Elektrovelos: Lenker unterschätzen Geschwindigkeit oftmals

Bei Unfällen mit E-Bikes ist es 2012 zu mehr Toten und Schwerverletzten gekommen. Dies schreibt die Beratungsstelle für Unfallverhütung in ihrem Sinus-Report. Und: Oftmals tragen sie sogar selbst die Schuld. Grund dafür ist laut Pro Velo Schweiz unter anderem unterschätztes Tempo der Lenker.

Ein Rad eines E-Bikes, herangezoomt. Es ist schlicht gehalten und unauffällig schwarz. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Geschwindigkeit der E-Bikes ist nicht zu unterschätzen. Keystone

Letztes Jahr sind insgesamt acht Personen bei einem Unfall mit ihrem E-Bike gestorben. Auf den ersten Blick scheint diese Zahl nicht auffallend hoch. Vergleicht man allerdings die Statistiken fällt auf: Im vorletzten Jahr starben noch deutlich weniger Menschen bei einem E-Bike-Unfall.

Insgesamt kamen 2012 laut dem Sinus-Report von der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU) 339 Verkehrsteilnehmer ums Leben. 28 waren mit gewöhnlichen Velos unterwegs.

Elektrovelos: Gefahr für über 45-Jährige

1:39 min, aus Tagesschau vom 22.10.2013

Verletzungen sind schwerer

Frappant ist zudem: Die schwere der Verletzungen haben ebenfalls zugenommen. Der BFU zufolge um einen Viertel (total 86 Fälle).

Vergleicht man diese Zahl mit den Verkehrsunfällen auf dem Velo wird klar: Rund 35 Prozent aller Verunglückten mit einem E-Bike werden schwer verletzt oder sterben. Bei den Velofahrern liegt dieser Anteil bei 27 Prozent. Unfälle mit Elektrovelos sind laut BFU generell eher schwer.

E-Biker unterschätzen Geschwindigkeit

Christof Merkli ist Leiter von Pro Velo Schweiz. Der Verband vertritt die Interessen der Velofahrer. Merkli zeigt sich angesichts der neusten Unfallzahlen «besorgt». «Die Lenker nehmen die Geschwindigkeit zu wenig ernst», so Merkli.

Zu diesem Schluss kommt auch die BFU. «Möglicherweise unterschätzten die Lenker das Tempo», heisst es im Sinus-Report. «E-Bikes fahren schnell, sind in der Regel aber nicht von herkömmlichen Fahrrädern zu unterscheiden. Deshalb lösen sie bei anderen Verkehrsteilnehmern auch kaum die Assoziation ‹schnelles Fahrzeug› aus».

Lenker sind oftmals selbst schuld

Schwere E-Bike-Unfälle verursachen die Fahrer laut dem Report oft selbst. 57 Unfälle seien Schleuder- oder Selbstunfälle, an denen keine weiteren Personen beteiligt sind, kommen die Autoren zum Schluss. Dabei sei von einer hohen Dunkelziffer auszugehen.

Merkli von Pro Velo Schweiz rät Lenkern von E-Bikes deshalb, einen entsprechenden Kurs zu besuchen. Insbesondere, um Selbstunfälle zu vermeiden. Einen solchen Kurs bietet auch Pro Velo Schweiz an. Bis jetzt sei die Nachfrage jedoch eher bescheiden, sagt er.

Etwas distanzierter sieht Kurt Egli einen allfälligen 1:1-Nutzen von Kursen. Er selbst ist Leiter der Velofahrkurse bei Pro Velo Schweiz und sagt dazu: «Zwar kann das Verkehrsklima verbessert werden. Dass sich mittels Kursen Unfälle direkt verhindern lassen, bezweifle ich stark». In erster Linie müsste man die Autofahrer bezüglich Aufmerksamkeit schulen. Nicht selten seien Lenker von Personenwagen in Unfällen mit E-Bikes verwickelt, so Egli. Beispielsweise zu telefonieren, sei schlichtweg nicht erlaubt. «Es ist also ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren und hängt nicht nur von den Lenkern der E-Bikes ab», stellt er klar.

2012 fast 200'000 E-Bikes verkauft

Ein weiterer Punkt, der in dem Bericht auffällt: 80 Prozent der Getöteten und Schwerverletzten sind älter als 45 Jahre. Die Altersklasse, die E-Bikes am meisten benutzt.

Und der Boom geht weiter: Immer mehr Personen fahren Elektrovelos. 2012 wurden 185'000 verkauft – 50'000 mehr als 2011.

E-Bikes stellen aber nicht grundsätzlich eine Gefahr dar. Schwere Unfälle mit Todesfolge seien nach wie vor gering, schreibt die BFU.