Wissenschafter als Vorbilder ETH Zürich will ihren ökologischen Fussabdruck verkleinern

13'000 Mitarbeitende hat die ETH. Oft fliegen sie zu Konferenzen. Doch im Internetzeitalter ist das nicht mehr nötig.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die ETH Zürich will ein Vorbild sein und will die Anzahl Flugreisen der Angestellten bewusst reduzieren.
  • Sie hat eine so genannte Mobilitätsplattform eingerichtet. Diese soll den Mitarbeitenden helfen, den CO2-Ausstoss zu verringern.

Schon seit über zehn Jahren erfasst die ETH Zürich den Co2-Ausstoss der Dienstreisen ihrer 13'000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Bislang hat die ETH nie öffentlich Auskunft über diesen ökologischen Fussabdruck gegeben.

Auf Anfrage von Radio SRF legt Ulrich Weidmann, Mitglied der ETH-Schulleitung, nun erstmals diese Zahlen offen. «Wir gehen aufgrund grober Hochrechnungen davon aus, dass ein durchschnittlicher Angestellter pro Jahr etwa 6000 Kilometer dienstlich unterwegs ist, davon etwa 5000 Kilometer mit dem Flugzeug.»

5000 Flugkilometer pro Mitarbeiter und Jahr

2015 verursachte das, hochgerechnet auf alle ETH-Angestellten, einen C02-Ausstoss von mehr als 18'000 Tonnen, über ein Drittel mehr als noch vor 10 Jahren.

Eine solche Bilanz mache sich nicht gut für eine Hochschule, die bei der Umwelt- und Klimaforschung führend sei wie die ETH, sagt Ulrich Weidmann. «Es kann nicht angehen, dass wir auf diesem Gebiet grosse Forschungen betreiben und selbst keinen Beitrag leisten.»

Besuch von Konferenzen ist ein Gütesiegel

Die Frage ist allerdings, wie die ETH die Zahl ihrer Flugreisen verkleinern soll. Denn: Gemäss Ulrich Weidmann sind diese nämlich strategisch wichtig für die internationale Zusammenarbeit: «Gerade Konferenzbesuche sind für die Informatik für das Renommee und die akademische Beurteilung von Forschern essentiell.»

Wenn jemand ein Doktorat mache, werde erwartet, dass jemand während des Doktorats ein- bis zweimal auf einer international renommierten Konferenz vortragen könne. «Das ist ein Gütesiegel. Die Konferenzen sind in Übersee.»

Deshalb liessen sich Flugreisen nie ganz vermeiden, so die Haltung der ETH-Schulleitung. Das sieht ETH-Biologe Christoph Küffer anders. Er hat in seinem Berufsleben etliche Flugreisen absolviert.

Mit gutem Beispiel vorangehen

Nach der Klimakonferenz in Paris Ende 2015 fasste er den Entschluss, gerade als Umweltwissenschafter, mit gutem Beispiel voranzugehen und ein Jahr lang ganz aufs Fliegen zu verzichten.

So nahm sich Küffer vor, im Jahr 2016 nicht zu fliegen. Im heutigen Internetzeitalter könne man an einer internationalen Konferenz teilnehmen, ohne persönlich anwesend zu sein.

«Alle Vorträge sind als Videocasts online. Seit vielen Jahren arbeite ich mit anderen Wissenschaftlern per Skype und online wissenschaftlich zusammen. Und wir sind auch dran, unsere nächsten internationalen Konferenzen als rein virtuelle Konferenz zu organisieren», sagt Küffer.

«Gruppendynamische Komponente»

Natürlich müsse das gut organisiert werden, zum Beispiel wegen der Zeitverschiebung, sagt Küffer. «In dem einen Netzwerk sind Leute von allen Kontinenten dabei. Es ist jeweils ganz witzig zu entscheiden, wann man es macht, wer mitten in der Nacht aufstehen muss und wer etwas länger aufbleiben muss. Es hat auch eine gruppendynamische Komponente, man kann das auch positiv sehen.

Christoph Küffer hat sein Ziel von null Dienstflügen letztes Jahr fast erreicht, lediglich einmal ist er auf die Azoren geflogen. Sein Beispiel könnte an der ETH Schule machen.

Das wünscht sich auch Ulrich Weidmann von der Schulleitung. «Wir werden in diesem Jahr mit unseren Forscherinnen und Forschern diese Frage diskutieren. Es wird nicht einfach eine akademische Diskussion über ein Reduktionsziel in Prozenten, sondern hinterlegt mit Massnahmen, die sich die betreffende Fachrichtung konkret vorstellen kann.»

Alternativen zu Flugreisen gesucht

Zu diesem Zweck hat die ETH letztes Jahr auch die sogenannte Mobilitätsplattform eingerichtet. Dort kümmern sich zwei Mitarbeiter um die Reisepläne von ETH-Angestellten und zeigen ihnen zum Beispiel Alternativen auf zu einer CO2- intensiven Flugreise.

Ausserdem will die ETH ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dazu bringen, die vorhandene Infrastruktur für Videokonferenzen stärker zu nutzen. Das alles dient dem Ziel, die Anzahl Flugreisen zu reduzieren, zum Beispiel um einen Fünftel.