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Schweiz Der Blackout 2005 – ein schwarzer Tag für die SBB

Am Abend des 22. Juni 2005 verwandelte sich die SBB in eine Geisterbahn. Kein einziger Zug fuhr mehr, das Stromnetz war komplett zusammengebrochen. 200'000 Reisende sassen fest – viele auf offener Strecke oder in Tunnels. Doch der Totalstillstand war kein Schicksalsschlag, sondern hausgemacht.

Legende: Video SBB: Neues System gegen Strom-Blackout abspielen. Laufzeit 01:05 Minuten.
Aus Tagesschau vom 21.01.2014.

Wie zumeist an Feierabenden hatten auch am Abend des 22. Juni 2005 die Pendler nur ein Ziel: Nach Hause zu kommen. Doch daraus wurde nichts. Um 17.45 Uhr brach das Netz der SBB in der ganzen Schweiz zusammen. Rund 2000 Züge und 200'000 Reisende sassen fest.

Chaos bei brütender Hitze

Züge blieben am Bahnhof, irgendwo in der Prärie oder – noch schlimmer – in Tunnels stecken. Mit Diesellokomotiven wurden Züge in einen nahen Bahnhof gefahren oder aus dem Tunnel gezogen. In den Waggons wurde es teilweise ziemlich ungemütlich: Der Stromausfall fiel mit dem bislang heissesten Tag des Jahres zusammen. Und mit dem Strom fielen auch die Klimaanlagen aus.

Wartende Menschen sitzen auf dem Boden
Legende: Sommerliche Temperaturen und endlich Feierabend – doch die Züge verkehren nicht. Das Stromnetz der SBB ist tot. Keystone

Wer nicht im Zug fest sass, wartete auf Perrons oder in Schalterhallen. Allein am Hauptbahnhof in Zürich waren etwa 50'000 Menschen betroffen. Mitarbeiter der SBB verteilten den «Gestrandeten» Wasser und wiesen ihnen wenn möglich Ersatzbusse zu. Die Pendler akzeptierten ihr Schicksal erstaunlich gelassen. Zu Panik kam es nirgends.

Gegen 20 Uhr wurde der Netzstrom behutsam wieder eingeschaltet, ab 20.45 Uhr verkehrten wieder erste Schnellzüge. Die Strompanne kostete die SBB 5 Millionen Franken.

Unzureichendes Netz

Der Stillstand war hausgemacht. Dazu geführt haben eine ganze Reihe von Fehlern, Fehlplanungen und falschen Verhaltensmustern. Seinen Ursprung hatte der Zusammenbruch im Kanton Uri.

Aufgrund von Bauarbeiten musste die SBB in Uri zwei Stromleitungen abschalten. Dabei ging man bei der SBB davon aus, dass die noch zur Verfügung stehende Leitung mehr belastet werden könnte, als tatsächlich der Fall war. Doch aufgrund von Überbelastung setzte eine Schutzabschaltung ein. Auch die letzte verbliebene Leitung fiel aus.

Damit war der Stromtransport Richtung Norden komplett abgeschnitten. Im Tessin entstand eine Überbelastung, weil der Strom nicht mehr weitergeleitet werden konnte. Die Stromversorgung im Raum Uri/Tessin brach zusammen. Von diesem Moment an wurde falsch reagiert.

«Wenn etwas ausfällt, geht es in erster Linie darum, diesen kranken Teil zu reparieren. Das war immer unsere Strategie», gab Hansjörg Hess, damaliger Leiter Infrastruktur SBB, später zu bedenken. Besser wäre es gewesen, in erster Linie den gesunden Teil gesund zu halten. So wäre der Totalausfall zu verhindern gewesen.

Strom verkauft, statt ins eigene Netz gespeist

Zudem verkaufte die SBB an besagtem Mittwoch bis zuletzt Strom an Dritte. Wenn die Abläufe gestimmt hätten, wäre der Verkauf beim Eintreten der Störung sofort eingestellt worden. Dann hätte der Strom mindestens für einen Teilbetrieb gereicht, wie Hess weiter erklärte.

Der Imageschaden war angerichtet. Doch die später vorgeschlagenen Verbesserungsmassnahmen hat die SBB rasch erfüllt. Beim Störtfallmanagement steht heute die Begrenzung eines Schadenfalles im Vordergrund.

3000 Kilometer Schienennetz – plötzlich tot

  • 22. Juni 2005: Gesamtes SBB-Netz unterbrochen

    So etwas hat es noch nie gegeben: Mitten in der Rushhour fiel in der Schweiz der gesamte Zugverkehr aus. Reisende sassen in unklimatisierten Waggons fest. Der Unterbruch dauerte über 3 Stunden.

  • 23. Juni 2005: Hintergründe zum Totalausfall

    Einen Tag nach dem Blackout auf dem Netz der SBB ist die Ursache geklärt. Schuld war ein Kurzschluss in der Innerschweiz. Dieser setzte eine fatale Kettenreaktion in Gang.

  • 1. Juli 2005: Schuldeingeständnis der SBB

    9 Tage nach dem totalen Blackout machen die SBB ein überraschendes Eingeständnis. Der schweizweite Stromausfall hätte verhindert werden können. Die Ursache war nicht ein Kurzschluss, sondern eine Überlastung des Stromnetzes.

  • 22. Dezember 2005: SBB-Blackout vor einem halben Jahr

    Vor einem halben Jahr sind Hunderttausende Pendler auf Bahnhöfen und in Zügen gestrandet. Die Reisenden nahmen die Wartezeiten mit einer erstaunlichen Gelassenheit hin. Einige von ihnen erinnern sich im Beitrag daran, wie sie den bislang schwärzesten Tag der SBB erlebten.

  • 22. Juni 2006: Jahrestag SBB-Blackout

    Ein Jahr ist es her, als die Züge in der Schweiz still standen. Der Blackout hat Hansjörg Hess, Chef Infrastruktur SBB, damals auf dem falschen Fuss erwischt. Seither hat die SBB aber verschiedene Massnahmen ergriffen, um ein solches Debakel künftig zu verhindern.

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