Zum Inhalt springen

Schweiz Der Zeitungs-Journalismus emanzipiert sich vom Papier

Axel Springer ist Europas grösster Medienkonzern. Künftig stellt Springer seine Inhalte Facebook zur Verfügung. Die Zukunft des Journalismus sei digital und damit lasse sich Geld verdienen, erklärt Springer-CEO Mathias Döpfner am Swiss Media Forum in Luzern.

Mathias Döpfner, Konzernchef von Axel Springer, am SwissMediaForum.
Legende: Mathias Döpfner glaubt an sein neues Geschäftsmodell – mit journalistischen Inhalten und der Reichweite sozialer Medien. SwissMediaForum

Mit Titeln wie «Bild», «Die Welt» oder dem Schweizer Wirtschaftsmagazin «Bilanz» hat der Axel-Springer-Verlag bisher sein Geld verdient. CEO Mathias Döpfner will sich aber vom Papier lösen und die journalistischen Inhalte in Zukunft digital anbieten. Mit der Verbreitung auf sozialen Medien sollen die Leser im Internet erreicht werden, erklärte Döpfner am Swiss Media Forum in Luzern.

Fertig mit Gratis-Inhalten

Döpfner will die journalistischen Inhalte aber nicht einfach gratis ins Internet stellen, sondern verlangt Geld für einen Teil seiner Zeitungsinhalte: «Die ersten Erfahrungen, die wir mit Bezahlangeboten gemacht haben, sind geradezu überraschend erfolgreich vor dem Hintergrund, dass wir mit unseren Abo-Angeboten im Netz in einem praktisch noch kostenfreien Wettbewerbsumfeld operieren, und trotzdem hier mit ‹Bild› und ‹Welt› weit über 300’000 zahlende, reine Online-Abonnenten generiert haben in weniger als zwei Jahren.»

Und der Trend werde weiter in diese Richtung gehen. Weg vom Gratisangebot im Netz hin zu bezahlten Abos. Weg von gedruckter Zeitung hin zum Digitalen. Die neue Konkurrenz seien heute reine Online-News-Anbieter wie Huffington Post, Link öffnet in einem neuen Fenster oder BuzzFeed, Link öffnet in einem neuen Fenster.

Reichweite plus Inhalte

Man könne nun über diese Unternehmen lachen, warnt Döpfner, «und kann sagen, BuzzFeed, das ist doch hier nur so eine Social-Media-Entertainment-Trash-Content-Plattform. Mag heute noch so sein», aber die digitalen Rivalen entwickelten sich rasch weiter.

«Die Reichweite, die damit aufgebaut worden ist, das Publikum, das damit erschlossen wird, führt dazu, dass BuzzFeed jetzt anfängt, Spitzenjournalisten aus ganz Amerika zu rekrutieren. Und wir wissen gar nicht, ob nicht BuzzFeed in zehn Jahren so was ist wie Disney, oder Time Warner oder Viacom heute», nämlich ein grosser Medienkonzern mit einem breitem Angebot.

Zusammenarbeit mit Facebook

Eine mögliche Antwort auf diese Herausforderung sieht Döpfner in Kooperationen wie sie Springer zurzeit mit dem sozialen Netzwerk Facebook aufbaut. «Und deswegen muss man kluge Vereinbarung treffen, und darum haben wir jetzt mit Facebook in der frühen Phase eine Chance, es besser zu machen als mit Google. Von dem man sich alles hat gefallen lassen. Jetzt gucken wir mal, ob die ihr Wort halten.»

Während Google nämlich allein habe bestimmen wollen und die Einnahmen nicht mit den Verlegern teilen wollte, biete Facebook ein faires Vertriebsmodell an, bei dem die Verlage ihre Inhalte weiterhin selbst gestalten und vermarkten könnten. Facebook habe die Reichweite, Springer die Inhalte – das sei doch eine Basis für ein gutes Geschäftsmodell, das beiden Seiten nütze, meint Döpfner.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

6 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von m.mitulla, wil
    Ausgerrechnet der Springer- Verlag mit seinen Unternehmensgründsätzen, welche den Journalisten vorgeben, was sie zu schreiben haben. Es darf beispielsweise nichts geschrieben werden, was den Interessen des transatlantischen Bündnisses - ausgedeutscht den USA - zuwiderlaufen könnte. Deswegen wird ein "breites Angebot" gar nie möglich sein.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von P.Fetz, Zürich
    Wenn alle Kunden davon laufen in Deutschland, dann muss man was machen, die Propaganda im Netz mehr zu verbreiten so dass man mehr Dumme erreichen kann!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Hans Klein, Bern
    Was hat der Springer Konzern, bitte schön, mit "Journalismus" zu tun? Zeigen Sie mir EINEN Artikel aus dessen Produktion (besser: "Auswurf") – und ich beweise Ihnen, dass er die Mindestanforderungen an "Journalismus" gar nicht erfüllt! Sorry, aber nur weil Döpfer als einer der ersten unter den letzten jetzt langsam bergreift, dass man Informationen dank Internet (gibt es seit ca. 1970) und WWW (seit 1991) verbreiten und sogar Geld dafür kassieren kann, macht Springer noch keinen Journalismus!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Björn Christen, Bern
      Springer macht keinen Journalismus? - Was soll der Unsinn?! - Die Welt und Welt Online sind mit die besten Medien im deutschsprachigen Raum und ein positiver Kontrast im meist linken dt. Blätterwald (Zeit, SZ, Tagesspiegel, taz, etc).
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Hans Klein, Bern
      @ Björn Christen, Bern: Wie oben gesagt: Zeigen Sie mir EINEN Artikel aus Springer-Medien – und ich weise Ihnen nach, dass dieser elementare Grundsätze des Journalismus nicht erfüllt. Nur einen! Na los!! – Aber selbst wenn ein blindes Huhn mal ein Korn finden sollte: WELT & WELT online unterscheiden sich von BLÖD u.a. Hetzblättern doch höchstens durch den etwas gehobeneren Tonfall, keinesfalls hinsichtlich Wahrheitsgehalt oder Objektivität. Weil es eben alles "Springer" ist!
      Ablehnen den Kommentar ablehnen