Reaktion auf Masernfälle «Die Empfehlung lautet: Impfen!»

Auch Erwachsene haben sich angesteckt. Einem Impfzwang steht der Verband Kinderbetreuung aber skeptisch gegenüber.

Das Wichtigste in Kürze

  • In den vergangenen Tagen sind in der Schweiz wieder vermehrt Fälle von Masern aufgetreten.
  • Laut Recherchen von SRF sind auch ungeimpfte Erwachsene unter den Erkrankten, die beruflich mit Kindern arbeiten.
  • Beim Bund ist man deswegen beunruhigt.
  • Der Verband Kinderbetreuung empfiehlt Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Kindertagesstätten die Impfung.

Seit letztem Sonntag sind sechs bestätigte Masernfälle aufgetreten. Drei davon im Unterwallis, zwei sind es im Kanton Neuenburg und einer im Kanton St. Gallen. Weitere Verdachtsfälle werden im Moment in den betroffenen Kantonen abgeklärt. Das Hauptproblem: Nicht nur Kinder sind unter den Erkrankten, sondern auch zwei Erwachsene – eine Tagesmutter für kleine Kinder und eine weitere Betreuungsperson.

Verband Kinderbetreuung: «Die Empfehlung lautet: Impfen!»

Für Nadine Hoch, die Geschäftsführerin des Verbandes Kinderbetreuung Schweiz, ist klar: Die 34'000 Personen, die in der Schweiz in der Kinderbetreuung arbeiten, tragen eine besondere Verantwortung für diese Kinder. Deshalb gibt der Verband Empfehlungen für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Kindertagesstätten ab: «Die Empfehlung lautet: Impfen, insbesondere gegen ansteckende Krankheiten wie Masern. Im Wissen darum, dass Masern Komplikationen wie Lungen- und Hirnhautentzündungen mit sich bringen können.»
Hoch vermutet, dass gewisse Kita-Mitarbeiterinnen zu wenig sensibilisiert seien für das Thema: «Ich glaube, es fehlt teils noch am Wissen, dass es für Kinder gefährlich sein kann, wenn man als Betreuungsperson nicht geimpft ist.» Einem Impfzwang für Mitarbeiterinnen von Kindertagesstätten steht der Verband eher skeptisch gegenüber: Er könnte kontraproduktiv wirken. Auch deshalb setzt der Verband eben auf einen Impf-Appell an seine Mitglieder.

Für Daniel Koch, Leiter der Abteilung «Übertragbare Krankheiten» beim Bundesamt für Gesundheit (BAG), ein Grund zur Sorge. Koch sagt: «Was uns beunruhigt, ist, dass diese Fälle in einer Umgebung aufgetreten sind, wo auch viele weitere Kinder angesteckt werden könnten. Also auch in einer Umgebung, wo Berufsfachleute eigentlich darauf schauen sollten, dass der Impfstatus vollständig ist.»

«  Uns beunruhigt, dass diese Fälle in einer Umgebung aufgetreten sind, in der auch viele weitere Kinder angesteckt werden könnten. »

Daniel Koch
Leiter Abteilung «Übertragbare Krankheiten» beim Bundesamt für Gesundheit

Ein Impfobligatorium für Betreuungspersonen gibt es in der Schweiz keines, denn hierzulande ist die Impfung gegen diese sehr ansteckende Viruserkrankung nicht vorgeschrieben, anders als beispielsweise in Italien oder Frankreich. Dies, obschon Masern sehr gefährlich werden könnten, gerade für Kleinkinder oder bereits erkrankte Menschen.

«  Betreuungspersonen sollen ihren Impfstatus überprüfen und nicht unnötigerweise Kinder oder vulnerable Personen gefährden. »

Koch appelliert deswegen an die Verantwortung der Betreuenden: «Sie sollen doch ihren Impfstatus überprüfen und nicht unnötigerweise Kinder oder vulnerable Personen gefährden.» Denn, so Koch weiter, die meisten nicht Geimpften seien nicht unbedingt Impfverweigerer, sondern hätten die Impfung schlicht vergessen.