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Schweiz Ende einer Tradition: Armee beendet Heimarbeit im Kanton Uri

Mit dem Nähen und Flicken von Uniformen konnten sich Familien in Bergregionen noch etwas dazuverdienen. Doch damit ist es nun nach mehr als hundert Jahren vorbei. Denn die Armee lässt die Textilarbeiten jetzt zentral erledigen.

Legende: Video Heimarbeit in Uri vor dem Aus abspielen. Laufzeit 3:35 Minuten.
Aus 10vor10 vom 22.12.2014.

Mehr als hundert Jahre konnten Urner Frauen Näh- und Flickarbeiten in Heimarbeit verrichten. Das gab Arbeit und Einkommen für Familien in den Berggemeinden. Doch damit ist es nun vorbei.

Die Armee zieht sich als grösster Auftraggeber zurück. 43 Frauen verlieren deshalb auf einen Schlag ihre Stelle. Eine von ihnen ist Pierina Senn. Seit 31 Jahren nähte sie bei sich zu Hause in Hospental.

Für Sie geht deshalb ein Lebensabschnitt zu Ende: «An fünf Tagen in der Woche habe ich jeweils 6-7 Stunden für die Heimarbeit genäht.» In guten Jahren habe sie so ein Einkommen von 25‘000 Franken gehabt. Als besonders praktisch empfand sie dabei die flexible Zeiteinteilung.

«Schliessung als schmerzhafter Einschnitt»

Die Heimarbeit hatte in den Nachkriegsjahren ihre Blütezeit. Noch 1990 arbeiten im Kanton Uri so rund 250 Frauen. Mit den Sparmassnahmen und Verkleinerungen bei der Schweizer Armee gingen die Aufträge in den letzten 25 Jahren aber stetig zurück.

Das das Kapitel jetzt scheinbar endgültig zu Ende geht schmerzt auch Volkswirtschaftsdirektor Urban Camenzind: «Die Schliessung der Heimarbeit ist ein schmerzhafter Einschnitt, denn die Heimarbeit brachte über viele Jahre hinweg Arbeit und Einkommen für Familien und Randregionen.»

Textilatelier schliesst ebenfalls

Ein Grund, für die fehlenden Aufträge ist die Verkleinerung der Schweizer Armee. Tarnanzüge, Uniformhosen, Helmüberzüge – all das wurde genäht und geflickt.

Vor drei Jahren nun hat die Armee in Thun ein modernes Textilzentrum eröffnet. Hier werden die Uniformen maschinell erfasst, kontrolliert und ausgewertet. So erledigt die Armee fast alle Arbeiten nun schneller und billiger.

Deshalb wird nun am Jahresende auch in Altdorf das Textilatelier geschlossen. Dies war die Zentrale, wo die Frauen die Heimarbeiten vorbereiten und zugeschnittene Arbeiten abholen konnten.

16 Kommentare

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  • Kommentar von Olivier Wyss, Birr
    überall weht der Wind der Oekonomisierung. Nischenplätze gehen mehr und mehr verloren. Entweder es rentiert noch und immer besser oder Mann/Frau fliegt schnell aus dieser Maschinerie des immer-mehr! Die Grenzen des Erträglichen sind bald, wenn nicht schon jetzt, erreicht. Als nächstes werden sie dann im Niedriglohn-Ausland produziert, wie das schon z.T. mit Schulmaterial passiert! Dafür ein paar Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger mehr in der Schweiz.
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  • Kommentar von Samuel Bendicht, Bern
    Bei diesen ferngesteuerten Hetz-Kommentare gegen die Linken, könnte man meinen, dass der VBS-Vorsteher ein Kommunist ist, denn selbst wenn die eigenen Leute Mist bauen und diesen Urner Heimatschutz an die Wand fahren, suchen unsere Superpatrioten die Schuld wie immer bei den anderen. Ich warte jetzt nur noch darauf, dass irgend ein verwirrter Rechtsnationalist behauptet, dass "Russia Today" beweise habe, dass linke Aliens an der mangelnden Führungskompetenz der obersten Armeeführung schuld sind!
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  • Kommentar von Barbara Wihler, Züri
    Jede anständige Firma die schliesst arbeitet einen Sozialplan für Ihre Mitarbeiter/innen aus.Warum nicht das VBS? Randregionen gehören unterstützt.
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