Zum Inhalt springen

Header

Inhalt

Schweiz «Ein schwuler Schwinger könnte sich kaum outen»

Das Bekenntnis des deutschen Ex-Fussballers Thomas Hitzlsperger zu seiner Homosexualität hat die Diskussion über schwule Sportler zwar angefacht. Nachahmer hat er bisher aber keine gefunden. In der Schweiz schon gar nicht.

«Ein Comingout im Sport ist noch immer ein grosses Tabu», sagt Mehdi Künzle, Vorstandsmitglied der Schwulenorganisation Pink Cross. Das gelte besonders für die Schweiz. Hier ist ihm auch kein Mannschaftssportler bekannt, der sich offen zu seiner Homosexualität bekannt hätte. Er weiss aber von zwei bekannten Sportlern, die sich nach Thomas Hitzlsperger auf Facebook als homosexuell bezeichnet haben.

Video
Was Hitzlsperger bewirken könnte
Aus sportlounge vom 13.01.2014.
abspielen

Kampagne der Sportämter begrüsst

Mit Ausnahme der nun lancierten Kampagne der Sportämter kennt Pink Cross keine Vorstösse von Schweizer Sportkreisen, welche die Homosexualität und deren Folgen im Sport thematisieren würden.

Deshalb begrüsst die Organisation die nationale Kampagne, welche die Diskriminierung von Sportlern wegen ihrer sexuellen Orientierung angehen will.

Künzle rechnet damit, dass sich die Schwulenorganisation ebenfalls an den Aktivitäten der Arbeitsgemeinschaft Schweizerischer Sportämter beteiligen wird. In welcher Form, sei allerdings offen.

Pink Cross plant eigene Initiative

Zudem will Pink Cross laut Künzle ein eigenes Projekt zum Thema Homosexualität starten, das sich an Trainer und Sportler selbst richtet. Das ganze stecke aber noch in der Konzeptphase zusammen mit Pädagogen und Experten von Sportverbänden, sagt Künzle.

Für die Schweiz gebe es keine Zahlen oder Statistiken zur Homosexualität im Sport. Hier zu Lande rückte das Thema eigentlich erst mit Hitzlsperger und den Olympischen Spielen ins breite Bewusstsein, weil Russland gegenüber Homosexuellen keine Toleranz zeigt.

Mannschafts- oder Individualsport nicht zentral

In Frankreich ergab eine Untersuchung zur Homophobie (Abneigung gegenüber Schwulen und Lesben), dass 0,4 Prozent der Sportler schwul sind. Bei den Frauen beträgt der Anteil laut Künzle 2,5 Prozent. Allerdings sei die Studie aus dem Jahr 2010/11 nicht repräsentativ, weil viele Befragte diese Auskunft verweigert hätten.

Laut dieser Untersuchung sei ein Comingout für einen Sportler in einem Team nicht wesentlich schwieriger als für einen Individualsportler. Die Bereitschaft dazu hänge vielmehr von der eigenen Identifikation über den Sport ab: Je mehr jemand vom und für den Sport lebe, umso schwieriger falle ihm ein Comingout.

Kämpfende Schwinger mit stiebendem Sägemehl
Legende: Schwingern fiele ein Comingout wegen der konservativen Anhängerschaft ihres Sports wohl besonders schwer. Keystone

Viele Fans erschweren Comingout

Ein weiteres Kriterium sei der Beachtungsgrad einer Sportart in der Öffentlichkeit. Je grösser das Publikumsinteresse, um so schwieriger sei ein Comingout. Zudem hätten Frauen damit eher weniger Probleme.

Und wie schwer fiele es einem schwulen Schweizer Schwinger, sich zu outen? Kein Zweifel für den Pink-Cross-Vertreter, das wäre eines der schwierigsten Szenarien: «Schwingen ist in der Schweiz sicher die heikelste Sportart für ein Comingout. Da muss sich ein Sportler ja gegenüber dem konservativsten Teil des Landes zu seiner Homosexualität bekennen.»

Aktive Sportler sollen sich outen

Künzle ermutigt Sportler generell zu Comingouts, am besten noch während ihrer aktiven Zeit. Ein solches Bekenntnis bewirke ungleich mehr als eines nach Abschluss der Karriere. Das brauche natürlich viel Mut und Selbstbewusstsein. Bei der Diskriminierung von Homosexuellen im Sport ändere sich aber durch mutige Betroffene am meisten.

Kampagne gegen Homophobie

Box aufklappen Box zuklappen
Kampagne gegen Homophobie

Schwule und lesbische Athleten: Noch immer ein Tabu in der Welt des Sports. Die Arbeitsgemeinschaft Schweizerischer Sportämter will dies ändern. Sie lancierte eine Sensibilisierungs-Kampagne gegen die Diskriminierung aufgrund sexueller Orientierung im Sport. Hier mehr.

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

43 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Sonny Bobbeler , Schlieren
    Die Kommentare sprechen eine deutliche Sprache: Typische kleinbürgerliche Homophobie,
    1. Antwort von Franz NANNI , Nelspruit SA
      wie bitte?! Da sagen praktisch alle, dass Homosexualitaet akzeptiert sei, aber dass man nicht staendig so ein Theater darum herum machen solle, weil es langsam eine Uebersaettigung gibt.. also Kleinbuergerlich ist DAS nicht und mit Homophobie hat es schon gar nichts zu tun. ...
  • Kommentar von M. Kohler , Thurgau
    Vielleicht hat Putin das Thema nur verboten, da es ihn so nervt wie mich.... Diese uninteressanten Homo News können wirklich nur eine PR. Aktion sein. Lasst es einfach sein!
  • Kommentar von Tom Duran , Basel
    Lasst doch die Schwulen schwul sein. Mann muss das ja nicht an die grosse Glocke hängen. Die Schweizer tun sich halt schwer damit, dass es Leute gibt, die anders ticken als die Kopfnicker Mehrheit. Aber die gibt es nun mal, egal ob schwul oder nicht. Findet euch damit ab!