Finma erzwingt Prämienreduktion bei den Zusatzversicherungen

Der Verdacht stand schon für einige Zeit im Raum: Gewisse Krankenkassen zocken ihre Kunden bei den Zusatzversicherungen ab. Die Finanzmarktaufsicht des Bundes hat deshalb den Versicherern auf die Finger geschaut.

Seitdem die neue Spitalfinanzierung in Kraft ist, übernehmen die Kantone und die Grundversicherung mehr Kosten. Die Zusatzversicherungen werden entsprechend entlastet. Das Geld gehört eigentlich den Versicherten. Doch die Krankenkassen haben die Prämien bisher nur sehr zögerlich angepasst.

Die Finanzmarktaufsicht Finma hat sich des Problems angenommen. Aufgrund der Zahlen aus dem letzten Jahr hat sie errechnet, um wie viel sich die Kosten für die Krankenversicherer verringert haben.

Eingespartes Geld nicht weitergegeben

«Gemäss unserer Schätzung hat sich diese Zahl um ungefähr 580 Millionen Franken gesenkt.» Das sagt René Schnieper, der Leiter im Geschäftsbereich Versicherungen bei der Finma. Nicht einmal die Hälfte dieser Einsparungen geben die Versicherer derzeit weiter. In dieser Prämienrunde sind es nur 240 Millionen Franken. «Das hat damit zu tun, dass die Tarife in der Vergangenheit verlustbringend waren und das muss kompensiert werden. Hinzu kommt, dass in gewissen Fällen die Rückstellungen erhöht werden mussten.»

Das heisst mit der Hälfte des Geldes werden Löcher von vergangenen schlechten Versicherungsjahren gestopft. Die Prämien sinken insbesondere für den Zusatz «allgemein ganze Schweiz». Neu übernehmen die Kantone die Kosten für einen Spitalaufenthalt auch, wenn der Patient in einem anderen Kanton versorgt wird. Einzig die mögliche Differenz zwischen den kantonalen Tarifen wird von der Zusatzversicherung noch gedeckt. Nur wenige Änderungen gibt es dagegen bei denjenigen, die eine Spitalzusatzversicherung für ein Einzel- oder ein Zweierzimmer haben.

Die Hälfte der Krankenversicherer hat sich dem Druck der Finma nur widerwillig gebeugt. Zum Teil wurde das Management der Krankenversicherer extra nach Bern zitiert. Schnieper bestätigt dies: «Bei ungefähr der Hälfte der Krankenkassen hatten wir intensive Diskussionen, bis wir Tarife hatten, die wir genehmigen konnten.»

«Plausible Zahlen»

Die ersten Reaktionen auf die erreichten Prämienreduktionen sind positiv. Carlo Conti, der Direktor der Gesundheitsdirektorenkonferenz sagt: «Die Zahlen sind für uns plausibel und nachvollziehbar und entsprechen den Grössenordnungen, von denen wir auch ausgehen.»

Sara Stalder, die Geschäftsführerin vom Konsumentenschutz fordert, dass die Finma den Bereich der Spital-Zusatzversicherungen weiterhin genau kontrolliert. Denn oberstes Ziel sei, dass die eingesparten Gelder auch längerfristig tatsächlich den Versicherten zu Gute kommen.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel