Ein weltmännischer Auftritt von Ueli Maurer

Der Schweizer Bundespräsident hielt an der Generalversammlung der UNO ein Plädoyer fürs Völkerrecht. Für einen SVP-Politiker sei dies aussergewöhnlich, meint Fredy Gsteiger in seinem Kommentar.

Bundespräsident Ueli Maurer mit Michelle und Barack Obama in New York. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Grosse Ehre für Bundespräsident Ueli Maurer: Bei seinem Besuch in New York empfingen ihn Michelle und Barack Obama. RTS/Pierre Gobet

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Direkt vom UNO-Hauptsitz

Fredy Gsteiger

srf

Fredy Gsteiger ist langjähriger diplomatischer Korrespondent von SRF.

Das diplomatische Parkett ist glitschig. Und es die Diplomatie ist gewiss nicht das Lieblingsbiotop von Ex-SVP-Chef Ueli Maurer. Weder fühlt er sich dort wohl. Noch bewegt er sich geschmeidig darin.

Seine Eröffnungsrede am Wef Anfang Jahr in Davos missriet, war provinziell, war trotzig statt weltmännisch. Gedanken- und geschmacklos später der Schlussstrich, den er unter die chinesischen Massaker am Platz des Himmlischen Friedens ziehen will. Man versteht also jene, die im Vorfeld seines grossen UNO-Auftritts den Atem anhielten.

Nicht als UNO-Gegner aufgetreten

Allein, man darf sich entspannen. Bundespräsident Maurer legte in New York einen fast schon weltmännischen Auftritt hin. Er war engagiert, informiert, ja gar, so schien es, locker und lustvoll bei der Sache. Er machte wiederholt klar, er sei jetzt nicht als SVP-Mann gekommen, nicht als langjähriger, ja gar frustrierter UNO-Gegner, nicht als Parteiideologe. Nein, als Staatsoberhaupt wolle er möglichst viel für sein Land erreichen. Als einer, der über den Bauchnabel hinausschaut, sich für die Sorgen der Welt interessiert. Der will, dass seine Heimat die Weltpolitik mitgestaltet.

Er hielt eine überzeugende Rede mit einem Plädoyer für das Völkerrecht. Er machte das Vollprogramm für Staatschefs mit, samt Empfang des US-Präsidenten, samt Präsidentenlunch des UNO-Generalsekretärs. Er eröffnete eine Ministerdebatte über den Schutz von Zivilisten in Kriegen. Er traf viele Amtskollegen, schüttelte Barack Obama die Hand, unterhielt sich mit Ban Ki-Moon. Er gab bereitwillig Dutzende von Interviews. Wenn ich schon hier bin, dann will ich die Sache recht machen, war offenkundig seine Devise.

Gewiss: Ein Schweizer Bundespräsident, der nur ein Jahr amtiert, hat hier den Nachteil, weniger Spitzenpolitiker persönlich zu kennen als andere. Und Smalltalk ist nicht so seine Sache.

Ueli Maurer hat sich auch nicht über Nacht zum glühenden UNO-Enthusiasten gewandelt. Muss er auch nicht. Aber er äusserte doch den Satz: «Wenn es die UNO nicht schon gäbe, müsste man sie sofort erfinden.» Aus seinem Mund alles andere als eine Selbstverständlichkeit.

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