Feinstaub auch in kleinen Mengen schädlich

Die heutigen Grenzwerte für Feinstaub sind zu hoch. Das zeigt eine neue internationale Studie. Wer in der Stadt oder an einer Autobahn lebt, hat nachweislich ein höheres Risiko, früher zu sterben. Jetzt wollen die Behörden die geltenden Grenzwerte überprüfen.

Die Luft ist sauberer geworden in den letzten Jahren. Auch die Feinstaub-Werte sind gesunken – soweit die gute Nachricht.

Aber: Auch geringe Feinstaub-Verschmutzungen sind nicht zu unterschätzen. Sie sind sogar deutlich schädlicher als bisher angenommen. Präventionsfachmann und Vizedirektor des Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Instituts in Basel, Nino Künzli: «Das zu quanitifizieren und zu demonstrieren in Europa ist neu.»

Grenzwerte über jenen der WHO

Dies sei nur möglich gewesen, weil sehr grosse Studien gemacht worden seien, so Künzli. Gesundheitsdaten von 300'000 Menschen aus 13 Ländern haben die Forscher analysiert – Künzli war mit dabei. Und es bestätigt sich: Wer auf dem Land wohnt, lebt deutlich gesünder. Denn dort ist die Feinstaubbelastung etwa um einen Viertel geringer. Und das senkt das Sterberisiko um sieben Prozent.

Für Künzli ist deshalb klar, dass die Schweiz die Feinstaub-Grenzwerte den Vorgaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) anpassen sollte. «Die Vorgabe der WHO ist, dass der Jahreswert für Feinstaub nicht über zehn Mikrogramm pro Kubikmeter sein sollte. Wir übertreten den mit unserer Vorgabe über 50 Prozent.»

Dieselruss besonders gefährlich

Der Grenzwert müsste also deutlich gesenkt werden. Im Bundesamt für Umwelt (Bafu) hat man die Studie gelesen und nimmt das Problem ernst. Die bestehenden Grenzwerte sollen überprüft werden, sagt der Chef der Sektion Luftqualität im Bafu, Richard Ballaman: «Das heisst von Bafu-Seite, dass wir die Situation analysieren, und dann wird der Bundesrat entscheiden.»

Schneebedeckte Dächer, qualmende Schornsteine (Bern). Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Gerade im Winter werden die Feinstaub-Grenzwerte regelmässig überschritten. Keystone

Nur: Tiefere Grenzwerte alleine bringen nichts, zumal schon die heutigen Grenzwerte im Winter häufig überschritten werden. Damit die Feinstaub-Belastung sinkt, müssten insbesondere die Traktoren und die Baumaschinen mit Partikelfiltern ausgerüstet werden, denn ihr Dieselruss ist besonders schädlich.

Aus Rücksicht auf die wirtschaftliche Lage der Bauern wollte der Bundesrat hier bisher aber keine Vorgaben machen. Angesichts der neuen Studienresultate wird er diese Haltung aber nochmals überdenken müssen.