«Es geht um den Zusammenhalt des Landes»

Der Streit um die Fremdsprachen in der Primarschule geht in die nächste Runde. Der Bundesrat hat diese Woche klar gemacht, dass er eine zweite Landessprache notfalls vorschreiben will. Erpressung, heisst es aus einigen Kantonen. Aber auch moderate Stimmen warnen vor einer Intervention des Bundes.

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Bildlegende: Inhaltlich auf Bundesratslinie, aber gegen eine Intervention: Christoph Eymann, Präsident der EDK Keystone

Der Basler Erziehungsdirektor Christoph Eymann, der die Konferenz der Kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) präsidiert, liegt im Sprachenstreit inhaltlich auf der Linie des Bundesrates. Auch er ist dafür, dass alle Primarschülerinnen und Primarschüler zwei Fremdsprachen lernen müssen.

Zwei Fremdsprachen zwingend

Nun hat aber der Kanton Thurgau kürzlich beschlossen, dass Französisch erst auf der Oberstufe unterrichtet werden soll. Eymann findet das falsch. Für ihn sind zwei Fremdsprachen in der Primarschule zwingend. Alles andere sei für ihn kein Thema, «vor allem nicht in der viersprachigen Schweiz». Hier könne man es sich nicht erlauben, die Sprache des Nachbarn nicht zu lernen.

«Vor dem Hintergrund unseres Landes ist bereits der Entscheid für das Frühenglisch ein Sündenfall gewesen.» Es gehe um den Zusammenhalt des Landes. Und diesen Zusammenhalt sieht auch der Bundesrat in Gefahr.

Die Angst vor einem Abstimmungskampf

Aber obwohl Eymann und Berset gleicher Meinung sind, warnt EDK-Präsident Eymann vor einer Intervention des Bundes. Wenn ein Gesetz verabschiedet würde, würde dies sicher zu einem Referendum führen, sagt Eymann. «Und da hätte ich wirklich die Befürchtung, dass es in einem solchen Abstimmungskampf einen wüsten Streit zwischen den Landesteilen geben könnte. Und den wünscht sich niemand.»

So befürchtet Eymann, dass sich insbesondere der Graben zwischen der West- und der Deutschschweiz vertiefen könnte. Besser als eine Bundesintervention wäre laut Eymann, wenn sich alle Kantone an die Zwei-Fremdsprachen-Regel in der Primarschule halten würden.

«Wir suchen krampfhaft nach Lösungen»

Und der EDK-Präsident hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass Kantone wie der Thurgau einlenken könnten. «Wir suchen krampfhaft nach anderen Lösungen», sagt Eymann. In Sicht seien solche Lösungen aber derzeit nicht. «Wir zählen auf die Vernunft dieser Kantone, die jetzt abweichen. Aber ob es sich einrenken lässt, weiss ich auch nicht.»

Eymanns Worte zeigen, dass die Erziehungsdirektorenkonferenz zu wenig Macht hat, um den Konflikt zu lösen. Der Sprachenstreit in der Primarschule dürfte sich also politisch weiter zuspitzen.

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