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Schweiz Erfolgsmodell: Aargauer Gemeinden und die Flüchtlinge

Bislang blieben viele Aargauer in ihren Gemeinden lieber für sich. Statt Flüchtlinge aufzunehmen, zahlten sie lieber. Doch das ist zum grossen Teil Schnee von gestern, wie Recherchen von «10vor10» zeigen.

Legende: Video Flüchtlingsaufnahme: Aargauer Gemeinden ziehen mit abspielen. Laufzeit 03:56 Minuten.
Aus 10vor10 vom 12.08.2016.

Noch im Jahr 2015 war die Aufnahme von Flüchtlingen im Kanton Aargau keine Erfolgsgeschichte. 213 Gemeinden, rund ein Drittel, zahlten lieber, als sich des Problems anzunehmen.

Doch kein Jahr später hat sich das Blatt nahezu komplett gewendet. Nur noch neun Gemeinden nehmen zu wenig Menschen auf. Gut möglich, dass die seit Anfang Januar geltenden schärferen Regeln das ihre dazu beigetragen haben. Wer keine Flüchtlinge aufnimmt, muss pro Person und Tag 110 Franken zahlen, eine Art Busse.

Aufnahme lief besser als erwartet

Lieber zahlen als aufnehmen, lautete 2015 in Sisseln noch das Motto. Doch das hat sich mittlerweile geändert. Zwei Familien wohnen seit einem halben Jahr im Ort – problemlos.

«Wir haben die Bevölkerung rechtzeitig informiert, damit erst gar keine negativen Meinungen aufgekommen», sagt der Vize-Gemeindeammann Urs Schmid. Die Aufnahme der Syrer sei besser gelaufen als erwartet. «Stand heute ist die Bevölkerung mit dem Zustand, den wir jetzt haben, zufrieden.»

«Integration gelingt am besten in Gemeinden»

Beim Kanton nimmt man diese Entwicklung auf Gemeindeebene erfreut zur Kenntnis. «Das ist eine Erfolgsgeschichte, weil es unsere kantonale Unterkunft entlastet und die Leute dorthin kommen wo sie hingehören, nämlich in die Gemeinden – da, wo sie am besten integriert werden können», sagt Regierungsrätin Susanne Hochuli. Dass sich die Gemeinden nun anstrengen und Menschen aufnehmen, freue sie.

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Legende: Die Entwicklung erfreut den Kanton. Fast alle Gemeinden im Kanton Aargau erfüllen in 2016 ihre Aufnahmepflicht. SRF

SVP: Umdenken erfordert Ungehorsam

Doch wo Licht ist, da ist auch Schatten. Drei Gemeinden haben gar niemanden aufgenommen. Grund ist fehlender Wohnraum – ausser in Oberwil-Lieli. Hier geht es ums Prinzip. «Das mag unsolidarisch wirken, aber wir müssen ein Zeichen gegen die völlig verfehlte Asylpolitik setzen», sagt Gemeindeammann Andreas Glarner.

Der SVP-Asylchef und Nationalrat weiss vermutlich um die schlechte Aussenwirkung für die Gemeinde. Doch wer ein Umdenken einleiten wolle, der müsse zuweilen auch ungehorsam sein.

Herkunft zweitrangig

Umgedacht haben die Einwohner von Sisseln auch – nur eben ganz anders als in Oberwil-Lieli. Die beiden syrischen Familien danken es ihnen auf ihre Weise. Sie sind um Integration bemüht, erlernen die Sprache und die Väter kicken im örtlichen Fussballverein.

Hier sieht man die Angelegenheit pragmatisch. «Es geht in erster Linie darum, ob sie in die Mannschaft passen und erst in zweiter darum, woher sie kommen», so Fabian Waldmeier. Kann man so sehen – sollte man so sehen.

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17 Kommentare

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  • Kommentar von Ueli von Känel (uvk)
    Gut, dass sich hier das Blatt gewendet hat und die meisten Gemeinden Flüchtlinge aufnehmen! Gut denkbar, dass die Bestimmung zu dieser Wendung beigetragen hat, dass Gemeinden, die keine Flüchtlinge aufnehmen, pro Person und Tag Fr. 110.- zu zahlen haben.Dass Gemeinden, vor allem reiche (!), sich von der Pflicht, Flüchtlinge aufzunehmen, loskaufen können (bzw. konnten), finde ich unsolidarisch-verantwortungslos. Alle Gemeinden (national!) haben hier ihren Beitrag zu leisten.
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  • Kommentar von Walter Starnberger (Walter Starnberger)
    Damit hier kein Missverständnis aufkommt, wir reden hier nicht nur von Flüchtlingen aus Syrien. Auch wenn hier plakativ Syrer genannt werden, welche tatsächlich aus einem Kriegsgebiet kommen und ihren Flüchtlingsstatus zu Recht tragen. Die Regelung betrifft aber alle Flüchtlinge und Asylbewerber, von denen die meisten meines Erachtens reine Wirtschaftsflüchtlinge sind. Was schon die Zahlen der Sozialhilfe beweisen, und die Kosten für Betreuung und Unterstützung.
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  • Kommentar von Verena Casagrande (Verena Casagrande)
    Ich frage mich immer wieder: Wieviele Syrer können sich die Flucht nicht leisten ? Wer hilft dann diesen Menschen ?
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    1. Antwort von roland goetschi (pandabiss)
      Darum braucht es ein Botschaftsasyl. Es würden keine Menschen auf der Flucht sterben. Diejenigen die kein recht auf Asyl haben würden erst gar nicht kommen. Schlepper hätten ausgedient. Asyl sollte Menschen schutz bieten und nicht ein Wettkampf sein.
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    2. Antwort von Walter Starnberger (Walter Starnberger)
      Da das Botschaftsasyl in allen europäischen Ländern abgeschafft wurde, Herr Goetschi, ist es wohl völlig untauglich. Ganz abgesehen davon, dass es in Kriegsgebieten keine funktionierenden Botschaften gibt. Und die wenigen sonstigen Dissidenten und Regimekritiker in den Diktaturen kann man auch mit normalen diplomatischen Mitteln in Sicherheit bringen.
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    3. Antwort von Nicolas Dudle (Nicolas Dudle)
      Wenn das Botschaftsasyl in umliegenden, noch genügend funktions- und leistungsfähigen Ländern angeboten werden kann, wäre es ein Instrument, um die Flüchtigen gezielt zu verteilen. Es hätte m.E. mehrere Vorteile, sofern man es mit mikroökonomischen Ansätzen der Entwicklungshilfe ergänzt.
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