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Schweiz Erfolgreiche Suchtberatung übers Internet

Seit einem halben Jahr läuft in der Deutschschweiz ein Pilotversuch mit einer Online-Suchtberatung. «Safezone» heisst die Webseite der Fachstelle Info-Drog. Sie richtet sich an Drogen-, aber auch an Spiel- und Pornosüchtige.

Ein Mann sitzt vor einem Computer, mit der rechten Hand führt er eine Maus.
Legende: Der direkte Kontakt ist für viele Süchtige eine Hürde. Das Internet bietet eine Alternative. Keystone

Oliver Bolliger arbeitet bei der Suchthilfe Region Basel und gehört zum virtuellen Beratungs-Team von Safezone, Link öffnet in einem neuen Fenster. Er erzählt, welche Fragen zum Beispiel im Chat aufkommen können: «Mein Freund kifft zu viel. Ich mache mir Sorgen. Was kann ich tun, wie soll ich damit umgehen? Und dann beginnt ein erster Dialog.»

Fragen zu Cannabis und Alkohol werden am häufigsten gestellt. Das durften die Safezone-Verantwortlichen auch erwarten, sind sie doch die gebräuchlichsten Genuss- und Suchtmittel. Im Vergleich zur persönlichen Beratung – Face to Face – kämen die Safezone-User ohne Umschweife zu ihrem Problem, beobachtet Bolliger.

Keine Tabus bei anonymer Beratung im Netz

Auch dann, wenn es um Tabus gehe, ergänzt Alwin Bachmann von der Fachstelle Info-Drog: «Wie zum Beispiel Sucht in der Familie oder Verhaltenssüchte; Spielsucht, Pornosucht. Das sind hoch tabuisierte Themen, über die man nicht gerne spricht in der Face-to-Face-Beratung.» Denn Online-Beratung – sei es im Chat, in Foren oder per Mail – ist anonym möglich und bietet somit auch jenen Information und Hilfe, die ihren Fuss nicht über die Schwelle einer Beratungs-Stelle setzen.

Im virtuellen Beratungs-Team von Safezone sind 25 Fachleute, die in einer der 18 beteiligten Sucht-Fachstellen arbeiten. Koordiniert wird die Gruppe von der Fachstelle Info-Drog im Auftrag des Bundesamtes für Gesundheit BAG. Das Innovative an dem Projekt ist laut Bachmann, «dass die Anfragen nicht anhand der Herkunft der Berater verteilt werden, also entlang regionaler Grenzen, sondern anhand des Know-hows und der Kompetenzen». Man könne als Ratsuchender also sicher sein, dass man eine Antwort eines Beraters bekomme, der sich mit dem Thema gut auskennt.

Ausweitung des Versuchs auf ganze Schweiz

Info-Drog zieht nach der Testphase eine positive Bilanz. Safezone werde häufig besucht. Die genauen Auswertungen liegen aber noch nicht vor. Seit Kurzem gibt es Safezone auch auf Italienisch. Als Nächstes soll auch die Romandie dazustossen. Deshalb hat der Bund den Pilotversuch um ein Jahr bis 2016 verlängert.

1 Kommentar

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  • Kommentar von Marius Schmidlin, Düsseldorf
    Von einigen Drogen kann man körperlich abhängig werden. Von anderen psychisch. Wie man aber von Pornographie abhängig sein kann ergibt keinen Sinn - es werden keine Stoffe ausgetauscht. Ich denke so eine Ausweitung des Begriffes Sucht führt zur Abschwächung des Wortes, weil es schwammiger wird und schwächere Phänomene beschreibt wie "ich machs halt gerne". Aber wie auch immer - trotzdem eine gute Sache, dass es Beratungsstellen gibt und nicht Gefängnisse wie in den USA.
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