Zum Inhalt springen

Wahlen in der Waadt «Der SVP-Kandidat stellte sich teilweise selber ins Offside»

Die SVP wollte an den Waadtländer Staatsratswahlen den Sitz zurückzuerobern, den sie vor sechs Jahren an die Grünen verloren hat. Der erste Wahlgang brachte noch keine Entscheidung. SRF-Korrespondentin Barbara Colpi schätzt die Chancen von Nicolet im 2. Wahlgang ein.

Porträt Nicolet
Legende: Der neu kandidierende Jacques Nicolet von der SVP schnitt im ersten Wahlgang besser ab als prognostiziert. Keystone

SRF News: Der erste Wahlgang brachte keine Entscheidung. Schafft es der Nationalrat und Landwirt Jacques Nicolet im zweiten Wahlgang?

Barbara Colpi: Seine Chancen sind besser als erwartet. Sagen wir es so: Er hat im 1. Wahlgang ein klar besseres Resultat erreicht, als prognostiziert wurde. Er holte am achtmeisten Stimmen und liegt nur rund 7000 Stimmen hinter SP-Nationalrätin Cesla Amarelle auf Rang 7 zurück.

Erschwerend kommt für Nicolet im zweiten Wahlgang allerdings dazu, dass sämtliche FDP-Kandidaten bereits wiedergewählt sind und die Bürgerlichen schwieriger zu mobilisieren sein werden für den 2. Wahlgang als die Linken. Trotzdem muss die SVP mindestens die Hoffnung noch nicht ganz begraben, vielleicht doch noch in einem Westschweizer Kanton den Sprung in den Regierungsrat zu schaffen.

Das ist aber nicht gerade ein Parmelin-Effekt, den Nicolet erlebt. Warum?

Jacques Nicolet hat sich im Vorfeld der Wahlen teilweise auch selber ins Offside gestellt. Er hat gesagt, er würde bei den französischen Präsidentschaftswahlen die Front-National Kandidatin Marine Le Pen wählen. Dies erklärt sicher auch, dass ihn FDP-Wähler massiv auf der gemeinsamen Liste gestrichen haben müssen.

Dann machte er eine weitere Aussage, die in Bauernkreisen für Kopfschütteln sorgte. Er sagte, auf seinem Hof einen französischen Tierarzt zu berücksichtigen, da kein Schweizer Tierarzt die Fähigkeiten hatte – damals als er sich für einen Veterinär entschied.

Insgesamt hat die SVP in der Waadt zuletzt mit internen Querelen zu kämpfen gehabt. Vor einem Jahr wurde Claude-Alain Voiblet ausgeschlossen, da er bei den Nationalratswahlen Plakate anderer Kandidaten überklebt hatte. Die ehemalige Präsidentin der SVP Waadt, Fabienne Despot, musste ihren Sessel räumen, weil sie heimlich Gespräche der Parteikollegen aufgezeichnet hatte. Alles Gründe, die sich negativ auf einen möglichen Parmelin-Effekt auswirken. Auch das Vorhaben, die Präsenz im Parlament zu verstärken, ist gescheitert.

Pascal Broulis von der FDP und Pierre Yves-Maillard von der SP lieferten sich ein Kopf an Kopf-Rennen um den besten Platz. Sie sind offensichtlich die unbestrittenen Platzhirsche in der Waadt.

Absolut, die beiden holten je rund 60 Prozent der Stimmen, Broulis knapp mehr als Maillard. Die beiden werden am Ende der Legislatur 20, respektive 18 Jahre im Staatsrat gesessen haben. Sie stehen für den sogenannten «compromis dynamique», so nennen die Waadtländer ihre Konsenspolitik.

Die beiden suchen immer wieder gemeinsam nach Lösungen, bei denen die Bürgerlichen und die Linken etwas davon haben. Jüngstes Beispiel ist die kantonale Unternehmenssteuerreform 3, die das Volk mit 87 Prozent angenommen hatte – ein Gesamtpaket von Steuererleichterungen für Unternehmen und gleichzeitigem Ausbau der Sozialleistungen.

Fünf der sechs angetretenen, bisherigen Regierungsräte wurden auf Anhieb wiedergewählt – sind die Waadtländer einfach politisch sehr zufrieden?

Das kann man so sagen und sie haben auch allen Grund dazu: Die Finanzen sind im Lot, die Waadt hat zum zwölften Mal in Folge schwarze Zahlen geschrieben, die Arbeitslosenquote ist tief und die Wirtschaft boomt. Und eben: Diese parteiübergreifenden Kompromisse stellen die Mehrheit zufrieden.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

3 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Lukas Löffler (ll_basel)
    Et voilà. Die Waadtländer haben gerne Kompromisse und pragmatische Politik. Da ist es nur selbstredend, dass man die SVP nicht in der Regierung haben will...
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Theresia Weber (Resi)
    "...stellte sich teilweise selber ins Offside"=Einschätzungen e. D-CH-Journalistin. Als weltoffene, liberal denkende Gesellschaft im Kanton, kann m.E. ein SVP Regierungsrat-Kandidat seine pers. Meinung offen legen (Le Pen). A propos Tierarzt: Ein waadtl. SVP-ler scheut sich nicht zu sagen, dass er ein Franzose holt, wenn kein CH-zer z. Verfügung steht u. wird deshalb nicht "bestraft". Nestlé hat sich vor Kurzem dazu bekennt, dass sie nicht auf die Nationalität, sondern auf die Kompetenz achtet.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Harald Buchmann (Harald_Buchmann)
      Ja Nestle schon, aber Nestle sagt auch klar, dass sie gegen die MEI sind, weil es ihr Geschäft behindert. Nestle steht genau für diese globale Gesellschaft, welche die SVP bekämpft. Die Erklärung, warum der Journalist diese Einschätzung macht, folgt ja gleich. Es ist eine begründete Einschätzung, dass viele FDP Wähler Marine Le Pen nicht mögen. Ich teile sie.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen