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Legende: Video Erkennen und handeln – Erste Hilfe für die psychische Gesundheit abspielen. Laufzeit 08:06 Minuten.
Aus Puls vom 25.03.2019.
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Erste Hilfe für die Psyche Nachhaken erwünscht

Laien lernen in einem Kurs, psychische Leiden frühzeitig zu erkennen und anzusprechen. Eine Schweizer Premiere.

Bricht man sich den Arm, geht man schnurstracks zum Arzt. Droht man unter der Last von schweren Gedanken zu verbiegen, behalten dies viele Betroffene erst einmal für sich. Oft so lange, bis sie den Alltag nicht mehr bewältigen können.

So war das auch bei Tobias Koch. Der passionierte Hobby-Biker hat einen jahrelangen Leidensweg hinter sich. Schwere manische Depression, Alkoholsucht, Medikamentenabhängigkeit, mehrere Aufenthalte in der Psychiatrie.

Selbst das Velofahren erfreute ihn irgendwann nicht mehr. Und während manischen Phasen wäre er zwar gerne aufs Velo gestiegen, doch es war schlicht zu riskant. So aufgedreht war er.

Legende: Video «Ich habe nicht einmal mehr daran gedacht, dass mir Velofahren einmal so viel Spass bereitet hat.» abspielen. Laufzeit 30:58 Minuten.
Aus Puls vom 25.03.2019.

Personen aus seinem Umfeld erkundigten sich zwar immer wieder nach seinem Befinden. Aber Tobias Koch hätte sich gewünscht, dass Kollegen, Freunde und Angehörige hartnäckiger nachgehakt hätten. So fühlte er sich oft allein gelassen mit seiner Not.

Legende: Video «Ich habe mir im Gespräch manchmal gewünscht, dass hartnäckiger nachgefragt worden wäre.» abspielen. Laufzeit 00:15 Minuten.
Aus Puls vom 25.03.2019.

Hinschauen und nachfragen

Auch bei schweren psychischen Erkrankungen wolle das Umfeld oft nicht glauben, dass es wirklich ein Problem sei, bestätigt Psychiater Wolfram Kawohl. Erst wenn es zum Knall komme, etwa zu einem Suizidversuch, werde die Tragweite verstanden.

Legende: Video «Das Umfeld will es oft nicht wahrhaben, dass es wirklich ein Problem gibt.» abspielen. Laufzeit 00:25 Minuten.
Aus Puls vom 25.03.2019.

Abhilfe schaffen soll nun ein Erste-Hilfe-Kurs für die psychische Gesundheit der Stiftung Pro Mente Sana und der Beisheim Stiftung. Dort lernen Laien psychisches Leiden frühzeitig zu erkennen und Betroffenen beizustehen. Der Kurs, dessen Konzept ursprünglich aus Australien stammt, möchte dabei keineswegs ausgebildete Therapeuten ersetzten – im Gegenteil. Ein ausgesprochenes Ziel der Kurse ist es, dass die Teilnehmenden lernen, rechtzeitig professionelle Hilfe zu vermitteln.

Unter diesen Voraussetzungen findet auch der Psychiater Wolfram Kawohl das Angebot sinnvoll.

Legende: Video «Eine Vernetzung mit dem bestehenden Hilfesystem aus Therapeuten und Kliniken finde ich wichtig.» abspielen. Laufzeit 00:24 Minuten.
Aus Puls vom 25.03.2019.

Zurückhaltung ist fehl am Platz

Um das Erkennen einer Notsituation zu erleichtern, wird im Kurs zunächst Fachwissen zu den häufigsten psychischen Störungen vermittelt.

Anschliessend erlernen die TeilnehmerInnen dann konkrete Erste-Hilfe-Massnahmen. Zum Beispiel keine Angst zu haben, Personen anzusprechen, zuzuhören ohne gleich zu Werten oder – ganz wichtig – zu professioneller Hilfe zu ermutigen. Solche Gespräche werden dann auch während dem Kurs in Rollenspielen geübt.

Legende: Video «Aber du weisst, man kann sich nicht immer selber helfen. Manchmal kann man auch Hilfe holen», ermutigt eine Kursteilnehmerin den Betroffenen. abspielen. Laufzeit 00:24 Minuten.
Aus Puls vom 25.03.2019.

Die Rolle eines Menschen in einer psychischen Notlage übernimmt in einem der Kurse Tobias Koch. Allerdings nur gespielt. Denn mittlerweile geht es ihm viel besser. Und so liess er sich auch zum Kursleiter ausbilden und möchte nun aktiv dazu beitragen, dass Betroffene künftig einfacher Hilfe und Beistand erhalten.

Legende: Video «Ich erhoffe mir, dass möglichst viele den Kurs besuchen und somit Menschen in einer psychischen Not helfen können.» abspielen. Laufzeit 00:14 Minuten.
Aus Puls vom 25.03.2019.
Legende: Video Studiogespräch mit Tobias Koch. Der Ensa-Instruktor gibt Tipps für den Umgang mit einer Person in psychischer Not. abspielen. Laufzeit 02:32 Minuten.
Aus Puls vom 25.03.2019.

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10 Kommentare

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  • Kommentar von Mischa Luginbühl (Mischa Luginbühl)
    Ich bin selber seit meiner Kindheit von einer schweren psychischen Krankheit betroffen. Solche Aussagen wie „Zwangsneurotiker“ zeugen von wenig Wissen und Vorurteilen gegenüber dieser Thematik. Heutzutage gibt es sicherlich genügend Informationen!
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  • Kommentar von markus kohler (nonickname)
    Die PDAG werden diese Kurse nun verkaufen und damit Geld generieren. Diese Nothelfer werden aber das System mitnichten entlasten. Sie werden noch mehr Leute animieren bei jeder Bagatelle sofort den Notfall aufzusuchen um ihre schlimme psychische Verletzung behandeln zu lassen. die Betroffenen werden dann aber die Rechnung des Spitals nicht bezahlen wollen, da sie Geld bei der Franchise sparen. Die Take away Psychiatrie" soll dauerhaft verfügbar sein, aber nichts kosten, das Projekt ist Unsinn.
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  • Kommentar von Manuela Fitzi (Mano)
    Herr und Frau Schweizer hat schon nie durch hohe Sozialkompetenz geglänzt. Das beginnt schon mit einer grundsätzlichen Fröhlichkeit und mit Zeigen von Gefühlen. Daher wäre eher angebracht, die Sozialkompetenz hierzulande generell zu erhöhen. Der Anspruch jedoch, dass nun Arbeitskollegen einen Erkrankten darauf ansprechen und "nachhaken", ist viel zu hoch. Diese Verantwortung darf nicht den KollegInnen übertragen werden. Zumal Betroffene lange Zeit selber nicht einsehen, dass sie Hilfe brauchen.
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    1. Antwort von Hanspeter Müller (HPMüller)
      "Diese Verantwortung darf nicht den KollegInnen übertragen werden." Niemand überträgt Verantwortung. Aber wenn die Arbeitskollegen nicht reagieren, wer dann sonst?
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