Zum Inhalt springen
Inhalt

Brisanter Pilotversuch Die SBB streicht Zugsdurchsagen und provoziert damit Widerstand

Der Pilotversuch hat es in sich: Die SBB verzichtet auf verschiedene Zugsdurchsagen. Weniger soll mehr sein. Behindertenorganisationen und Politiker wehren sich dagegen.

Legende: Video SBB will Lautsprecherdurchsagen reduzieren abspielen. Laufzeit 02:21 Minuten.
Aus Tagesschau vom 10.03.2017.

Welche Durchsagen sind betroffen? Wer regelmässig mit dem Zug von Zürich in Richtung St. Gallen fährt oder zumindest auf diesem Perron steht, hat‘s vielleicht bemerkt. Die Lautsprecherdurchsagen sind rar geworden. Der Grund dafür ist ein Pilotversuch, den die SBB auf dieser Strecke durchführt. Gemeldet werden nur noch ausserordentliche Ereignisse und Informationen wie eine Gleisänderung oder der Ausfall von Zügen. «Der Ausstieg befindet sich in Fahrtrichtung rechts» hört man nicht mehr, auch Informationen über Anschlüsse sind in den Fernverkehrszügen weggefallen. Über die Anschlüsse wird auch auf dem Perron nicht mehr informiert.

Dieser Pilotversuch dauert noch bis Ende April und wenn alles nach Plan läuft, gilt diese Regelung bald für die ganze Schweiz. Dies bestätigt Reto Schärli, Mediensprecher der SBB, gegenüber der Tagesschau. «In der Regel geben wir nur noch durch, welches der nächste Bahnhof ist.» Die SBB wolle damit erreichen, dass Informationen über Störungen besser wahrgenommen würden. Heute gebe es so viele Durchsagen, dass Wichtiges überhört werde. «Im Gegenzug bauen wir deshalb die Informationen im Störungsfall aus», so Schärli.

Blinde Frau und Zugführer sprechen vor Zug miteinander
Legende: Zu wenig Informationen für Menschen mit Behinderung? Die SBB testet derzeit den Betrieb mit weniger Durchsagen. Keystone
Wer wehrt sich gegen die Kürzungen?

Behindertenverbände und Politiker stören sich an diesen Plänen. Oswald Bachmann ist Vorstandsmitglied von Agile, dem Dachverband der Behinderten-Selbsthilfeorganisationen. Zur Tagesschau meinte er, dass die Durchsagen gerade für Sehbehinderte und ältere Menschen wichtig seien. Agile hat deshalb mit einem Brief bei der Chefin Personenverkehr der SBB, Jeannine Pilloud, interveniert.

Auch CVP-Nationalrat Christian Lohr wird in dieser Sache aktiv. Er will am Montag eine Interpellation zum Thema einreichen. Wie Lohr der Tagesschau erklärte, stellt er dem Bundesrat unter anderem die Frage, ob sich das Vorhaben der SBB mit dem Behinderten-Gleichstellungs-Gesetz verträgt.

Wie antwortet die SBB? Weniger Zugsdurchsagen, dafür umso präziser im Störungsfall. Eine Auswertung von Kundenreaktionen zur Information im Störungsfall hat gezeigt, dass die Kunden besonders dann gut informiert sein wollen. «Das erhöht insgesamt die Aufmerksamkeit und bringt damit für die Kunden eine Verbesserung», sagt SBB-Mediensprecher Schärli. Zur Kritik sagt er weiter: «Wir haben die Erfahrung gemacht, dass sich die Reisenden vor Antritt der Zugfahrt sehr genau informieren, wann und wo sie umsteigen müssen.» Für Sehbehinderte baue die SBB ausserdem die Sprachunterstützung der Mobile-App aus. Ende April werde man zudem mit diesen Organisationen an einen Tisch sitzen.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

34 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Thomas Anton Biedermann (Thomas Anton Biedermann)
    Als Betroffener ist man über solche kurzsichtigen Aussagen immer wieder erstaunt. Sind wahrscheinlich auch die gleichen Kurzsichtigen, die nicht mal wissen welche Funktion die weißen Linien auf den Bahnsteigen haben und ihr Gepäck darauf parkieren, damit sie es wiederfinden..(...). Diese Leitlinien für Blinde und Sehbehinderte sollten ja auch abgeschafft werden. Ich hoffe, dass die Befürworter weiterhin so gut sehen werden - auch im Alter - da wird man ja bekanntlich kurzsichtig..(:-((
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von H Kuhn (K.H.)
    Ja ja, da machten gewisse SBB-Typen ein Reisli nach Japan (vordergründig geschäftlich), aber ich glaube es ging mehr um dem Reisestil Ferien, denn gelernt haben sie NICHTS. Gerade Behinderte sind froh, wenn sie wissen auf welcher Seite sie aussteigen müssen. Und wenn ich mit viel Gepäck unterwegs bin, erleichtert es mir die Sache auch. Noch eine Bemerkung zu Handen der "Reisli-Profiteure": in Japan ist der Kunde nicht König, er ist Kaiser.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Angela Nussbaumer (Angela N.)
    Finde ich nicht gut.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen