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Schweiz Die Schulden fallen nicht weit vom Stamm

Unbezahlte Rechnungen, Steuerschulden, überlastete Kreditkarten: Beim Schritt in die Selbständigkeit verschuldet sich manch ein junger Erwachsener – oft mit langjährigen Folgen. Ob die Jungen ihre Finanzen im Griff haben, hat auch mit den Eltern zu tun.

Legende: Video Eltern als Vorbilder in Geldfragen abspielen. Laufzeit 01:18 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 09.12.2013.

Die Mehrheit der jungen Erwachsenen geht verantwortungsbewusst mit Geld um. Damit Jugendliche und junge Erwachsene nicht in eine Verschuldung abrutschen, ist das gute Vorbild der Eltern jedoch äusserst wichtig. Dies geht aus einer Studie zum Thema Schuldenprävention hervor.

Schon von Kind auf sollten junge Leute einen sinnvollen Umgang mit Geld lernen. Als Leitlinie benötigen sie Normen und Werte ihrer Eltern. Wichtig ist, dass die Eltern ausdrücklich über Geld sprechen und ihren Kindern ihre Wertvorstellungen sowie den Umgang mit Geld vorleben und erklären.

Häufiger Fall: Unbezahlte Steuerrechnungen

Das elterliche Vorbild und Erklärungen der Eltern sind noch wichtiger, als eine gewisse Allgemeinbildung über den Umgang mit Geld, die aber ebenfalls präventiv wirken kann. In der Schweiz ist allerdings noch nicht systematisch erforscht worden, wie weit es her ist mit diesen Kenntnissen bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen.

Die leichte Verfügbarkeit von Krediten und Kreditkarten sowie eine Kultur des «alles sofort haben Könnens» fördern das Risiko einer Verschuldung. Allerdings sei es nicht so, dass sich junge Erwachsene in erster Linie durch Konsumkredite verschuldeten: Auf Platz eins stehen laut Mitteilung unbezahlte Rechnungen – am häufigsten Steuerrechnungen.

Zahlreiche Risikofaktoren

Nicht alle Jugendlichen und jungen Erwachsenen sind gleich gefährdet. Ein höheres Risiko haben junge Erwachsene – Männer wie Frauen – mit kleinem schulischem Rucksack, abgebrochener Ausbildung, fehlendem Berufsabschluss und geringem Einkommen. Auch etwa ein tiefes Selbstwertgefühl und eine enge Bindung an materialistisch orientierte Gleichaltrige erhöhen das Risiko.

Sind die jungen Leute zudem in einer Familie mit tiefem gesellschaftlichem und wirtschaftlichem Status aufgewachsen und/oder sind sie arbeitslos, so erhöht sich das Risiko. Und wenn schon die Eltern verschuldet waren, ist es noch wahrscheinlicher, dass es bei den Jungen so weitergeht.

Selbstvertrauen wirkt präventiv

Wie die Forschenden feststellten, sind Jugendliche unter 18 Jahren weniger häufig verschuldet als junge Erwachsene.

Ausnahmen seien Jugendliche, die (zu) früh das Elternhaus verliessen oder im Teenageralter Eltern würden.

Präventiv wirken umgekehrt vor allem Eigenschaften wie Selbstvertrauen, die Fähigkeit (eigene) Belohnungen aufzuschieben und Selbstkontrolle. Wer zudem Geld allein nicht als Weg zu Glück und Erfolg ansieht, läuft weniger Gefahr, sich zu verschulden.

Den Auftrag zur Studie zur Wirksamkeit von Schuldenprävention wurde an der Hochschule Luzern durchgeführt.

Woher nehmen, wenn nicht stehlen? Das fragen sich immer mehr Schweizer mit Blick auf ihr Bankkonto. Schulden und Überschuldung nehmen hierzulande zu – auch und gerade bei Jugendlichen. Über mögliche Lösungsansätze sprach SRF News Online mit einem Schuldnerberater. Das gesamte Interview finden Sie hier.

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18 Kommentare

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  • Kommentar von M Jaeger, Wildwil
    Wer Schulden macht kopiert damit auch unsere Regierung. Mehr Geld ausgeben als man hat kann zu Konkurs führen. Diese Konkursiten sind dann paradoxerweise nicht mehr verpflichtet, die von unseren Oberen organisierten Schuldzinsen der "Allgemeinheit"zu bezahlen. Man kann auch sagen wer zuletzt noch keine Schulden hat der muss dann den Schlamassel mittragen und die die alles verprasst haben werden von ersteren finanziert. Die Letzten beissen bekanntlich die Hunde. Lasst uns fröhlich Schulden machen
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  • Kommentar von JP. Simon Nietzscheaner, Bern
    Gibt es da nicht Leute u. Institutionen, denen das Schulden machen anderer sehr willkommen ist. Ich kann dem beipflichten, was die Forscher hier erzählen. Aber mögen noch so viele Studien gemacht werden, das ökonomisch-soziales Gefälle ist unerbittlich steil, der Mittelstand zusammen zu brechen droht. Irgendwann verpufft die Energie eines guten Willens, der aufgewendet werden muss, um das Leben zu bewältigen, indes andere über mehrere Generationen hinaus Vermögen besitzen.
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  • Kommentar von G. Kirchhoff, Nusshof
    Das Ganze ist doch sehr einfach! Immer weniger ausgeben als man einnimmt. Anschaffungen erst wenn man das Geld zusammen hat. Ferien nur wenn bezahlbar. Mir hat das im Leben sehr geholfen und unsere Töchter verfahren nach dem gleichen Motto. Bei meiner Frau und mir hat das zur Folge dass wir mit 76 Jahren ohne jede Schulden und finanzielle Verpflichtungen sind auch die Steuern sind jedes Jahr im voraus bezahlt. Wir stammen beide aus sehr bescheidenen Verhältnissen und es ging trotzdem.
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    1. Antwort von JP.Simon Nietzscheaner, Bern
      G. Kirchhoff, ich bin in einem Mindestbereich bescheidener Verhältnisse aufgewachsen. Ihre Bescheidenheit u. vielleicht auch Demut konnte mich nie beflügeln, eher fühlte ich mich immer ein wenig verarscht u. bestraft. Mitten im Arbeitsleben, in einem depressiv-mühsamen Moment ist mir klar geworden, dass ich in einer grausamen Geldmaschinerie nur ein manipulatives Rädchen bin. Dass heute viele sich verschulden, ist ein Indiz eines mörderischen Geldsystem, wer will die Ungleichheit noch tragen.
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