Ex-UBS-Chefs: Schweiz ist am Wendepunkt

Nach dem vorläufigen Scheitern des Steuerabkommens mit Berlin wähnt der einstige UBS-Verwaltungsratspräsident Peter Kurer den Finanzplatz an einem Wendepunkt. Ex-UBS-Chef Oswald Grübel sieht die Schweiz gar in einer Sackgasse.

Oswald Grübel und Peter Kurer. (reuters/archiv) Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Grübel (links) und Kurer sehen (nicht nur) dunkle Wolken über dem Finanzplatz aufziehen. reuters/archiv

Die Schuld am vorläufigen Scheitern des Steuerabkommen «tragen ganz klar die Deutschen. Das Abkommen wurde aus wahltaktischen Überlegungen abgeschossen», sagt der einstige UBS-Verwaltungsratspräsident Peter Kurer.

«Wenn die deutsche Opposition meint, sie müsse ihre Regierung wegen den Wahlen ins offene Messer laufen lassen, ist das nicht das Problem der Schweiz. Unser Bundesrat hat gut verhandelt», erklärte er gegenüber dem «SonntagsBlick».

Bis zu 40'000 Jobs gefährdet

Der Finanzplatz stehe an einem Wendepunkt, fügt Kurer hinzu. «Wir achteten lange nicht darauf, ob bei uns angelegte Gelder steuerkonform sind. Das wird nun nicht mehr akzeptiert.»

Diese Neupositionierung hätten massive Stellenabbaus zur Folge. «Nimmt man den gesamten Finanzplatz und die angegliederten Bereiche, sind in den nächsten fünf Jahren Jobverluste von 30'000 bis 40'000 nicht auszuschliessen», betont der ehemalige UBS-Verwaltungsratspräsident.

Automatischer Informationsaustauch kommt

Er glaubt, dass der automatische Informationsaustausch kommen werde. «Die Welt bewegt sich zum automatischen Informationsaustausch hin. Wann das funktionieren wird, ist offen. Nötig sind hochkomplexe Systeme – oder ein ganz einfaches», so Kurer. «Vorerst ist der automatische Informationsaustausch nicht mehr als ein Modewort. Niemand weiss genau, was damit gemeint ist und wie er funktionieren soll.»

Gleichwohl sieht Kurer für den Finanzplatz eine rosige Zukunft. «Die Welt wird instabiler. Die Schweiz ist eine Insel der Stabilität und sie hat eine gute Infrastruktur, um Gelder aufzunehmen und zu verwalten.»

Grübel: Kein grosser Schaden für die Schweiz

Oswald Grübel, der Ex-CEO von UBS und CS, ist der Meinung, das Nein zum Steuerabkommen sei kein grosser Schaden für die Schweiz und ihre Banken. «Aber wir müssen jetzt so schnell wie möglich zurück zur Realität finden», schreibt er im «Sonntag».

Und der Banker ergänzt: «Das heisst, wir müssen uns mit Luxemburg und Österreich an einen Tisch setzen, mit dem Ziel, einen für alle akzeptablen automatischen Informationsaustausch mit der EU zu verhandeln. Wir brauchen die zwei EU-Mitglieder, weil sie dieselben Anliegen und Probleme in dieser Sache haben wie wir, und weil sie in der EU etwas zu sagen haben. Ich nehme an, dann müsste auch das Bankgeheimnis angepasst werden, aber wir haben ja auch schon in der Vergangenheit Amtshilfe geleistet, ganz zu schweigen von der Amerika-Affäre.»

«In eine Sackgasse manövriert»

Der Glaube, die Schweiz könne eine «Weissgeldstrategie» einführen, ohne sich mit der EU geeinigt zu haben, ist laut Grübel «absurd». «Mit den separaten Steuerabkommen nicht versteuerte Gelder betreffend haben wir uns in eine Sackgasse manövriert, aus der wir so schnell wie möglich wieder heraus müssen.»

Die Banken müssten «ihre Kontrollen und Sicherheit substanziell verbessern, um den CD-Handel einzuschränken. Der Finanzplatz wird kleiner werden, aber man sollte immer wissen, wenn man seine Verluste nehmen muss, um noch grösseren Schaden zu vermeiden», resümiert er.