Ousman Sonko Ehemaliger gambischer Minister bleibt in Untersuchungshaft

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Bildlegende: Der ehemalige gambische Minister Ousman Sonko. SRF

Das Wichtigste in Kürze

  • Der ehemalige gambische Innenminister Ousman Sonko bleibt weitere drei Monate in Untersuchungshaft.
  • Die Bundesanwaltschaft begründet dies mit Fortschritten in der Ermittlung.
  • Sonko werden Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen. Er soll für Folterungen verantwortlich gewesen sein.

Die Verlängerung der Untersuchungshaft hat die Bundesanwaltschaft beantragt; das Zwangsmassnahmengericht des Kantons Bern ist diesem Antrag gefolgt. Die zusätzliche Zeit soll es ermöglichen, weitere Zeugen zu befragen, beschlagnahmte Unterlagen und Daten zu analysieren und die Strafanzeigen zu überprüfen.

Ousman Sonko werden Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen. Er war Innenminister unter Yahya Jammeh, dem gambischen Langzeitherrscher, welcher Mitte Januar ins Exil ging. Sonko soll eine Schlüsselfigur des Jammeh-Regimes gewesen sein und in dessen Namen Folterungen zumindest toleriert haben. Möglicherweise war er auch selbst dafür verantwortlich.

Als Asylsuchender im Durchgangszentrum

Der ehemalige Minister hatte in der Schweiz Asyl beantragt. Er hielt sich ab November 2016 im kantonalen Durchgangszentrum im bernischen Lyss auf, wo ihn die Polizei Ende Januar dieses Jahres festnahm.

Auslöser für die Festnahme war eine Strafanzeige der Genfer Nichtregierungsorganisation Trial. Ende Januar eröffnete die Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern ein Strafverfahren gegen Sonko und beantragte eine dreimonatige Untersuchungshaft – ein Antrag, den ein regionales Zwangsmassnahmengericht genehmigte.

Anfang Februar übernahm die Bundesanwaltschaft das Strafverfahren. Es gebe genügend Elemente, die den genannten Verdacht nicht ausschlössen, schrieb die Bundesanwaltschaft Anfang Februar zur Begründung der Übernahme des Verfahrens. Aufgrund von Fortschritten in den Ermittlungen wurde die Untersuchungshaft nun um drei Monate verlängert.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Auf den Spuren von Sonko

    Aus Rundschau vom 22.2.2017

    Zehn Tage lang hat das Rundschau-Team in Gambia mit Opfern des Ex-Innenministers Ousman Sonko geredet und tief in die schreckliche Vergangenheit des Landes geblickt. Sonko, der inzwischen in der Schweiz um Asyl ersucht, ist für seine Mitbürger nichts anderes als ein Folter-Scherge. Jetzt verlangt Gambia von der Schweiz Sonkos Auslieferung.

  • Foltervorwürfe

    Aus Rundschau vom 25.1.2017

    Die Lage im westafrikanischen Kleinstaat hatte sich dramatisch zugespitzt: Der abgewählte Diktator Yahya Jammeh wollte den Präsidentenpalast nicht für seinen demokratisch legitimierten Nachfolger räumen. Erst der Druck senegalesischer Interventionstruppen hat ihn zur Aufgabe gezwungen. Die «Rundschau» zeigt mit exklusiven Stimmen, wie brutal das vertriebene Regime seine Bevölkerung unterdrückte.