Ende der Iran-Sanktionen: Neue Perspektiven für Schweizer Firmen

Fast ein ganzes Jahrzehnt war der Iran weitgehend vom Weltmarkt abgeschottet. Nun sind die Sanktionen gegen Teheran gefallen. Auch für Schweizer Firmen öffnet sich damit ein interessanter Markt.

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Iran: Chancen für die Wirtschaft

1:46 min, aus Tagesschau vom 17.1.2016

Bereits im April vergangenen Jahres war eine Schweizer Handelsdelegation in den Iran gereist, um den Markt zu sondieren. Die Schweiz sei gut positioniert, um im Land Fuss zu fassen, hiess es damals von Seiten der Delegation. Ende Februar reist auch Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann nach Teheran.

Laut dem Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) geniesst die Schweiz im Iran einen guten Ruf und Schweizer Qualität wird sehr geschätzt. Nicht zuletzt auch durch ihre Schutzmachtfunktion für die USA. Die Schweiz vertritt seit 35 Jahren die amerikanischen Interessen in Teheran.

Viele Schweizer Unternehmen waren vor der Verhängung der Sanktionen bereits im Iran engagiert. Sie hofften nun an diese guten Beziehungen anknüpfen zu können, sagte Ivo Zimmermann, Sprecher des Industrieverbandes Swissmem, gegenüber der Nachrichtenagentur sda.

Zahlreiche Geschäftsfelder

Laut Zimmermann gibt es gerade im Iran im Infrastrukturbereich einen grossen Nachholbedarf, namentlich beim Schienen- und Strassenbau und im Bereich Werkzeug- und Textilmaschinen.

Iranischer Student mit Roboter Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Firmen, welche sich durch besonderes technologisches Knowhow auszeichnen, könnten nun besonders profitieren. Reuters

Der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse verweist zudem auf die rund 80 Millionen meist gut ausgebildeten Einwohner des Landes. Der grosse Konsumentenmarkt sei gerade für die Pharma- und Medizinalindustrie sehr interessant. Eine mögliche Nachfrage bestehe auch im Bereich der Energieeffizienz (z.B. Cleantech).

Noch unklar sind derzeit die Perspektiven für die Schweizer Banken. Die grossen Geldhäuser, die auch in den USA aktiv sind, mussten während des Embargos die US-Sanktionen mittragen, die um einiges schärfer waren als jene der Schweiz. Laut Seco-Sprecherin Antje Bärtschi ist es derzeit noch unklar, wann die Schweizer Banken im Iran wieder aktiv werden können.

Bisher zeigten sich die Banken auch dabei sehr zurückhaltend, die Exporte von Schweizer Firmen in den Iran zu finanzieren. Nicht ohne Grund, wie Philippe Welti, Präsident der Wirtschaftskammer Schweiz, sagt: «Die Banken sind nicht aus einer Laune heraus so zurückhaltend, sondern aufgrund von schlechten Erfahrungen mit den USA.»

Die Credit Suisse beispielsweise musste vor ein paar Jahren eine hohe Busse bezahlen, weil sie gegen US-Sanktionen verstossen hatte. Da diese nun gelockert werden, können die Banken nun mit weniger Rücksichten vorgehen, zeigt sich Welti überzeugt.

Verdreifachung der Exporte möglich

Noch ist der Iran für die Schweiz ein kleiner Exportmarkt – mit Ausfuhren im Wert von gut 600 Millionen Franken (2014), vor allem Medikamentenexporte.

Zum Vergleich: Die Exporte nach Deutschland beliefen sich im gleichen Zeitraum auf rund 95 Milliarden Franken.

Das konkrete Potential für die Schweizer Wirtschaft sei schwierig zu beziffern, heisst es bei Economiesuisse. Dieses hänge insbesondere von den Investitionsprioritäten des Iran ab. Einen Einfluss haben in diesem Zusammenhang demnach der tiefe Ölpreis und die Tatsache, dass Vermögenswerte des Iran zurzeit in China eingefroren sind.

Bei der Aussenwirtschaftsförderungsorganisation Switzerland Global Enterprise hiess es nach dem Atomabkommen im vergangenen Jahr, eine Verdreifachung der Schweizer Exporte in den Iran liege durchaus im Bereich des Möglichen.

Nach der Aufhebung des Embargos dürfte die iranische Wirtschaft, das Volkseinkommen und der Mittelstand rasch wachsen. Als Folge davon werde das Interesse an Schweizer Qualitätsprodukten sowie die Bereitschaft dafür mehr zu bezahlen, steigen, schätzte Switzerland Global Enterprise damals.

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Börsen auf Talfahrt

Weil sich der weltweite Ölpreisverfall durch das Atomabkommen mit dem Iran noch verstärken wird, sind die Börsen am Golf am Sonntag eingebrochen. Die saudi-arabische Börse in Riad verlor 5,44 Prozent. In Katar, dem zweitgrössten Handelsplatz am Golf, drehten die Kurse bis zum Mittag mit 5,6 Prozent in den roten Bereich.

Grosse Konkurrenz

Die Wirtschaft im Iran ist stark staatlich geprägt und litt in den vergangenen Jahren massiv unter den internationalen Sanktionen und strukturellen Problemen. Entsprechend gross ist der Nachholbedarf. Zugleich sei der Iran aber kein «leerer Markt», warnt Economiesuisse vor zu grosser Euphorie.

Das Land verfüge aufgrund der langen Jahre unter dem internationalen Embargo über eine funktionierende Binnenwirtschaft mit einer starken eigenen Produktion mit lokalen Marken. Ausländische Unternehmen werden sich demnach auf Konkurrenz vor Ort einstellen müssen. Überdies sind asiatische Unternehmen bereits präsent und auch amerikanische und europäische Konkurrenten stehen in den Startlöchern.