Fahrende – für Bauern ein gutes Geschäft

Durchgangsplätze für Fahrende in der Schweiz sind nach wie vor rar. Obwohl sie solche Plätze schaffen müssen, lassen sich viele Kantone Zeit. Zudem gibt es häufig Widerstand in den Gemeinden. Der Kanton Aargau geht nun einen neuen Weg: Landwirte sollen Plätze anbieten und damit Geld verdienen.

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Privatplätze für Fahrende

2:56 min, aus Schweiz aktuell vom 24.9.2015

Leo Meiers Landwirtschaftsbetrieb Klosterschüür liegt bei Würenlos – neben der bekannten Autobahnraststätte zwischen der A1 und der Limmat. Der Verkehr ist deutlich hörbar. Auf einer direkt an den Bauernhof angrenzenden Wiese stehen derzeit zehn Wohnwagen. Meier kennt die meisten seiner Gäste schon lange.

«Das ist eine Familie, die schon seit längerem kommt. Früher mit drei Töchtern, jetzt sind die Eltern alleine. Die eine Tochter ist in dem anderen Wagen da unten mit ihrem Mann. Das dort ist ihre Schwiegermutter», erklärt der Aargauer Landwirt. «Man lernt die Leute schon kennen. Der ist mit dem verwandt, die mit der – das läuft einfach so.»

Polizei gab Leo Meier den Tipp

Alles begann vor zwölf Jahren. Eine jenische Familie fuhr mit ihrem Gespann vor und fragte Meier, ob sie hier für zwei Wochen bleiben dürfe. Meier dachte sich, warum nicht? Unter den Fahrenden wurde der Platz sofort bekannt und war von da an ständig besetzt. «Dann haben wir Besuch von der Polizei bekommen», so Meier.

«Sie sagte, wir können die Fahrenden nicht auf dieser Wiese stehen lassen. Wir antworteten, gut dann sollen sie gehen, das ist für uns auch kein Problem. Doch dann sagte die Polizei, wir könnten sie näher ans Haus nehmen, dann würde niemand etwas sagen.» Damals sei «dieses Kind geboren», sagt Meier.

Die Wohnwagen als Dorfgespräch

Die Behörden drückten seitdem ein Auge zu, denn zonenkonform war dieser Platz eigentlich nicht. Obwohl sein Hof weit entfernt vom Dorf Würenlos liegt, waren die vielen Wohnwagen auf seinem Grundstück auch dort schnell ein Thema. «Man sagte uns, ihr habt ja Zigeuner da oben.» Meier entgegnete: «Die stören euch doch nicht. Daraufhin sagten sie, stimmt, die müssen ja auch irgendwo sein.»

Niemand hatte also ein Problem damit. Vor einigen Jahren kam dann der kantonale Beauftragte für die Fahrenden auf Meiers Hof vorbei. Ein Projekt für einen neuen Durchgangsplatz im Kanton Aargau war gerade erst gescheitert. Weshalb also nicht diesen halblegalen Platz «offiziell» machen?, fragte der Beauftragte des Kantons.

Einnahmen von 12 Franken pro Tag

Meier war sofort dabei – auch die Gemeinde stand hinter dem Projekt. Und so hat der Kanton Aargau nun einen weiteren Durchgangsplatz für Fahrende und Meiers Geschäftsmodell ist jetzt ganz legal. Denn ein Geschäft sei es – ganz klar.

Vorne eine Pfütze, links ein Wohnwagen, weiter hinten ein Wohnmobil und ein Personenwagen. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Der Fahrenden-Beauftragte hat den inoffiziellen Standplatz legalisiert. Keystone

Zwölf Franken zahlen die Fahrenden pro Wohnwagen und Tag. Ein Preis,der leicht über dem Schnitt sei, hört man. Bei durchschnittlich zehn Wagen sei das ein gutes Zusatzeinkommen, sagt Meier. «Ich könnte mir vorstellen, dass es für einen Landwirtschaftsbetrieb noch eine Chance wäre, um nebenbei etwas zu machen, das den Betriebsablauf nicht gross stört, aber zum Betrieb passen würde.»

Bereits sind andere Kantone auf den Durchgangsplatz bei der Würenloser Klosterschüür aufmerksam geworden. Denn eines ist klar: Der Widerstand gegen Landwirte, die einen Zusatzverdienst machen wollen, ist deutlich kleiner, als wenn der Staat kommt und einen Standplatz auf der grünen Wiese bauen will.