Ein «Fehler der Geschichte» – von Maxime Zuber korrigiert?

Moutiers Stadtpräsident Maxime Zuber setzt sich seit seiner Jugend für eine Wiedervereinigung des Jura ein. In seiner Mission scheint er unermüdlich und lässt sich auch nicht von seinen Kritikern abbringen.

Maxime Zuber, Stadtpräsident von Moutier, im Blitzlichtgewitter der Journalisten. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Maxime Zuber ist von seinem Ziel, einer Wiedervereinigung des Jura, nicht abzubringen. Keystone

Wenn die Gemeinde Moutier nun die Abstimmung über einen Beitritt zum Kanton Jura vorbereitet, sieht sich der Stadtpräsidenten Maxime Zuber in der Pflicht. Seit seiner Studienzeit kämpft der 50-Jährige Berner Grossrat für einen entsprechenden Wechsel: geduldig und dabei unerschöpflich, wie es scheint.

In zwei Jahren soll Moutier zwischen Bern oder Jura wählen

4:58 min, aus Regionaljournal Bern Freiburg Wallis vom 05.02.2015

Aber wer ist Maxime Zuber? Wer ist dieser Mann, der sich auch 2013 nicht von seinem Kurs abbringen liess, als sich gerademal eine Gemeinde des Berner Jura – Moutier nämlich – für einen Kantonswechsel ausgesprochen hatte?

Soviel vorweg: Auf deutsch befragt, antwortet Maxime Zuber kompromisslos auf französisch. Schon das ist ein Statement.

Offen in der Betrachtung

Als promovierter Mathematiker und Gymnasiallehrer ist Maxime Zuber auf eindeutige Lösungen bedacht; als Politiker der PSA – der Parti socialiste autonome du Sud du Jura – ist er derweil durchaus für verschiedene Betrachtungweisen offen.

So sei er selbst keineswegs gegen Bern, wie er nach der Abstimmung über die Jura-Frage im November 2013 verlauten liess; er sei bloss für den Jura. Und sein geliebtes Moutier sei an jenem Tag danach nicht etwa jurassisch geworden, aber dennoch keine bernische Stadt mehr.

Freigeist, als Unverbesserlichkeit ausgelegt

Mit soviel Freigeist – die ihm auch als Unverbesserlichkeit ausgelegt werden kann – muss sich der Stadtpräsident von Moutier auch Gegner einhandeln. Zwar würden ihm die Menschen immer wieder ihr Vertrauen bekunden, so Maxime Zuber kürzlich zu SRF. Aber diejenigen, die Bern «blindlings und bis zum Vergehen» liebten, würden sein Engagement natürlich auch kritisieren.

«  Die einzige Sache, die mich ermüdet, ist die Unaufrichtigkeit meiner Gegner. »

Maxime Zuber
Stadtpräsident von Moutier

Dass ihn seine Gegner zu provozieren wissen, ist seit einer Sitzung des Grossen Rates in Bern in Erinnerung geblieben. Nach der Abstimmung über die Jura-Frage 2013 hatte die SVP-Fraktion die Pulte mit Berner-Fähnchen geschmückt. Zuber hatte sich darüber damals derart enerviert, dass er mit zwei Parteikollegen noch vor Eröffnung der Debatte den Raum verliess.

Ermüdungserscheinungen

Gefragt, ob er in seinem unerschöpflichen Einsatz auch einmal müde werde, bringt er seine unbedingte Lust zur politischen Tat zum Ausdruck: «Wenn mir eine Idee richtig erscheint, wenn eine Überzeugung es wert ist, verteidigt zu werden, engagiere ich mich unermüdlich, mit Entschlossenheit und Enthusiasmus.» Um sogleich anzufügen: «Die einzige Sache, die mich ermüdet, ist die Unaufrichtigkeit meiner Gegner.»

Solch ein Feuer muss tiefer angelegt sein. Und in der Tat zeugt Maxime Zubers Eifer von einer unbedingten familiären Loyalität. Als die Spaltung des Jura 1978 beschlossen war, hatte er seine Eltern weinen gesehen und unter diesen Umständen einen für ihn wegweisenden Entschluss gefasst: dass er in der Jura-Frage kitten wolle, was zerbrochen worden sei.

Überzeugung von historischem Format

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Maxime Zuber

Maxime Zuber mit Brille.

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Maxime Zuber ist Stadtpräsident von Moutier und Mitglied des Grossen Rates von Bern (PSA). Er setzt sich seit Jahren für eine Wiedervereinigung des Jura ein. Nach der Abstimmung im November 2013, die er im Hinblick auf die Jura-Frage als Misserfolg verbuchen musste, versucht er nun wenigstens die Gemeinde Moutier in den Jura zu überführen.

Aber nicht nur bei seinen direkten Ahnen scheint Zubers Beflissenheit vorweggenommen. Seine Überzeugung ist grundsätzlich von historischem Format:

Gefragt, was ihm ein Wechsel von Moutier zum Jura persönlich bedeuten würde, spricht er von einer «Behebung einer politischen Ungerechtigkeit», ja gar von der «Korrektur eines Fehlers der Geschichte».

Will die Bürger von Ängsten befreien

In politischer Hinsicht geht es ihm aber bloss darum, dass sich die Bürger von Moutier nicht «von Ängsten» oder von «kurzsichtigen Kalkulationen» leiten lassen und stattdessen ausgehend von «guten Beweggründen» agieren.

Mit einem Wechsel der Gemeinde zum Jura würde nämlich illustriert, wie «die politische Kapazität der Schweiz» noch «bis in die letzten Details» innere institutionelle Probleme zu lösen vermag.

Empfindet keine Nostalgie

Angesichts Zubers unerschütterlichem Idealismus kann man den Eindruck haben, dass dieser Mann von nostalgischen Gefühlen angespornt ist. Doch der Stadtpräsident von Moutier verneint. Er empfände überhaupt keine Nostalgie, die als solche rückwärts gewandt sei.

Stattdessen will er sich für die Zukunft «seiner Stadt, seiner Region, seines Volkes» einsetzen und – für die Zukunft «seiner Kinder».