Wählerschwund bei GLP Die Grünliberalen müssen sich neu erfinden

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Der GLP droht das Aus

  • Die GLP trifft sich am Samstag zur Delegiertenversammlung in Freiburg.
  • Nach anfänglichen Erfolgen als Atomausstiegspartei leidet die GLP unter Wählerschwund.
  • Wenn den Grünliberalen der Turnaround nicht rasch gelingt, droht der Partei das Aus.
  • In Freiburg wollen sie neue, eigenständige Themen und Haltungen ins Parteiprogramm schreiben.

2011 schien Grosses in Griffnähe: Nach Fukushima waren die Grünliberalen Politstars. Sie hatten nach dem nuklearen Unglück den Nerv der Zeit getroffen. In letzter Zeit aber verliert die GLP Wahl um Wahl. Heute trifft sich die Partei in Freiburg, wo sie sich ein neues Profil geben möchte.

«  Die Partei braucht Meinungen, die niemand sonst hat. »

Martin Bäumle
GLP-Präsident

«Wir wollen als Partei wieder wachsen, nachdem wir in den letzten Wahlen einen Dämpfer erhalten haben», sagt Parteipräsident Martin Bäumle. Dafür brauche die Partei Meinungen, die niemand sonst habe. In Freiburg will die GLP solch Eigenständiges zur Aussenpolitik und zur Landwirtschaft ins Parteiprogramm schreiben.

Den Bauern die Direktzahlungen kürzen

Anders als die Rechte, die Linke, Teile der Mitte und der neue US-Präsident sei die GLP für weltweiten freien Handel und mehr Zusammenarbeit mit der EU, sagt Bäumle. «Der Zeitpunkt ist gerade für die Aussenpolitik goldrichtig. Weil sie uns in den nächsten Jahren ganz intensiv beschäftigen wird. Da braucht es die Grünliberalen, die eine sehr offene Politik machen wollen.»

Zudem möchten sie weniger Staatsgeld für Bauern – und so fortschrittliche Wähler auf dem Land gewinnen.

«  Es ist uns bisher noch zu wenig gelungen, uns als Partei von Wirtschaft und Finanz zu verkaufen. »

Martin Bäumle

Die GLP

Die Grünliberalen setzen sich für liberale Werte in Wirtschaft und Gesellschaft unter ökologischen Gesichtspunkten ein.
Die Grünliberale Partei geht 2007 aus dem liberalen Flügel der Grünen hervor. Bei der Parlamentswahl im selben Jahr holt sie gleich drei Sitze im Nationalrat und einen im Ständerat. Im nächsten Jahr gewinnt die GLP bei kantonalen Wahlen in der Deutschschweiz jeweils zwischen einem und sechs Sitzen.
Bei der Parlamentswahl 2011 legt sie 4 Prozentpunkte zu und hat nun 12 Vertreter im National- sowie zwei im Ständerat. Den Höhenflug setzt die auch bei den kantonalen Parlamentswahlen fort.
Nach 2015 geht es wieder abwärts: Bei der Parlamentswahl verliert sie fünf Sitze im Nationalrat, und im Ständerat ist sie gar nicht mehr vertreten.

Die GLP will nicht mehr bloss die Partei des Atomausstiegs sein, sondern auch die Partei von Wirtschaft und Finanz. «Es ist uns bisher leider noch zu wenig gelungen, das nach aussen gut zu verkaufen und den Wählerinnen und Wählern glaubhaft herüberzubringen. Genau darum geht es in den nächsten Jahren: Das besser aufzustellen und besser zu verkaufen.»

«  Wenn der GLP der Turnaround nicht sehr rasch gelingt, könnte sie von der politischen Bildfläche verschwinden. »

Georg Lutz
Politologe

Doch der GLP läuft die Zeit davon, denn den Grünliberalen könnte es wie anderen kleinen Parteien ergehen, wie Politologe Georg Lutz warnt. «Sie sind gekommen, aber häufig sehr schnell wieder von der politischen Bildfläche verschwunden. Wenn der GLP der Turnaround nicht sehr rasch gelingt, droht ihr dasselbe Schicksal.»

Für längerfristigen Erfolg brauche es tatsächlich eigene, einmalige Themen und Haltungen. Diese müsse man aber mühsam aufbauen, oft über Jahrzehnte, so Lutz. Heute startet die GLP zumindest den Versuch.

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