Die WOZ setzt auf Qualität und hat damit Erfolg

In der Schweizer Presse sinken Auflage- und Leserzahlen seit Jahren. Auch diese Woche präsentierten die Medien wieder miserable Zahlen – mit einer Ausnahme: Die Linke Wochenzeitung WOZ hat massiv mehr Leser gewonnen.

Eine WOZ-Mitarbeitende sitzt am Schreibtisch über einem ausgedruckten Blatt vor einem PC, daneben ein Stapel diverser Ausgaben der WOZ. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die WOZ setzt schon seit 30 Jahren auf Crowdfunding, um aufwändige Recherchen zu finanzieren. Keystone

Wie soll die Titelseite der neuen Ausgabe aussehen? Die Redaktion der linken «Wochenzeitung» (WOZ) diskutiert und die Zeit drängt, denn bald müssen die Seiten fertig sein und in den Druck. Die Diskussionen der WOZ-Redaktion laufen gleich wie bei anderen Zeitungen. Auch optisch unterscheiden sich die Räume mitten im Zürcher Industriequartier nicht von anderen Redaktionen. Eines aber fehlt: Das Chefbüro.

«Wir gehören uns selbst»

Die WOZ ist als einzige Zeitung der Schweiz genossenschaftlich organisiert, wie Roman Schürmann sagt. Er ist Abschlussredaktor und Mitglied der Geschäftsleitung. «Wir gehören uns selbst. Alle, die hier arbeiten, sind Mitbesitzer und Mitbesitzerinnen der Zeitung. Es gibt keine Stelle, die uns reinredet, sondern wir können die Zeitung machen, die wir wollen.»

Die WOZ startete 1981, selbstverwaltet, basisdemokratisch und mit einem klaren Linkskurs. Drei Jahre später kämpfte sie ums Überleben, weil Abonnenten und Inserate ausgeblieben waren. In der Not wurde ein Förderverein gegründet, mit dessen Hilfe sie ihre Schulden tilgen und sich über Wasser halten konnte.

Alle verdienen gleichwenig

Zudem verdienten alle Beteiligten mit 1900 Franken Brutto sehr wenig. Inzwischen sind die Löhne zwar gestiegen, doch mit 5000 Franken Brutto sind sie noch immer nicht hoch. Es ist der Einheitslohn für alle 50 Mitarbeitenden der WOZ, ob Layouter, Redaktorin oder Informatiker. Noch heute kommt das Geld hauptsächlich von Abonnenten und Gönnern.

Die Krise in der Medienbranche, der Einbruch bei den Inseraten hat die WOZ deshalb weniger getroffen als andere Printprodukte, bestätigt Roman Schürmann. «Im Vergleich zu anderen Zeitungen, waren wir in den letzten zehn Jahren überhaupt nicht gezwungen, Stellen abzubauen oder sonstige Sparmassnahmen durchzuziehen. Das heisst, wir konnten unsere journalistische Qualität hochhalten oder vielleicht sogar ein bisschen ausbauen.»

Crowdfunding seit 30 Jahren

Mittlerweile versuchen viele Medien, die Leser im Internet an sich zu binden und so Geld zu verdienen. «Paywalls» und «Crowdfundig» heissen die Schlagwörter, die Leser sollen für Inhalte zahlen. Dieses Konzept setzt die WOZ mit ihrem Förderverein bereits seit über 30 Jahren um.

Das mag altmodisch erscheinen, aber es funktioniert. So gibt es Geld für zusätzliche, aufwändige Recherchen. Neulich erschien beispielsweise ein viel beachtetes Sonderheft zu Dschihadismus in der Schweiz. So entsteht Leserbindung und Glaubwürdigkeit: Das attestieren der WOZ auch unabhängige Medienexperten.

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