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Gefahr bei Schwangerschaft Epilepsie-Medikament nun mit Warnsymbol

Legende: Video Epilepsie-Medikament schädigt Ungeborene abspielen. Laufzeit 05:01 Minuten.
Aus 10vor10 vom 04.04.2017.
  • Immer mehr Fälle werden bekannt, in denen Babys wegen dem Medikament Depakine geschädigt wurden.
  • Offenbar haben Ärzte oftmals ungenügend über das Risiko informiert.
  • Der Hersteller verschärft nun die Warnung auf der Packung.

Im Februar berichtete «10vor10» erstmals über Fälle von schweren Schäden im Zusammenhang mit dem Medikament Depakine. In der Folge der meldeten sich nun immer mehr Betroffene. Bis heute bestätigt die Zulassungsbehörde Swissmedic insgesamt 15 Meldungen von Missbildungen und 23 Meldungen von Entwicklungsstörungen.

Warnungshinweis
Legende: Ein solches Piktogramm weist auf die Risiken einer Einnahme während der Schwangerschaft hin. SRF

Doch es dürfte auch Fälle geben, die nicht gemeldet wurden. Laut Swissmedic können bei bis zu 40 Prozent der Kinder Entwicklungsschäden auftreten. Der Hersteller warnt jetzt neu mit einem Piktogramm auf der Packung vor der Gefahr für Schwangere. In der Schweiz werden die neuen Verpackungen ab Mai auf den Markt kommen, in Frankreich gibt es sie schon seit März.

Ungenügende Warnung der Ärzte

Das Medikament ist ein langjähriges und verbreitetes Mittel gegen Epilepsie. Es wird auch in der Psychiatrie verschrieben. Während der Schwangerschaft kann das Produkt zu Missbildungen und Entwicklungsstörungen bei Kindern führen. Die Nebenwirkungen betreffen nicht nur Depakine von Sanofi, sondern alle Medikamente mit dem Präparat Valproat. Auch Desitin Pharma, Sandoz und Orion Pharma haben solche Medikamente auf dem Markt.

Eine Wut kommt auf, denn das Schicksal meiner Kinder hätte verhindert werden können.
Autor: Betroffene Mutter

Doch jahrelang wurde die Gefahr verharmlost. Mehrere Mütter haben sich bei «10vor10» gemeldet. Heute erkennen sie, dass ihre Kinder Symptome von Depakine aufweisen. Während der Schwangerschaft seien sie von ihren Ärzten aber ungenügend über die Risiken des Medikamentes informiert worden. «Eine Wut kommt auf, denn das Schicksal meiner Kinder hätte verhindert werden können», sagt eine betroffene Mutter.

Hersteller weist Schuld von sich

Auch Margrit Kessler von der Stiftung Patientenschutz (SPO) ist empört. Studien über die schwerwiegenden Nebenwirkungen waren längst bekannt und entsprechend hätte viel früher reagiert werden müssen. «Ich bin enttäuscht von den Behörden und der Pharmaindustrie. Es ist ihre Verantwortung, die Bevölkerung zu warnen.»

Sanofi, der französische Hersteller von Depakine, weist jede Schuld von sich. Man habe stets «gemäss dem wissenschaftlichen Kenntnisstand» informiert und auf Risiken im Zusammenhang mit der Schwangerschaft wurde seit 1974 hingewiesen.

Epilepsie-Medikament mit guter Wirkung

Warum haben Ärzte ihre Patientinnen nicht gewarnt? Der Präsident der Schweizerischen Epilepsie-Liga, der Neurologe Stephan Rüegg, schliesst zwar nicht aus, dass manche Ärzte das Risiko unterschätzt haben, doch er hält fest:

«Depakine hat eine sehr gute Wirkung bei Epilepsie und ein epileptischer Anfall während der Schwangerschaft bedeutet ein grosses Verletzungsrisiko für Mutter und Kind.» So sei es letztlich eine Abwägung zwischen Nutzen und Risiko.

Doch der Neurologe betont: Es gebe alternative Medikamente. Nur bei einer spezifischen Form von Epilepsie kann heute noch nicht auf ein anders Arzneimittel umgestiegen werden.

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10 Kommentare

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  • Kommentar von René Balli (René Balli)
    Dazu eine spannende und wahre Geschichte: Ein Nachbar von uns leidet an Epilepsie und hat trotz den Medikamenten dauernd Anfälle gehabt. Nach Jahren der erfolglosen Behandlung hat ihm ein Bekannter geraten, es mit Hanf zu versuchen. Ob Ihr es glaubt oder nicht, mein Nachbar hat seit dem nicht einen einzigen Anfall erleidet!! Die Ironie der Geschichte ist: Hanf ist illegal, wird von der Pharmaindustrie wie der Teufel den Weihrauch bekämpft und kostet die Krankenkassen keinen einzigen Rappen!
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  • Kommentar von Denise Casagrande (begulide)
    Die Allmacht der Pharmalobby und Co - es geht prioritär um Profitgier, wie seit vielen Jahren - Konsequenzen juristischer Art, gab und gibt es nicht für Fehlschläge (Gesundheitsschädigungen) gravierender Art bei Natur, Mensch und Tier...... Was ist das für eine Gerechtigkeit? Reine Willkür und Verältnisstumpfsinn??"Die kleinen "Gauner", werden gehängt, die grossen "Gauner" laufen frei herum"! "Söihäfeli - Söideckeli" = Schweizer Gerechtigkeit! Wofür bezahlen wir Bundesrat, Politik, Bundesämter??
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  • Kommentar von Franz NANNI (Aetti)
    Ein gewaltiger Vorwurf gilt den Pharmaberatern... Denen,die die Aerzte regelmaessig sehen... DIE haben eigentlich die Aufgabe, den Arzt zu warnen.. ihn darauf hinzuweisen wie Schaedlich das Medikament sein kann.. Nur ein gut informierter Arzt kann seine Therapie gut gestalten.. und so gesehen ist auch der Arzt verantwortlich der KEINE Pharmaberater empfaengt.. Es braucht BEIDE der EHRLICHE Berater und der AUFMERKSAME Arzt.. nur der Industrie wird das wohl nicht immer passen...... siehe 2tens
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