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Schweiz «Der neue Armeechef muss mehr Mut aufbringen»

Überzeugend, glaubwürdig, politisch denkend, starke Persönlichkeit: Über diese Eigenschaften sollte der neue Armeechef verfügen, sagt Militärexperte Bruno Lezzi. So jemanden sei nicht einfach zu finden. Ausserdem müsse der Neue die Bedürfnisse der Armee ganz klar auf den Tisch legen.

Soldaten stehen auf einem Platz. Einer hälte eine Schweizerfahne vor dem Gesicht.
Legende: Schweiz im Alleingang bei der Verteidigung? Sie muss plausible Antworten dazu finden, sagt ein Experte. Keystone

SRF News: Welche Eigenschaften muss der neue Armeechef haben?

Bruno Lezzi: Die wichtigste Eigenschaft ist Überzeugungskraft und Glaubwürdigkeit. Jeder Armeechef muss militärisch, fachlich und als Persönlichkeit überzeugen. Er muss zudem sehr kommunikativ sein. Eine Persönlichkeit, die alle diese Eigenschaften mitbringt, ist aber schwierig zu finden.

Gleichzeitig ist es so, dass die Politik die Vorgaben macht, etwa bei der Weiterentwicklung der Armee. Ist denn ein Armeechef mehr als ein Verwalter, der einfach Aufträge umsetzen muss?

Das müsste er sein, ja. Früher gab es eine Kommission für die militärische Landesverteidigung, den Generalstabschef als Primus inter Pares. Heute haben wir das Modell mit einer Armeespitze. Die Politik kann nicht alleine bestimmen, wie die Armee gestaltet werden soll. In diesem Sinne muss auch der Armeechef politischer denken als früher und er muss sich politisch äussern. Das ist bisher zu wenig passiert. Es gab Schwierigkeiten, sich zwischen der Führung durch den Departementschef und der militärischen Spitze einzupendeln. Der neue Armeechef muss mehr Mut aufbringen, die Bedürfnisse der Armee klar auf den Tisch zu legen.

Grosse Beschaffungsgeschäfte sind immer umstritten. Bald wird es wieder um neue Kampfjets gehen. Welche Rolle spielt der Armeechef da?

Eine grosse. Da ist er als Sprecher der Armee entscheidend. Auf ihn kommt es an, wie glaubwürdig dieses Projekt der Öffentlichkeit und der Politik vermittelt werden kann. Sein militärisches Fachwissen und der militärische Horizont, über den er verfügt, wird hier ganz klar ins Spiel gebracht werden müssen.

Vor zwei Jahren ist der Gripen an der Urne gescheitert. Was kann man daraus lernen?

Dass man hier nochmals über die Bücher gehen muss. Meines Erachtens hat man zu viel auf einer rein technologischen Basis argumentiert. Man hat zu sehr mit Zahlen argumentiert, aber den grösseren, strategischen Rahmen hat man vernachlässigt. Es fällt dem Armeechef zu, den verteidigungspolitischen Rahmen in Europa ganz klar darzulegen. Wenn alle anderen Armeen sagen, die heutigen Aufgaben seien nicht mehr alleine zu erfüllen, dann muss die Schweiz eine plausible Antwort finden, wenn sie ihre Landesverteidigung weiterhin alleine aufrechterhalten will.

Das Gespräch führte Elmar Plozza.

Bruno Lezzi

Bruno Lezzi in der Sendung «Arena» 2014

Der Schweizer Militärhistoriker und Generalstabsoffizier arbeitete im Eidg. Militärdepartement und später als Sicherheitsexperte für die «Neue Zürcher Zeitung». Er war Mitglied der Ausserparlamentarischen Kommission für militärische Einsätze der Schweiz zur internationalen Friedensförderung. Er doziert zu Sicherheitspolitik an der Uni Zürich.

19 Kommentare

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  • Kommentar von M. Roe (M. Roe)
    Naja, vielleicht haben die Verantwortlichen gedacht, dass man ein nur bei schönem Wetter einsetzbares Abwehrsystem kaufen wollte, da bei schlechtem Wetter wohl keine Luftangriffe gestartet würden. Dabei haben sie wohl unbemannte Raketenangriffe nicht in Betracht gezogen. (zynisch)
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  • Kommentar von Niklaus Bächler (parteilos!!)
    Wahrscheinlich wird ein SVP-Höriger eingesetzt werden,der dann wiederum die wahren Herausforderungen nicht zu erkennen vermag.Es müsste endlich ein unabhängiger, umsichtiger, führungserprobter Macher(kein karrieregeiler, theorieträumerischer Militärkopf) an die Armeespitze gewählt werden.Einer, der die wahren Bedrohungen erkennt & sich nicht in alten militärischen Denkmustern verliert.Diejenigen welche Duros aufmotzen & unnützen Kampffliegern zujubelten haben wir nun erlebt.Es braucht Ausmister!
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    1. Antwort von Hans Haller (panasawan)
      Der Auftrag der Armee ist gemäss Verfassungsartikel und Auftrag klar und eindeutig definiert. Daran hat man sich zu halten. Dementsprechend sind die Ausbildung, die Ausrüstung und die Rescourcen zu planen und disponieren. Restlos alle Fehlleistungen sind zu eliminieren. Der Kontakt zu den Medien bedarf genauer Kontrollen. Die Sik muss mit loyalen und vor allem mit Sachverständigen Personen bestückt werden. Das Amtsgeheimnis ist absolute Pflicht und darf niemals verletzt werden.
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  • Kommentar von Ursula Schüpbach (Artio)
    "Der neue Armeechef muss mehr Mut aufbringen". Die Sache ist delikat. Wer hat z.B. mal den Sender TV5Monde attackiert? Ich möchte das wissen, denn die SRG ist daran beteiligt. Waren es Leute des IS-"Staates" oder des Putin-Staates? Bis heute ist diese Attacke auf TV5Monde offenbar nicht geklärt.
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    1. Antwort von M. Kaiser (Klarsicht)
      Das würde auch mich sehr interessieren !
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