepts wird eine Kläranlage mit einer biologischen Reinigungsstufe errichtet, um die gefährlichen Sickerwässer entsorgen zu können.

  • Mai 2001: Varianten zur Sanierung

    Umweltschützern genügen die Massnahmen nicht. Nach anhaltenden Protesten willigen die Basler Chemiefirmen im Sommer 2000 in eine umfassende Sanierung ein. Ein Jahr später liegen zwei Varianten für ein Sanierungskonzept vor.

  • Mai 2004: Umweltverbände kritisieren Konzept

    Das von der Basler Chemie vorgelegte Sanierungskonzept wird von Umweltorganisationen stark kritisiert. Es entspreche weder Arbeitsschutz noch Umweltgesetzen.

  • September 2005: Greenpeace berichtet von Dioxin

    Ein Gutachten im Auftrag von Greenpeace kommt zum Schluss, dass in der Deponie Bonfol grosse Mengen hoch giftiger Dioxine, Furane und PCB lagern. Diese könnten beim Ausgraben freigesetzt werden.

  • Jahrelange Vorbereitungsarbeiten

    Über der Deponie wird eine riesige Aushubhalle errichtet, 150 Meter lang, 122 Meter breit, 40 Meter hoch. Sie deckt allerdings nur die Hälfte der Deponiefläche ab. Ist der Aushub darunter beendet, soll die Halle auf die andere Deponiehälfte verschoben werden. Die Halle wird luftdicht abgeschlossen, den Aushub besorgt ein ferngesteuertes Kran-System. Für die Sanierung, die bis 2015 dauern soll, wird mit Gesamtkosten von 350 Millionen Franken gerechnet.

  • März 2010: Beginn der Aushubarbeiten

    Endlich beginnen die Arbeiten im Innern des Sarkophags, der seit 2007 über der Sondermülldeponie errichtet worden ist. Bis zu zwölf Meter tief soll gegraben, ferngesteuert täglich 160 Tonnen verseuchte Erde abgeführt werden. Die Luft in der «Zone noire» des Sarkophags ist während der Sanierung so giftig, dass sie gefiltert und verbrannt werden muss.

  • Juli 2010: «überraschende» Explosion

    Kaum sind die Aushubarbeiten aufgenommen, ereignet sich in der luftdicht verschlossenen Halle eine Explosion – eine «Überraschung» für die Fachleute. Dabei wird ein Arbeiter, der am Boden der Grube mit einem Spezialbagger beschäftigt war, leicht verletzt. Der Rückbau wird für Monate gestoppt. Experten der Stadtpolizei ergründen, wie es zur Explosion kommen konnte.

  • März 2011: Zusätzliche Sicherheitsmassnahmen

    Acht Monate nach der Explosion trifft ein neuer, ferngesteuerter Bagger ein. Mit diesem Gerät können die Aushubarbeiten im Mai wieder aufgenommen werden.

  • Explosion beschäftigt Öffentlichkeit

    Umweltaktivisten des «Collectif Bonfol», welche die Sanierungsarbeiten der Deponie in Bonfol kritisch begleiten, veröffentlichen im Juni 2011 Aufnahmen von Überwachungskameras. Diese zeigen, was im Juli 2010 in den Minuten nach der Explosion vor sich ging.

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