Die Eltern sollten wissen, wenn ihre Kinder rauchen

Wie sieht die Suchtproblematik an den Schulen in der Realität aus? Wie viele Jugendliche betrinken sich, rauchen, kiffen oder kämpfen auf eine andere Art mit dem Erwachsenwerden? Antworten darauf hat Schulleiter Andreas Hachen.

Leere Bierdosen am Boden, daneben halbvolle Bierbecher, Jugendliche stehen darum herum, sichtbar sind nur ihre Beine. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: An Partys trinken auch unter 16-jährige Jungs mitunter Bier. Keystone Archiv

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Andreas Hachen

Andreas Hachen

Andreas Hachen ist Schulleiter eines Schulverbands zwischen Burgdorf und Solothurn. Er hat die Übersicht über das Verhalten von rund 1000 Schülern.

SRF News: Wo stehen Ihre Schüler in Bezug auf Alkohol und Rauchen?

Andreas Hachen: Die Suchtproblematik ist ein Dauerthema und tritt typischerweise in Wellen auf. Wir hatten zum Beispiel vor drei Jahren eine starke Raucherclique, die uns das Leben schwer gemacht hat. Die Jugendlichen rauchten zwar immer ausserhalb des Schulareals, aber deutlich sichtbar. Seitdem sie aus der Schule ausgetreten sind, ist auch das Raucherproblem verschwunden, die Jüngeren haben das nicht fortgeführt.

Wo haben Sie denn heute Probleme?

Etliche Schüler trinken in der Freizeit Bier, etwa auf Partys. Auch Essstörungen beschäftigen uns.

Was machen Sie als Schule, damit die Schüler möglichst wenig in Versuchung von Suchtmitteln geraten?

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Prävention nach Geschlecht

Prävention nach Geschlecht

Die Organisation «Sucht Schweiz» geht bei ihrer neusten Präventionskampagne für Jugendliche auf Geschlechter-Unterschiede ein. Suchtverhalten hänge mit der Geschlechterrolle zusammen, ist die Organisation überzeugt. Lesen Sie hier mehr.

Wir haben die Prävention von der Ober- in die Mittelstufe vorgezogen. Hauptgewichtig gehen wir die Thematik nun in der siebten Klasse an, auch mit Unterstützung von externen Beratungsangeboten. Was das Rauchen angeht, ist es sehr wirkungsvoll, wenn wir die Eltern davon benachrichtigen. So findet die Diskussion auch im Elternhaus statt. Zudem gehen wir auf spezifische Sucht-Situatioinen ein, etwa wenn in einer bestimmten Klasse viele rauchen.

Mädchen und Jungs kämpfen mit unterschiedlichen Suchtmitteln und Süchten. Was halten Sie von den Plänen, die Suchtprävention deshalb geschlechterspezifisch zu machen?

Wir haben das bisher in der Sexualkunde so gehandhabt. In der Suchtprävention machen wir das bisher nicht. Allerdings wissen wir, dass sich Jungs und Mädchen unterschiedlich verhalten. Wichtig ist für uns zunächst einmal, dass wir überhaupt von einer Suchtproblematik erfahren. Der nächste Schritt ist, das Problem so anzugehen, dass das Thema von den Jugendlichen angenommen wird, dass sie zuhören und realisieren, dass es auch sie betreffen könnte. Essenziell ist, dass die Schüler im Positiven gestärkt werden. Es braucht eine gewisse Offenheit in den Klassen und die Bereitschaft, einander zuzuhören. Was gut ist, muss man stärken. Das bringt eine Dynamik in die Diskussion, die es vereinfacht, mit dem Problem umzugehen.

Das Gespräch führte Ivana Pribakovic.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Geschlechterspezifische Anti-Suchtkampagne

    Aus Tagesschau vom 12.9.2016

    Die Organisation «Sucht Schweiz» hat erstmals eine geschlechterspezifische Präventionskampagne gestartet. Denn die Gründe, wieso man eine Sucht entwickelt, seien bei jungen Männern und Frauen oft ganz unterschiedlich.