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Schweiz Erste Bundesratskandidatin: Lilian Uchtenhagen gestorben

Die frühere Zürcher SP-Politikerin Liliane Uchtenhagen ist tot. Sie starb kurz vor ihrem 88. Geburtstag. Uchtenhagen wurde als eine der ersten Frauen in den Nationalrat gewählt. Sie wurde zudem als erste Frau für eine Bundesratswahl aufgestellt – allerdings ohne Erfolg.

Legende: Video «SP-Politikerin Lilian Uchtenhagen gestorben» abspielen. Laufzeit 1:47 Minuten.
Aus Tagesschau vom 08.09.2016.

Die frühere Zürcher SP-Politikerin Lilian Uchtenhagen ist tot. Sie starb kurz vor ihrem 88. Geburtstag, wie die Stadtzürcher SP eine Meldung der «NZZ» bestätigte.

Lilian Uchtenhagen, auf dem Bild 1987 im Nationalrat.
Legende: Lilian Uchtenhagen, auf dem Bild 1987 im Nationalrat. Keystone

Als 1971 in der Schweiz das Frauenstimmrecht angenommen wurde, trat Lilian Uchtenhagen der Sozialdemokratischen Partei (SP) bei und wurde in der Folge mit grossem Engagement in der Politik aktiv. Im gleichen Jahr wurde sie Mitglied des Nationalrats – als eine der ersten Frauen. Sie gehörte dem Rat ununterbrochen an bis 1991. Nach zwanzig Jahren trat sie nicht mehr zur Wiederwahl an.

Niederlage gegen Stich

Nach dem Tod von Bundesrat Willi Ritschard (SP) wurde Uchtenhagen im November 1983 von ihrer Fraktion als Nachfolgekandidatin vorgeschlagen. Sie war damit die erste Frau, die für die Schweizer Landesregierung kandidierte. Ihre Qualifikationen für das Regierungsamt waren unbestritten. Doch nach breitem bürgerlichem Sperrfeuer wählte die vereinigte Bundesversammlung anstelle der offiziellen SP-Kandidatin den von den Bürgerlichen aufgebauten SP-Gegenkandidaten Otto Stich. Er kam auf 124 Stimmen, während Lilian Uchtenhagen nur 96 Stimmen erhielt.

Von 1970 bis 1974 war sie ausserdem Mitglied des Gemeinderates der Stadt Zürich. Im Nationalrat präsidierte sie unter anderem den wichtigen finanzpolitischen Ausschuss. Uchtenhagen war Präsidentin der Wirtschaftspolitischen Kommission der SP, gehörte der Geschäftsleitung der Partei an und war zeitweise Mitglied des Fraktionsvorstandes.

Kämpferin für die Frauenrechte

In ihrer Partei wurde sie dem Führungskreis um Helmut Hubacher zugeordnet, dessen links von der Mitte angesiedelte Politik manchmal auf Widerstand seitens der Gewerkschaften stiess.

Uchtenhagen war mit Ambros Uchtenhagen, dem Vorreiter der Schweizer Drogenpolitik, verheiratet.

Die SP würdigt Uchtenhagen als Kämpferin für die Frauenrechte. Ihre Nichtwahl in den Bundesrat habe viele junge Frauen politisiert und dazu geführt, dass Frauen im Bundesrat heute eine Selbstverständlichkeit seien, schreibt die Partei.
Uchtenhagen habe unauslöschliche Spuren in der politischen Landschaft hinterlassen, auch über die Schweiz hinaus.

6 Kommentare

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  • Kommentar von Juha Stump (Juha Ilkka Stump)
    Dass Lilian Uchtenhagen damals nicht zur Bundesrätin gewählt wurde, lag nicht in erster Linie an ihrem Charakter, sondern an der Tatsache, dass die Bürgerlichen, bei denen die Freisinnigen noch viel mehr Macht und Einfluss hatten als die SVP, das Recht für eine Frau zwar nicht abstritten - aber eben, es musste eine von ihnen sein. Ich habe Lilian Uchtenhagen und auch ihren Ehemann mehrmals persönlich getroffen und beide als sehr freundlich und warmherzig kennen gelernt.
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  • Kommentar von Philipp Etter (Philipp Etter)
    Ja und Frau Uchtenhagen wurde vorgeworfen, sie sei zu emotional, sie hätte mal einen Aschenbecher geworfen, um sie als Bundesrätin zu wählen...Später wurde eine andere Zürcherin von einer anderen Partei erste Bundesrätin. Diese war nicht zu emotional...Ich bedauerte die damalige Nichtwahl von Frau Uchtenhagen und hätte mich gefreut über eine "emotionale" erste Bundesrätin!
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  • Kommentar von Urs Heim (Ursus)
    Eine wunderbar starke Frau-Es lebe das Frauenstimmrecht, es bleibe stark die Gleichberechtigung von Mann und Frau!- Dank dieser Errungenschaft ist unsere Gesellschaft so stark wie sie heute ist.
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    1. Antwort von marc rist (mcrist)
      Also ich erlebe unsere Gesellschafft seit geraumer Zeit als schwach wie selten zuvor.
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    2. Antwort von Michael Oppliger (Ber(li)ner)
      @M.Rist: ich weise Sie darauf hin, dass Sie auch Teil der Gesellschaft sind. Kritik ja aber bitte auch etwas Selbstkritik. Nörgeln kann jeder, konstruktiv kritisieren leider immer veniger Leute.
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    3. Antwort von marc rist (mcrist)
      Selbstverständlich bin ich Teil der Gesellschaft, Hr. Oppliger. Oder sagt mein Kommentar etwas anders? Lesen Sie ihn doch nochmals!
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