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Schweiz Die Bio-kaufenden Vielflieger

Viele Schweizer bezeichnen sich als umweltbewusst und sehnen sich nach ländlicher Idylle. Doch aufs Einfamilienhaus und Flugreisen verzichten will dann doch niemand. Ökologische Ideale wirken sich kaum auf das Verhalten aus, so das Resultat einer Studie. Mit Ausnahme der Ernährung.

Bioprodukte liegen im Gras, darunter Eier, Saft, Schinken und Sauerkraut
Legende: Immerhin hier gibt es kein Paradox: Wer umweltbewusst ist, bevorzugt Bio-Kost. Keystone

Sie wollen die Landschaft schützen, leben aber gerne in Einfamilienhäusern. Sie bezeichnen sich als umweltbewusst, fliegen aber trotzdem mehr als einmal im Jahr in die Ferien: die «umweltbewussten» Schweizer.

Die Forschungsstelle sotomo hat im Auftrag der Krankenkasse KPT mehr als 20'000 Menschen zu ihren Lebensentwürfen befragt. Dabei untersuchte sie die Übereinstimmung zwischen «Wunsch und Wirklichkeit». Ihr Fazit: Egal, ob man zwischen Familie und Karriere wählen muss, zwischen Umwelt und Konsum oder zwischen Treue und Vergnügen. Oft wollen die Menschen hierzulande schlicht beides. Auch wenn sich das kaum unter einen Hut bringen lässt.

Wohnen im Einfamilienhaus, aber gegen die Zersiedelung

Klar zeigt sich das am Beispiel Wohnsituation: Zwei von drei Befragten träumen laut der Studie von einem Leben «in einer schönen Landschaft». Die Sehnsucht nach ländlicher Idylle ist also weit verbreitet, obwohl nur eine Minderheit auf dem Land lebt. Gleichzeitig will fast die Hälfte der Befragten aber auch eine gute Verkehrsanbindung und eine Nähe vom Wohnort zum Arbeitsplatz.

Der Wunsch nach beidem lasse sich in der Realität aber nicht immer gleichwertig realisieren, so die Autoren der Studie: Wer nicht allzu abgelegen im Grünen leben wolle, fördere die Zersiedelung. Dem Wunsch nach einer schönen Landschaft wirke man damit schliesslich entgegen.

Personen, denen eine schöne Landschaft bei ihrer Wohnsituation wichtig ist, pendeln nämlich im Schnitt weiter zu ihrem Arbeitsort. Und sie leben häufiger in einem Einfamilienhaus als Stadtbewohner. Damit beanspruchen sie mehr Boden und fördern die Zersiedelung.

Vielfliegen, aber Bio essen

Auch beim Umweltbewusstsein zeigt sich dieses Paradox: Fast 60 Prozent der Befragten empfinden ökologische Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein als wichtig oder sehr wichtig. Doch sind lange Arbeitswege und das Wohnen in Einfamilienhäusern – beides ressourcenintensive Verhaltensweisen – bei Menschen, die sich als umweltbewusst einschätzen, genauso verbreitet, wie bei allen anderen.

Gleiches gilt fürs Vielfliegen, das mit mehr als einer privaten Flugreise pro Jahr definiert wird: Wer sich als nicht umweltbewusst bezeichnet, setzt sich nur unwesentlich häufiger in den Flieger als die sogenannt Umweltbewussten. Die Forscher folgern daraus, dass sich ökologische Ideale kaum auf das Verhalten auswirken.

Eine Ausnahme aber gibt es – und zwar bei der Ernährung: Wer sich als umweltbewusst einschätzt, dem ist der Kauf von Bio-Lebensmitteln deutlich wichtiger als Befragten, die sich nicht als umweltbewusst bezeichnen.

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26 Kommentare

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  • Kommentar von Schölu Schöpfer (Schoelu)
    Bio ist nur ein weiteres Businessmodell. Ausgerichtet auf ängstliche Bürger. Diese Energie wäre wirkungsvoller in die Reduzierung von Chemie eingesetzten. Das Fliegen hat auf Distanz u. Person gerechnet, eine sehr gute Bilanz. 3 Wochen Asien inkl. Flug für 1'200,00. Und ohne teure Touristenhotels gibt es Erfahrungen was allen, an Wohlstand erkrankten Menschen, guttun würde. Z.B. zu sehen, dass normale Menschen kein Bedürfnis nach unsinnigen Einschränkungen und verblödeten Vorschriften haben.
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  • Kommentar von Dölf Meier (Meier Dölf)
    65 Prozent der grösseren Unternehmen in der Schweiz haben einen Ausländer als CEO. Diese wollen bestimmt nicht nur den Wohlstand für die Schweiz vermehren, jedoch ihr Vermögen. Dafür benötigen sie viele Menschen aus aller Welt, die grosse Ressourcen verbrauchen. Deshalb wird es sehr eng in der einstmals ländlichen Schweiz.
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  • Kommentar von Sandro Bachmann (S. Bachmann)
    Es ist ja wirklich nicht zu bedauern, wenn sich eine komplett degenerierte und verblödete Menschheit langsam aber sicher auslöscht. Ich bin absolut kein Umweltapostel, aber durch massive Überbevölkerung, Doppelmoral, Fanatismus, Gier und Dummheit löst sich das "Problem" Mensch von selbst und das ist auch das Beste für die einst schöne Erde.
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    1. Antwort von Thomas Mann (Freidenkerin)
      Wie wahr. Aber verschiedene europäische Staaten fördern mit Steuererleichterungen und Prämien noch das Kinderkriegen. Würden Kinder zum ökologischenFussabdruck der Eltern dazugerechnet, sähe die Bilanz vieler ganz anders aus. Aber wer an das Mantra des Wirtschaftswachstums glaubt, muss auch das Bevölkerungswachstum akzeptieren.
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    2. Antwort von Beppie Hermann (Eine rechte Grüne)
      Sandro Bachmann, bevor sich das Problem Evolutionsflop endlich löst, wird leider auch die Artenvielfalt in Fauna+Flora bis zum Nullpunkt ausgelöscht sein. Deshalb wünschte ich mir eine rechtzeitige, globale Einsicht zu Geburtenkontrolle. Nur, das sind wahrscheinlich Wunschträume!
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    3. Antwort von Schölu Schöpfer (Schoelu)
      Hr. Thomas Mann, sie haben sowas von Recht. Das Problem, nicht die Wirtschaft, sondern die Staaten puschen das Wachstum. Der Staat hofft seine Schulden damit zu tilgen. Es beruht exakt auf der gleichen Hoffnung wie beim Schneeballsystem. Auf demselben Prinzip was derselbe Staat verboten hat. Man stelle sich das mal vor. Die Wirtschaft interessiert sich, zum Glück nicht für das Wachstum an sich, sondern nur für die Rendite. Dabei muss sie sich leider, der vorgegebenen Strategie am Staat anpassen.
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