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Eurasischer Luchs Der Feind des Jägers

Im Gegensatz zum Wolf stört sich am Luchs fast niemand. Einzig den Jägern breitet sich die Wildkatze zu ungehindert aus.

Luchs in Wiese
Legende: Im Gegensatz zum Wolf frisst der Schweizer Luchs praktisch keine Nutztiere. Keystone

Seit 40 Jahren schleicht der Eurasische Luchs durch die Schweizer Wälder, mittlerweile leben entlang der Alpen und im Jura gut 300 Tiere. Er ist geschützt und kann sich ungehindert ausbreiten. Ungehindert auch durch Anfeindungen aus der Schweizer Öffentlichkeit.

Während der Wolf seit Jahren im rhetorischen Kreuzfeuer von Bergbauern und rechten Politikern ist, konnte der Luchs lange Zeit an einer öffentlichen Debatte vorbeitapsen. Das hat seinen Grund: Im Gegensatz zum Wolf reisst der Luchs fast keine Nutztiere; das scheue Tier bleibt den Menschen, deren Schafen und Ziegen fern. Ihren Hunger stillt die Wildkatze mit Rehen und Gämsen. Mit Wildtieren, die niemandem gehören.

Schweizerkarte mit rot markierten Gebieten
Legende: In der Schweiz lebt der Luchs entlang der Alpen und im Jura. SRF

Jäger und Luchs jagen dieselben Tiere

Doch: Es sind genau jene Tiere, auf die es auch die Jäger abgesehen haben. Schon länger stören sie sich daran, dass ihnen das geschützte Tier die Beute vor der Nase wegschnappt. «Wir nehmen durchaus einen Abschuss-Rückgang in Kauf», sagt Hanspeter Egli, Präsident von Jagd Schweiz, «doch in gewissen Gebieten geht dieser Rückgang gegen 100 Prozent. Das ist zu viel».

«Es ist durchaus möglich, dass der Luchs lokal einen Tierbestand verringern kann», sagt Reinhard Schnidrig, der Wildtier-Verantwortliche des Bundes, «doch gesamtschweizerisch ist der Einfluss des Luchses überhaupt nicht zu spüren.»

Legende: Video «Rehe und Gämsen verschwinden vollständig» abspielen. Laufzeit 00:21 Minuten.
Aus News-Clip vom 31.08.2018.

Gams- und Rehbestand bleibt stabil

So zeigt denn auch die Eidgenössische Jagdstatistik, dass der Rehbestand seit Jahrzehnten stabil bleibt. Während der letzten 20 Jahre schwankt dieser zwischen 120'000 und 140'000 Rehen. Auch die Abschuss-Zahlen gehen nicht zurück, in den vergangenen Jahre sind sie sogar angestiegen. Bei der Gämse hingegen sinken die Abschuss-Zahlen seit gut 10 Jahren kontinuierlich. Der Bestand bleibt jedoch auch hier stabil.

Hanspeter Egli, der Jägerpräsident, kontert: «Gesamtschweizerisch mag das schon stimmen, doch in gewissen Gebieten ist es dramatisch. Ich kenne Jäger, die praktisch keine Gämsen und Rehe mehr schiessen können, so ausgedünnt ist der Bestand.» Egli geht noch weiter: «Es geht uns auch um den Schutz dieser Tierarten. Wenn der Luchsbestand in einem Gebiet zu hoch ist, verschwinden die Rehe und Gämsen vollständig»

Legende:
Schweizer Rehbestand (1996 – 2016). Gesamtschweizerisch bleibt der Rehbestand seit Jahren stabil – trotz Luchs. Eidgenössische Jagdstatistik

Der Luchs kann keine Tierart ausrotten

Dagegen gibt es von Reinhard Schnidrig heftige Widerrede: «Das stimmt so nicht», sagt der Wildtier-Verantwortliche des Bundes. «Es ist völlig legitim, dass sich die Jäger für eine Regulation des Luchses einsetzen, doch bitte mit stichhaltigen Argumenten.» Es sei gar nicht möglich, dass der Luchs eine ganze Tierart ausrottet, das entspreche nicht seinem Jagdverhalten.

«Wenn der Bestand in einem Gebiet kleiner wird und sich der Luchs zu fest anstrengen muss, um noch Tiere reissen zu können, dann wechselt er sein Beuteschema», so Schnidrig. Die Wildkatze würde dann beispielsweise vom Reh auf den Fuchs wechseln, damit sich der Rehbestand erholen kann.

Legende: Video «Der Luchs wird nie eine Tierpopulation ausrotten» abspielen. Laufzeit 00:25 Minuten.
Aus 10vor10 vom 22.08.2018.

Revision Jagdgesetz

Aktuell scheinen die Jäger die Politik auf ihrer Seite zu haben. Aktuell wird im Parlament die Revision des Jagdgesetzes diskutiert. Die Revision soll es möglich machen, auf geschützte Raubtiere zu schiessen, wenn der Bestand zu gross wird. Auch der Luchs wäre betroffen. Mit dem jetzigen Gesetz braucht es dafür eine Erlaubnis des Bundes. Der Ständerat ist im Juni auf die Revision des Jagdgesetzes eingetreten, und letzte Woche hat sich auch die verantwortliche Nationalrats-Kommission dafür ausgesprochen.

Als nächstes kommt das Geschäft in den Nationalrat, wahrscheinlich wird es auch da ohne grosse Änderungen durchkommen. Sollte dies der Fall sein, werden Natur- und Tierschutzorganisationen nach eigenen Aussagen das Referendum ergreifen.

Dazu Gabor von Bethlenfalvy vom WWF: «Es ist zynisch, dass man den Luchs regulieren will», die Bestände der Wildkatze seien noch lange nicht stabil. «Klar, der Luchs erschwert den Jägern die Jagd, doch diese müssen sich halt den neuen Umständen anpassen.»

Gut möglich also, dass schlussendlich das Schweizer Volk über den Schutzstatus des Luchses bestimmen wird. Die Jäger müssten ihre Argumente auf diesen Abstimmungskampf hin wahrscheinlich noch etwas schärfen.

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19 Kommentare

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  • Kommentar von Ingrid Lohr (Puksel)
    Luchse und auch Wölfe töten Tiere damit sie zu fressen haben und so (über)leben können. Jäger töten Tiere damit sie ihre Trophäen zeigen können. Nutztiere sollen geschützt werden mit Hunden, Lamas, Zäune, Menschen. Und wenn es heisst, dass Jäger weniger Wildtiere abknallen können, da Raubtiere die Wildtiere essen, dann ist das halt so. Alles klar?
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  • Kommentar von jean-claude albert heusser (jeani)
    Genau! Das grösste "Raubtier ist immer noch der Mensch"!
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  • Kommentar von B. Moser (moser.b)
    Der Mensch jagt seit es ihn gibt, und, dies wird sich wie z.B. beim rauchen nicht ändern. Aber die Jäger sollten endlich aufhören, die Raubtiere verantwortlich zu machen, wenn ihnen nicht jedes Jahr ein Reh direkt vor die Flinte läuft. Das ist die Natur.
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