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Schweiz Flüchtlinge als Krankenbetreuer

Die Schweiz kämpft mit einem Pflegenotstand. Gleichzeitig sind viele Flüchtlinge ohne Job. Der Kanton St. Gallen macht nun mit einem neuen Pilotprojekt aus der Not eine Tugend. Sie bildet Flüchtlinge zu Krankenpflegern aus. Die scheinbar perfekte Lösung stösst bei den Pflegern auf Kritik.

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Flüchtlinge betreuen Kranke
Aus 10 vor 10 vom 18.07.2013.
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Der Eritreer Awet Zerezghi ist 37 Jahre und besucht als eine von fünf Personen mit Asylhintergrund eine neu geschaffene Ausbildung als Betreuungshelfer. Während eines sechsmonatigen Praktikums arbeitet er in einem Heim im Kanton St. Gallen. «Früher in meiner Heimat habe ich in einem Militärspital gearbeitet. Die Pflege der alten Leute hier gefällt mir sehr gut.»

Die Vereinigung der St. Galler Gemeindepräsidenten (VSGP) hat die Ausbildung zusammen mit dem Roten Kreuz lanciert. In diesem erstmals durchgeführten Projekt in der Schweiz werden anerkannte Flüchtlinge und vorläufig aufgenommene Asylsuchende zu sogenannten Betreuungshelfern ausgebildet.

Zur Ausbildung gehören nebst Praktikum 160 Lektionen Theorieunterricht. Diesen gestaltet das Rote Kreuz des Kantons St. Gallen. Die Leiterin der Bildung, Daniela Paci, ist erfreut über die Lernfortschritte: «Wir hatten noch selten so interessierte Leute in unserer Ausbildung. Die Sprache war anfangs eine grosse Herausforderung, aber mit jeder Woche sprechen die Auszubildenden besser.»

Schwierige Integration

Für die Gemeinden eine Win-Win-Situation, wie Roger Hochreutener von der VSGP erklärt: «Wir haben auf der einen Seite einen Pflegenotstand mit der zunehmenden Überalterung. Andererseits liegt Potenzial brach, denn viele Menschen mit Asylhintergrund haben keine Arbeit. Diese beiden Themen wollen wir verbinden.»

Die Integration von anerkannten Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt ist nicht einfach. Fünf Jahre nach Aufnahme ist nur eine Minderheit erwerbstätig. 19 Prozent der Flüchtlinge im erwerbsfähigen Alter haben Arbeit. 13‘000 Flüchtlinge, die dauerhaft bleiben dürfen, beziehen Sozialhilfe. Das kostet die Schweiz 270 Millionen Franken pro Jahr.

Projekt wird fortgesetzt – trotz Kritik

Die anscheinend perfekte Lösung passt nicht allen. Der Verband der Pflegefachkräfte befürchtet, die neue Ausbildung könnte eine Schnellbleiche sein, um billige Arbeitskräfte anzuheuern. Barbara Gassmann erklärt: «Es ist eine sehr kurze Ausbildung und Probleme können dann auftreten, wenn die Leute im Alltag alleine gelassen werden oder sie ausgenutzt werden für zu anspruchsvolle Aufgaben.»

Daniela Paci vom Roten Kreuz sieht ein, dass die Ausbildung kurz ist. Sie ist aber überzeugt, dass es ein Grundstein sein kann für weitere Folgekurse. Für die St. Galler ist klar, dass sie das Pilotprojekt fortsetzen wollen, bereits im Oktober startet der nächste Lehrgang. Von den jetzigen Teilnehmern haben bereits zwei eine Zusage für eine Festanstellung.

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22 Kommentare

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  • Kommentar von A.Käser , Zürich
    Katastrophale Entwicklung!In den Länder der sog.Asylbew.sowie bei uns wird suggeriert,dass sich mittels sozialer Gefälle Probleme lösen lassen.Ein Verhalten,meilenweit von einer ehrlichen,menschlichen Haltung entfernt.Dem"Asylbewerber"wird vorgegaukelt,dass er hier ein Auskommen haben könnte(jedoch ohne jegliche pers.Ansprüche).Unserer Gesellschaft wird übermittelt,dass eine ungeliebte,unangenehme Arbeit mit Geld einfach an Minderbemittelte delegiert werden kann.Wie tief wollen wir noch sinken?
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  • Kommentar von Beppie Hermann , Bern
    Aus dem grössten Blödsinn der 60er hat man nichts gelernt.Die Akademisierung der Pflegeberufe musste fallen lassen werden,da nämlich nach Matura die Frauen an die Uni gingen.Einheim.Sprache ist für Kranke wichtig.Krankenschwestern könnten entlastet werden durch Helfer/innen mit klar definiertem Aufgabenbereich wie Zuwendung,Gespräche,Händchen halten,spielen,liebevolle Körperpflege,füttern,Topf usw.ausgedehnt auch auf daheim.Auf Kurzausbildung warten 1000e AL+Ausgesteuerte CHer mit Herz.
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    1. Antwort von M. Keller , Thurgau
      Wahre Worte. Als SchweizerIn muss man für jeden Beruf heute ein Studium, oder mind. gym. Matura und +4 Jahre Lehre mitbringen. Obwohl die Berufe noch die gleichen sind wie vor 10 Jahren, als eine simple Lehre noch reichte. Auch sind die Lohnbedingungen bei den geforderten Leistungen miserabel; wo früher 10 MPA's tätig waren, leisten heute noch 2 die gleiche Arbeit... Das so natürlich die PflegerInnen den Job wechseln ist nur logisch. Nun "Billige" verpflichten, ist keine Lösung, im Gegenteil.
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  • Kommentar von Verena Eberhard , 5722 Gränichen
    Die Abzocker im Gesundheitswesen betrachten die Alten als Idioten. Ich persönlich hoffe, dass ich nie in die Pflegefalle gerate sondern mein Leben im Kreise von wohlgesinnten Menschen beenden kann. Sind eigentlich die Menschen in der Schweiz vor Geldgier total übergeschnappt.
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    1. Antwort von M. Keller , Thurgau
      Nicht Geldgier, "Hypersozialisation"; alles für die lieben Ausländer. Dabei finden in ZH und BL/BS Veranstalltungen für ARBEITSLOSES PFLEGEPERSONAL statt, um denen das Auswandern schmackhaft zu machen... Und arbeitslose CHer werden auch nicht umgeschult (jene, die das wollen & können). Für Asylsuchende wird alles getan; Schule, Ausbildung, Stellenvermittlung. Arbeitslose in der CH TRÄUMEN von solchen Hilfsmassnahmen! Stattdessen geraten WIR noch unter Druck wegen diesen Aktionen!
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