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Crowdfunding für «baba News»
Aus SRF 4 News aktuell vom 11.05.2021.
abspielen. Laufzeit 03:50 Minuten.
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Erfolgreiches Crowdfunding Das Online-Magazin für «Šhvicer*innen mit Wurzeln von überall»

«Der Postbote sagte einmal zu mir, Müller oder Meier wäre halt einfacher als Zdravković», sagt die 33-jährige Aleksandra in astreinem Ostschweizer Dialekt. «Er warf alle Post mit ić in meinen Briefkasten, bis ich an den Postschalter ging und sagte, so gehe das nicht. Wir würden uns nicht alle am Wochenende treffen und unsere Post austauschen.»

Aleksandra, in der Schweiz geboren, Eltern serbischer Herkunft, erzählt diese Episode lachend in einem Video auf «baba news».

Oder Mardo, der 24-jährige Schwarze erzählt, wie er und seine Schwester am Bahnhof in Como, Italien, gezielt kontrolliert worden seien von Grenzwächtern mit einem Polizeihund – bis sie sich in breitestem Berndeutsch als Schweizer zu erkennen gegeben hätten, worauf die Beamten verblüfft abgezogen seien.

Authentische und witzige Videos

In solchen und anderen Videos äussern sich Mitglieder der «baba news»-Community zu Themen, die sie betreffen – der alltägliche Rassismus in der Schweiz; das Ausziehen von zu Hause; die Frage, was Heimat ist für die, die hier aufgewachsen sind und das Herkunftsland ihrer Eltern bloss von den Sommerferien her kennen.

«Vieles läuft über Humor, mit einem lachenden Auge, obwohl es zum Weinen wäre», sagt Albina Muhtari, die Chefredaktorin von «baba news». Seit drei Jahren sind Muhtari und ihre kleine Redaktionscrew, zu der noch etliche «Gastarbeiter/innen» zählen, wie die freien Mitarbeitenden hier genannt werden, mit «baba news» online.

Auf Instagram, Link öffnet in einem neuen Fenster haben sie 16'000 Follower, auf Facebook, Link öffnet in einem neuen Fenster 3500. Bescheidene Zahlen noch, doch «unsere Community ist sehr aktiv. Sie verfolgen genau, was wir machen, sie liken und teilen es, und sie machen auch mit und schicken uns ihre Videos und Statements.» Etwa die Hälfte der Nutzerinnen und Nutzer habe einen Migrationshintergrund, die andere Hälfte nicht.

«Wir kommen in den Medien zu selten vor»

Entstanden sei «baba news» von unten: «Wir haben begonnen, unsere Videos online zu stellen, und haben dann immer mehr Echo bekommen», erzählt Muhtari. Sie hätten genug davon gehabt, dass Menschen mit Migrationshintergrund in den Medien kaum vorkämen, und wenn, dann zumeist als Problemfälle.

Was sicher damit zu tun hat, dass es auf den Redaktionen der etablierten Medien immer noch sehr wenige Menschen gibt, deren Nachname auf -ić endet oder die muslimischen Glaubens oder schwarzer Hautfarbe sind.

Auch die sogenannte cancel culture wird auf «baba news» verhandelt – so sagt etwa die Poetry-Slam-Künstlerin Fatima Moumouni: «Man darf immer noch alles sagen, kriegt aber jetzt ein Echo.» Und man müsse sich halt auf kritische Widerrede gefasst machen, wenn man bestimmte Wörter verwende, die heute nicht mehr angebracht seien.

Mit einem erfolgreichen Crowdfunding hat das Team nun 100'000 Franken gesammelt und kann jetzt seine Arbeit professionalisieren. Mitgliederbeiträge und Stiftungen bleiben aber als finanzielle Standbeine wichtig. «Wir wollen weiterhin keine Paywall aufziehen, sondern für alle erreichbar sein», sagt Muhtari. Mehr Einnahmen könnten künftig aus Werbung und Sponsoring kommen.

SRF 4 News aktuell, 11.05.2021, 12:20 Uhr

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Marco Bichsel  (Bigu)
    Ach Frau Müller! Sind Sie Satirikerin oder meinen Sie das jetzt ernst?
  • Kommentar von Maria Müller  (Mmueller)
    Ich bin auch schon "gezielt kontrolliert worden" am Zoll von Leuten mit Hunden.

    Na hoffentlich machen die das. Gehört schliesslich zu deren ihrem Job.
    Die werden ja nicht für Sudokuspiele bezahlt.
    1. Antwort von Julius Stern  (Stimme der Vernunft)
      Und darum stirbt Rassismus nicht aus. Racial profiling ist ein systemisches Problem, was durch Blindheit weitergeführt wird. Schwarze werden wesendlich öfters uns strenger kontrolliert als Weisse, deshalb ist das ein Problem, nicht weil Zöllner ihren Job machen. Frsu Müller, ich hoffe, Sie öffnen Ihr Spektrum.
    2. Antwort von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
      @J.Stern
      Zollbeamte sind aber nicht Polizisten! Sie stehen an der Aussengrenze und ihr Auftrag beinhaltet ja gerade Illegale festzustellen und dem dafür vorgesehenen Prozess zuzuweisen! Da Illegale zu einem erheblichen Anteil über ein Racial Profile verfügen, ist es logisch dieses zu nutzen! Wenn in Zürich nach illegalen Devisienimporten gefahndet wird, konzentriert man sich auch nicht auf alle, sondern Anzugträger - es sei dann man wäre verblödet und völlig ineffizient!
    3. Antwort von Martin Ebnöther  (Venty)
      Als ich noch einen 3er BMW fuhr, wurde ich, ein Buenzlischweizer, JEDES Mal bei einem Grenzuebertritt angehalten. Im Minimum wurde die ID kontrolliert, meistens aber wollten sie in den Kofferraum schauen. Kaum hatte ich das Auto meiner Mutter (einen Toyota CarinaE Kombi) uebernommen, wurde ich nur noch durchgewinkt am Zoll. Ja da soll mir doch mal noch einer sagen, die ganzen Schmuggler wuessten solche Dinge nicht auch und wuerden sie nicht ausnuetzen! Racial Profiling hilft gar nichts!