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Schweiz Fallpauschale funktioniert bislang auf Kosten der Ärzte

Das neue Abrechnungssystem für Spitäler ist seit zwei Jahren in Kraft. Die Ärzte ziehen eine durchzogene Bilanz. Die Fallpauschale streut viel Sand ins administrative Getriebe. Und: Krankenversicherer versuchten vermehrt direkt auf Behandlungen Einfluss zu nehmen.

Blick in einen Operationssaal. Hinter einem Tuch steht der Anästhesist. Vor dem Tuch wird operiert.
Legende: Spitalärzte rümpfen die Nase über die Fallpauschale. Hinter den Kulissen ist der administrative Aufwand gestiegen. Reuters

Mit der Einführung der Fallpauschalen (Swiss DRG) vor zwei Jahren ist in den Spitälern wie befürchtet der administrative Aufwand grösser geworden.

Innerhalb von drei Jahren hat der Aufwand aufseiten der Ärzte für die Erledigung der Patientendossiers und der Dokumentationsarbeit durchschnittlich um fast 20 Minuten pro Woche zugenommen.

Das sind die Ergebnisse einer grossen, repräsentativen Befragung des Forschungsinstituts gfs von über 1500 Ärzten und Ärztinnen. Die Befragung ist im Auftrag des Schweizerischen Fachärzteverbands FMH durchgeführt worden.

Jeder siebte Arzt beklagt Einmischung

Derzeit ist es noch nicht der Patient, der unter diesem administrativen Mehraufwand leidet. Die Ärzteschaft begegnet dem Papierberg in freiwilligen Überstunden. Doch die «Fehlentwicklungen im Gesundheitswesen können nicht unbegrenzt mit Mehrarbeit kompensiert werden», schreibt die Vereinigung weiter. Sie fordert Massnahmen, die zu einer Entlastung von administrativen Tätigkeiten in den Spitälern führen.

Was die Ärzte zusätzlich beschäftigt: Die Versicherer könnten der Verlockung immer seltener widerstehen, zu ihren Gunsten Einfluss auf die Behandlung eines Patienten zu nehmen. 16 Prozent der befragten Ärzte aus der Akutmedizin haben zu Protokoll gegeben, Krankenversicherer würden versuchen, Behandlungen von Patenten zu beeinflussen.

Noch höher wird der Einfluss der Krankenkassen in der Psychiatrie und in der Rehabilitation eingeschätzt: 2013 hätten 24 Prozent der Psychiater und 53 Prozent der Ärzte in der Rehabilitation einen Einfluss der Krankenkassen auf die Behandlung beobachtet, heisst es in der Mitteilung weiter.

Legende: Video Zwischenbilanz Fallpauschale in Spitälern (18.2.13) abspielen. Laufzeit 06:44 Minuten.
Aus ECO vom 18.02.2013.

Zu den beklagten Taktiken gehört laut FMH zum Beispiel der Versuch von Krankenkassen, durch «restriktive und schleppende» Bearbeitung der Kostengutsprachen die Überweisung der Patienten in die Rehabilitationskliniken zu verzögern. Da in den Reha-Kliniken in Tagespauschalen abgerechnet wird, entsteht für die Kassen ein finanzieller Anreiz.

Insofern sind kaum neue Positionen entstanden. Bereits vor einem Jahr hat eine Reportage des Wirtschaftsmagazins «Eco» gezeigt, dass die Spitalverantwortlichen die Fallpauschale für keine gute Lösung halten.

Fallpauschale

Seit Januar 2012 gilt im Zusammenhang mit der neuen Spitalfinanzierung schweizweit das neue Tarifsystem. Bei Fallpauschalen wird jeder Spitalaufenthalt anhand von Kriterien wie beispielsweise Diagnose und Behandlung einer Fallgruppe zugeordnet und pauschal vergütet.

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Tom Duran, Basel
    Das war aber schon lange klar! Ich sage es nochmal: eine so wichtige Versicherung gehört nicht in private Hand. Zumal ja gar kein Wettbewerb möglich ist. Ausser natürlich auf Kosten der Leistungen und des Services. So behauptet die Assura doch vollen Ernstes, dass sammeln der Belege zuhause bis zum erreichen der Franchise sei ein "Dienst am Kunden". Für wie blöd wollen die uns verkaufen? Die wollen nur eines, Kosten sparen! So geht das immer weiter, bis wir nur noch zahlen und zahlen..,
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  • Kommentar von S. Sugano, Therwil
    Wir alle wurden gewarnt was die Fallbauschalen wirklich bringen werden und es ist eingetroffen. Krankenkassen Praemien sind hoch und es wird wieder teurer. Die Aerzte beschweren sich und Administrativ ist der Aufwand nun so hoch, dass es schlussendlich mehr kostet als beim alten System. Tja, wir wurden gewarnt, doch man glaubt ja alles was einem erzaehlt wird ohne sich selbst mal gedanken zu machen... Besten dank auch...
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  • Kommentar von Michel Debrotti, Basel
    Der CHEF des Spitals hat einen billigen riesen Laptop ohne Docking-Station? Die Ober-Kodiererin hat drei neue schöne high-end Monitore? In einem mittleren Spital sitzen unter ihr 15-20 Personen welche den ganzen Tages alles so drehen und biegen, dass es am Schluss uns den Krankenkassen Kunden am teuersten kommt. Von wegen 20 Minuten mehr Arbeit da wurde intern vorher schon jeder Tupfer verrechnet. Bravo, mol keini Schwobe im Spital (Im Bericht)! Und der Reporter? Hatte die einen Zürcher Dialekt?
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