«Der neue Armeechef muss mehr Mut aufbringen»

Überzeugend, glaubwürdig, politisch denkend, starke Persönlichkeit: Über diese Eigenschaften sollte der neue Armeechef verfügen, sagt Militärexperte Bruno Lezzi. So jemanden sei nicht einfach zu finden. Ausserdem müsse der Neue die Bedürfnisse der Armee ganz klar auf den Tisch legen.

Soldaten stehen auf einem Platz. Einer hälte eine Schweizerfahne vor dem Gesicht. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Schweiz im Alleingang bei der Verteidigung? Sie muss plausible Antworten dazu finden, sagt ein Experte. Keystone

SRF News: Welche Eigenschaften muss der neue Armeechef haben?

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Bruno Lezzi

Bruno Lezzi in der Sendung «Arena» 2014

Der Schweizer Militärhistoriker und Generalstabsoffizier arbeitete im Eidg. Militärdepartement und später als Sicherheitsexperte für die «Neue Zürcher Zeitung». Er war Mitglied der Ausserparlamentarischen Kommission für militärische Einsätze der Schweiz zur internationalen Friedensförderung. Er doziert zu Sicherheitspolitik an der Uni Zürich.

Bruno Lezzi: Die wichtigste Eigenschaft ist Überzeugungskraft und Glaubwürdigkeit. Jeder Armeechef muss militärisch, fachlich und als Persönlichkeit überzeugen. Er muss zudem sehr kommunikativ sein. Eine Persönlichkeit, die alle diese Eigenschaften mitbringt, ist aber schwierig zu finden.

Gleichzeitig ist es so, dass die Politik die Vorgaben macht, etwa bei der Weiterentwicklung der Armee. Ist denn ein Armeechef mehr als ein Verwalter, der einfach Aufträge umsetzen muss?

Das müsste er sein, ja. Früher gab es eine Kommission für die militärische Landesverteidigung, den Generalstabschef als Primus inter Pares. Heute haben wir das Modell mit einer Armeespitze. Die Politik kann nicht alleine bestimmen, wie die Armee gestaltet werden soll. In diesem Sinne muss auch der Armeechef politischer denken als früher und er muss sich politisch äussern. Das ist bisher zu wenig passiert. Es gab Schwierigkeiten, sich zwischen der Führung durch den Departementschef und der militärischen Spitze einzupendeln. Der neue Armeechef muss mehr Mut aufbringen, die Bedürfnisse der Armee klar auf den Tisch zu legen.

Grosse Beschaffungsgeschäfte sind immer umstritten. Bald wird es wieder um neue Kampfjets gehen. Welche Rolle spielt der Armeechef da?

Eine grosse. Da ist er als Sprecher der Armee entscheidend. Auf ihn kommt es an, wie glaubwürdig dieses Projekt der Öffentlichkeit und der Politik vermittelt werden kann. Sein militärisches Fachwissen und der militärische Horizont, über den er verfügt, wird hier ganz klar ins Spiel gebracht werden müssen.

Vor zwei Jahren ist der Gripen an der Urne gescheitert. Was kann man daraus lernen?

Dass man hier nochmals über die Bücher gehen muss. Meines Erachtens hat man zu viel auf einer rein technologischen Basis argumentiert. Man hat zu sehr mit Zahlen argumentiert, aber den grösseren, strategischen Rahmen hat man vernachlässigt. Es fällt dem Armeechef zu, den verteidigungspolitischen Rahmen in Europa ganz klar darzulegen. Wenn alle anderen Armeen sagen, die heutigen Aufgaben seien nicht mehr alleine zu erfüllen, dann muss die Schweiz eine plausible Antwort finden, wenn sie ihre Landesverteidigung weiterhin alleine aufrechterhalten will.

Das Gespräch führte Elmar Plozza.