Zum Inhalt springen
Inhalt

Schweiz «Die Schweiz ist eine Drehscheibe für die Saudis»

Die von Saudi-Arabien gelenkte Islamische Weltliga ist reich an Geld und an Einfluss. Auch in der Schweiz. In dreissig Moscheen verbreitet sie hierzulande eine Auslegung des Islam, die ein Nährboden für Radikalismus sei, sagt Islamexpertin Saida Keller-Messahli.

Zwei Männer, von denen nur Hände und Knie zu sehen sind, knien mit Gebetsketten auf Gebetsteppichen.
Legende: Hinter 30 Schweizer Moscheen steckt die Islamische Weltliga und damit auch Saudi-Arabien mit seinem Wahabismus. Keystone

«Die Weltliga unterstützt Muslime auf der ganzen Welt, vor allem auch im Westen, denn hier nimmt die Zahl der Muslime stetig zu», sagt Nabil Arab, Geschäftsführer der Islamischen König-Faysal-Stiftung. Die Stiftung betreibt das Islamzentrum an der Friedensgasse in Basel, eines von zwei Zentren in der Schweiz, die in Verbindung mit der Islamischen Weltliga stehen.

Saudisches Geld für Schweizer Islamzentren

Arab hat vor 14 Jahren Beziehungen zur Liga aufgenommen. Das hatte unter anderem zur Folge, dass aus Mekka jeweils eine gewisse Summe Geld nach Basel floss. Arab hat bereits mehrere Konferenzen der Weltliga im saudischen Mekka besucht. Er sei fasziniert von der Golfregion, von der rasanten Entwicklung dort, und er lobt die gute Organisation der Weltliga-Konferenzen, die Grosszügigkeit der Gastgeber, die Klugheit der Islamgelehrten, die dort aufträten.

Auf die Frage, ob die Weltliga radikal sei, meint Arab: «Nein, auf keinen Fall. Das sind freundliche und hoch gebildete Leute.» Sie arbeite im Gegenteil für den Frieden und halte sogar Anti-Terror-Konferenzen ab.

Wahabismus als einzig wahrer Islam

Da kann man allerdings geteilter Meinung sein, denn einer der Gelehrten, die an den Konferenzen der Weltliga auftreten, ist Yussuf al-Qaradawi. Der bekannte Prediger fordert unter anderem, ein Mann solle seine Ehefrau schlagen dürfen und für Sex ausserhalb der Ehe müsse die Todesstrafe gelten. Er sagte ausserdem, zurzeit sei mittels der islamischen Ideologie eine Eroberung Europas im Gang.

Tatsächlich ist die Islamische Weltliga auf allen Kontinenten tätig und damit die grösste religiöse Organisation, wie die Präsidentin für einen fortschrittlichen Islam, Saida Keller-Messahli, gegenüber Radio SRF sagt.

Die Weltliga wurde 1962 in Saudi-Arabien als Gegengewicht zum Ruf nach Demokratie in der arabischen Welt gegründet. Sie wird von Saudi-Arabien angeführt und hat zum Ziel, die Muslime in der ganzen Welt für den Wahabismus, die saudische Staatsdoktrin, zu gewinnen. Die Liga verbreitet einen Islam, dessen Gedankengut aus den Anfängen des siebten Jahrhunderts stammt, und propagiert den Wahabismus als den einzig wahren Islam.

Schweiz für Saudis wichtig

Laut Keller-Messahli handelt es sich beim Wahabismus um eine Doktrin, die «heutige Errungenschaften wie etwa Menschenrechte oder individuelle Rechte überhaupt nicht berücksichtigt». Jeder Radikalisierung liege ein mentaler Nährboden zu Grunde, und der Wahabismus sei dieser Nährboden. «Die saudische Ideologie, die die Welt in Gut und Böse teilt, die zum Teil sehr rassistische und menschenfeindliche Inhalte propagiert, beginnt im Kopf der Menschen. Das heisst, die Prediger werden diese Ansichten predigen, und so werden sie in die Köpfe der Gläubigen sickern.»

Die Islamexpertin hat den Eindruck, die Schweiz sei für die Saudis wichtig – vor allem Genf: Dort wurde das erste ausländische Zentrum der Weltliga gegründet. Und dort hat diese seit kurzem sogar einen europäischen Koordinationsrat. Über diesen Rat laufen laut Keller-Messahli Verbindungen zu mindestens dreissig Moscheen in der Schweiz.

Geldflüsse versiegt

Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 haben die USA eine Unterorganisation der Muslimischen Weltliga auf die Liste der Terror-Finanzierer gesetzt. Die Konten der Liga wurden blockiert; damit versiegten auch die direkten Geldflüsse aus Saudi-Arabien in die Basler Moschee an der Friedensgasse.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

25 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Rolf Künzi (Unbestimmt)
    Ich seh das alles etwas entspannter. Für mich gibt es viele solche Gruppirungen wie die Saudis. Um nur einige aufzuzählen, die Han Chinesen, die Juden, die Christen, usw. Alle zeichnen sich in ihrer radikalen Seite - den jede davon hat auch gemässigte Mitglieder - als allwissend aus, sogar gewisse Wissenschaftler oder Wirtschaftsverbände haben diese Seite an sich. Es ist das Machtbestreben und nicht die Religion oder Politik dieses unbändige Machtbestreben das sie so unsympathisch macht.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Hans Haller (panasawan)
    Wir sollten die Islamexpertin Saida Keller-Messahl endlich ernst nehmen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Philipp Etter (Philipp Etter)
    Die Saudis organisieren und finanzieren den IS-Terror massgeblich, sorgen damit für die Flüchtlingsströme und wenn diese dann in Europa angekommen sind, werden sie in von Saudis finanzierten Moscheen empfangen und entsprechend indoktriniert. Die ganze Misere wird gestützt vom US-Imperium, welches die Saudis mit Waffen beliefert und umgekehrt finanzieren die Saudis den Wahlkampf von Clinton, die den Saudis die gewünschten Kriege liefert und wir blöden Europäer schauen dabei zu und bezahlen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen