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Russlands Aussenminister Lawrow und Bundesrat Burkhalter schütteln sich die Hand.
Legende: Am letzten offiziellen Arbeitsbesuch auf Ministerebene trafen sich Lawrow und Burkhalter 2013 in Neuenburg. Keystone/Archiv
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Schweiz «Die Schweiz ist für Russland als neutrale Vermittlerin wichtig»

Aussenminister Didier Burkhalter reist nach Russland. Er trifft dort seinen Amtskollegen Sergei Lawrow. Der Kreml schätzt die Schweiz als neutrale und zurückhaltende Vermittlerin, wie SRF-Russlandkorrespondent Christof Franzen sagt. Es gibt aber auch kritische Stimmen in dem Land.

SRF News: Wie steht es um die Beziehungen zwischen der Schweiz und Russland?

Christof Franzen: Grundsätzlich sind die Beziehungen zwischen der Schweiz und Russland gut. Russische Politiker und Diplomaten loben die Schweiz immer wieder dafür, dass sie eine eigenständige Politik betreibe und als Nicht-Mitglied der EU und der Nato selbständig Entscheide treffen könne. Das zeige sich beispielsweise darin, dass die Schweiz bei den westlichen Sanktionen gegen Russland nicht mitmache. Allerdings hat der Konflikt in der Ostukraine auch seine Auswirkungen auf die Beziehungen Schweiz-Russland. So hat die Schweiz zum Beispiel nach der Annektierung der Krim durch Russland die Besuche auf Ministerebene eingefroren.

Wo ist die Schweiz für Russland politisch besonders von Bedeutung?

Die Schweiz ist für das offizielle Russland als neutrale und sich mit Kritik zurückhaltende Vermittlerin wichtig. Das zeigt sich zum Beispiel im Konflikt zwischen Russland und Georgien um die abtrünnigen georgischen Regionen Abchasien und Südossetien: Die Schweiz hat dort seit 2009 ein Schutzmachtmandat und vertritt die politischen Interessen Russlands in Georgien und umgekehrt. Ein anderes Beispiel ist der Konflikt in der Ostukraine. Hier spielen Schweizer Diplomaten bei den Beobachter-Missionen eine zentrale Rolle.

Hört Russland auf die Empfehlungen der Schweiz?

Es ist nicht so, dass die Schweizer Meinung im Kreml von zentraler Bedeutung ist, wenn es dort um wichtige Entscheidungen geht. Russland lässt sich kaum von seiner antiwestlichen Politik abbringen. Der Kreml schätzt an der Schweiz, dass sie neutral und zurückhaltend ist. Russische Oppositionspolitiker hingegen kritisieren die Schweiz als zu zurückhaltend. So zum Beispiel in Korruptionsfällen, in denen auch Spuren in die Schweiz führen. Die Oppositionellen sagen, die Schweiz sei die erste Adresse für korrupte russische Politiker.

Beim Treffen zwischen Burkhalter und Lawrow geht es auch um wirtschaftliche Interessen. Wie stehen die beiden Länder da zueinander?

Russland galt jahrelang als ein Markt der Zukunft mit viel Potenzial. Zu besten Zeiten machten Schweizer Exporte nach Russland rund 1,5 Prozent des gesamten Schweizer Exportvolumens aus. Die Wachstumsraten schienen langfristig vielversprechend. Die Wirtschaftskrise, die Russland nun heimsucht, hat dem Ganzen einen massiven Dämpfer versetzt. Der gegenseitige Handel ist um rund 30 Prozent eingebrochen.

Ist es für Schweizer Firmen gerade mit Blick auf die Sanktionen des Westens nicht auch politisch heikel mit Russland zu Geschäften?

Wenn Schweizer Diplomaten in Russland damit werben, dass die Schweiz bei den Sanktionen nicht mitmache und von den russischen Gegenmassnahmen nicht betroffen sei, hat das schon einen leichten Beigeschmack. Allerdings ist insbesondere der Schweizer Finanzsektor in Russland sehr vorsichtig geworden. Er will sicherstellen, dass die Sanktionen des Westens nicht über die Schweiz umgangen werden.

Das Gespräch führte Susanne Schmugge.

Offizieller Arbeitsbesuch

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Offizieller Arbeitsbesuch
Legende: Keystone/Archiv

Aussenminister Didier Burkhalter und sein russischer Amtskollege Sergei Lawrow werden über die bilateralen Beziehungen der beiden Länder reden. Bei ihrem Treffen wollen sie zudem aktuelle internationale Themen wie die Lage in der Ukraine und den Syrienkrieg ansprechen. Der letzte offizielle Arbeitsbesuch auf Ministerebene fand im April 2013 statt.

Christof Franzen

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Christof Franzen

Der Journalist arbeitet seit 2003 für SRF, seit 2007 als Korrespondent in Moskau.

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41 Kommentare

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  • Kommentar von M. Roe  (M. Roe)
    Ich kann nicht verstehen, warum Obama +die EU unbedingt wollen, dass die ganze Welt (vor allem Russland) so agiert wie sie es tun. Es ist doch viel besser, wenn es verschiedene Kulturen, Religionen und eben auch Regierungen gibt. Dass Russland nie die Absicht hatte, sich der EU oder USA anzuschliessen ist wohl klar. Es ist auch sehr gut so. Denn Russland ist ein ganz anderes Land, viel, viel grösser und es wäre der Untergang von Russland, wenn sein Präsident so handeln würde wie Merkel +Obama.
    1. Antwort von Ursula Schüpbach  (Artio)
      Gwatt muss sie ja auch nicht unbedingt Thun anschliessen. Wo kämen wir da hin? Wenn sich jeder allem anschliessen würde?
  • Kommentar von marlene Zelger  (Marlene Zelger)
    Gleich zwei Bundesräte ringen um die Gunst der Russen. Die Schweiz sollte etwas weniger euphorisch, dafür etwas vorsichtiger mit Russland umgehen und sich nicht zu stark auf die Schmeicheleien Russlands einlassen. Die Exporte nach Russland sind ja bereits zurückgegangen. Schuld ist der starke Franke, respektive der schwache Rubel. Wie lange die Wirtschaftsflaute dort noch dauert, wissen die Götter.
  • Kommentar von Hans Haller  (panasawan)
    Wer nicht neutral sein kann, schadet seiner eigenen Heimat. So einfach ist das. Ich habe sogar das Gefühl, dass wie genau in dem Bereich wieder markante Pflöcke setzen müssen.
    1. Antwort von Ursula Schüpbach  (Artio)
      "Was bezeichnen Sie als Heimat: a. ein Dorf? b. eine Stadt oder ein Quartier darin? c. einen Sprachraum? d. einen Erdteil? e. eine Wohnung?" - Max Frisch (aus: Fragebogen, Suhrkamp Taschenbuch Verlag )
    2. Antwort von marlene Zelger  (Marlene Zelger)
      Frau Schüpbach, schade, mussten Sie diese Gedanken von Max Frisch's Oevre holen. Das nennt man doch so was wie Plagiat, nicht wahr?
    3. Antwort von Ursula Schüpbach  (Artio)
      Ein Zitat mit Quellenangabe ist alles andere als ein Plagiat, Frau Zelger.