FIFA-Anzeige: «Das klingt nach Geldwäscherei»

Die Resultate des umstrittenen FIFA-Berichts zur WM-Vergabe nach Russland und Katar könnten auf Geldwäscherei hinweisen, sagt FIFA-Reformer und Strafrechtsprofessor Mark Pieth. Die erfolgte Anzeige bei der Schweizer Staatsanwaltschaft sei der richtige Schritt.

Ermittler Michael J. Garcia (links) neben Vorsitzenden Hans Joachim Eckert. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Streit in der Fifa-Ethikkommission: Ermittler Michael J. Garcia (links) kritisiert den Vorsitzenden Hans Joachim Eckert. Keystone

SRF: Ist es richtig, dass die FIFA jetzt Strafanzeige einreicht?

Mark Pieth: Das ist schwer zu sagen, weil ich den Inhalt der Anzeige nicht kenne. Es ist aber wichtig, dass der Fussballverband die staatlichen Gerichte einschaltet, wenn er auf strafbare Umstände stösst. Das ist deshalb wichtig, weil staatliche Gerichte über überlegene Ermittlungsmöglichkeiten verfügen.

Was kann die Staatsanwaltschaft, was die FIFA intern nicht kann?

Die Staatsanwaltschaft verfügt über Zwangsmassnahmen. Sie kann also Menschen verhaften, Hausdurchsuchungen anordnen und Zeugen einvernehmen.

Bei der Untersuchung der WM-Vergaben 2018 und 2022 an Russland und Katar seien Verdachtsmomente aufgetaucht, dass in einzelnen Fällen internationale Verschiebungen von Vermögenswerten mit Berührungspunkten zur Schweiz stattgefunden haben, so die FIFA in ihrem Bericht. Was könnte damit gemeint sein?

Das klingt – ohne dass ich mehr darüber weiss – nach Geldwäscherei. Das wäre weit mehr als ein Disziplinarverstoss und gäbe der Bundesanwaltschaft Kompetenzen zu einer Untersuchung. Es ist durchaus möglich, dass die Staatsanwaltschaften verschiedener Länder dabei zusammenarbeiten. Das FBI ist ja schon daran, gewisse Fragen zu untersuchen.

Wird die Schweiz damit einmal mehr in ein schlechtes Licht gerückt?

Das sehe ich nicht so. Ich glaube, es ist wichtig, dass man hier nun die staatlichen Instanzen miteinbezieht. Es ist abzuwarten, ob die Bundesanwaltschaft genügend in der Hand hat, um aktiv zu werden.

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Mark Pieth

Mark Pieth

Der Basler Strafrechtsprofessor hat das Basel Institute on Governance gegründet, das weltweit Firmen, Regierungen und Organisationen berät. Bekannt wurde der Experte für Korruption, als er 2011 von der FIFA den Auftrag erhielt, Reformen auszuarbeiten, die beim Weltfussball-Verband dann aber auf wenig Gehör stiessen.

Der Vorsitzende der FIFA-Ethikkommission, Hans Joachim Eckert, hat vor einer Woche bei der Präsentation der Resultate der Untersuchung der Ethikkommission noch gesagt, es gebe keine schwerwiegende Korruption bei der WM-Vergabe. Warum nun doch der Gang zur Staatsanwaltschaft?

Das kann man momentan nicht beantworten. Ich verlange seit einem Monat die Herausgabe des Untersuchungsberichts. Der würde es erlauben, diese Fragen zu beantworten.

Auch Uefa-Präsident Platini hat gefordert, dass der FIFA-Bericht veröffentlicht wird. Glauben Sie, dass der Druck auf die FIFA nun so stark wird, dass sie den Bericht frei gibt?

Ich bin überzeugt, dass er in irgendeiner Form veröffentlicht wird. Die Frage ist nur, wieviel vom Bericht geschwärzt werden muss. Einerseits müssen Leute geschützt werden, die unter der Zusicherung von Anonymität ausgesagt haben. Andererseits werden möglicherweise Passagen unter dem Deckel gehalten, die noch nicht abgeschlossene Ermittlungen betreffen. Das ist das, was Eckert meint, wenn er sagt: Gewisse Dinge darf ich nicht herausgeben. Das ist der Punkt, an dem die Bundesanwaltschaft mitsprechen muss.