Neue Kommission eingesetzt Exit prüft Tod ohne Rezept

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Exit-Mitglieder fordern Sterben ohne Rezept

1:34 min, aus Tagesschau Spätausgabe Wochenende vom 17.6.2017
  • Die Sterbeorganisation Exit hat eine Kommission geschaffen, die darüber befinden soll, ob betagte Menschen einen erleichterten Zugang zum Sterbemittel erhalten sollen.
  • Laut dem Komitee, das die Kommissionsbildung angeregt hat, sollen Senioren ohne ärztliche Diagnose oder ärztliches Rezept Sterbemittel erhalten – auch wenn sie an keiner schmerzhaften tödlichen Krankheit leiden.
  • Heute würden urteilsfähigen älteren Menschen bei einem Sterbewunsch immer noch zu viele Steine in den Weg gelegt.

Die Bildung der Kommission wurde durch ein Komitee von mehreren über 70-jährigen Vereinsmitgliedern angeregt – unter ihnen beispielsweise der ehemalige Exit-Präsident und Zürcher alt Stadtrat Hans Wehrli (FDP), Filmregisseur Rolf Lyssy sowie die ehemalige Swissair-Sprecherin Beatrice Tschanz. Sie hatten als Betroffene einen Antrag zum Thema Altersfreitod eingereicht.

Das Komitee schlägt unter anderem vor, das Sterbemittel Natrium-Pentobarbital (NaP) ohne ärztliche Diagnose oder gar ohne ärztliches Rezept an Senioren abzugeben, die genug vom Leben haben, auch wenn sie nicht unheilbar krank sein.

Laut dem Komitee werden heute lebenssatten urteilsfähigen älteren Menschen und ihren Angehörigen bei einem Sterbewunsch immer noch zu viele Steine in den Weg gelegt.

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Sterbeorganisation Exit

Derzeit begleitet Exit betagte Menschen, die eine Vielzahl an Gebrechen haben, aber nicht an einer unmittelbar zum Tod führenden Krankheit leiden. Neben rein medizinischen Diagnosen fliessen auch psychosoziale Faktoren in die Beurteilung der Lebensqualität ein.

Experten sollen rechtliche, ethische und politische Aspekte aufzeigen

Bis zur nächsten GV im kommenden Jahr soll laut der Exit-Präsidentin Saskia Frei die Kommission nun einen Bericht verfassen. Darin wird geklärt sein, wie und in welcher Weise weitergehende Massnahmen für einen erleichterten Zugang zu NaP für betagte Menschen möglich wäre.

Dabei sollen Experten rechtliche, ethische und politische Aspekte aufzeigen. Die Kommission soll ehrenamtlich tätig sein und ein Kostendach von 50'000 Franken für den Beizug von Gutachtern und Experten erhalten.

Altersfreitod soll enttabuisiert werden

In einem Jahr werde an der GV dann unter Einbezug von ethischen und politischen Überlegungen diskutiert werden, ob überhaupt und falls Ja, in welchem Umfang, einzelne Massnahmen konkret weiterverfolgt werden.

Bereits vor sechs und vor drei Jahren hatte Exit einen Passus in die Statuten aufgenommen, sich für den erleichterten Zugang zu Sterbemitteln für betagte Menschen einzusetzen und sich für den Altersfreitod zu engagieren. Dieser soll zunächst vor allem enttabuisiert werden.