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Schweiz Flüchtlinge im eigenen Haus: Über 150 Schweizer sind bereit

Mehr als 150 Privatpersonen wollen Flüchtlingen im eigenen Haus eine Bleibe bieten. Das Pilotprojekt der Flüchtlingshilfe Schweiz startet nach den Sommerferien im Kanton Waadt. In anderen Kantonen dauert es etwas länger.

Legende: Video Tessiner Bürger engagieren sich für syrische Flüchtlinge abspielen. Laufzeit 06:04 Minuten.
Aus 10vor10 vom 25.07.2014.

Das Pilotprojekt «Private Unterbringung von Flüchtlingen», Link öffnet in einem neuen Fenster steht in den Startlöchern. Über 150 Menschen haben sich inzwischen bei der Schweizerischen Flüchtlingshilfe gemeldet, um im eigenen Heim Schutzbedürftigen zu helfen.

«Ich gehe davon aus, dass unser Projekt Ende der Sommerferien im Kanton Waadt startet», sagt Mediensprecher Stefan Frey zu SRF News Online.

Eine Ausnahme – denn ansonsten tun sich einige Kantone mit der Idee der Flüchtlingshilfe schwer. «Das Flüchtlingswesen ist zu einer Riesenbürokratie angewachsen, für neue Ideen wie die private Unterbringung ist wenig Raum», sagt Frey.

Die Flüchtlinge in der Schweiz werden nach Bevölkerungsproporz auf die Kantone verteilt. Und die kantonsübergreifende Organisation harzt. Haftung, Entschädigung, Zuteilung – alles ungeklärte Baustellen. Schweizweit hat es schon seit Jahrzehnten kein solches Projekt mehr gegeben.

Einlegerwohnung ideal

Bei der Bevölkerung hingegen stösst die Flüchtlingshilfe auf offene Ohren. Die über 150 interessierten Privatpersonen, die sich bislang als Gastgeber meldeten, sind laut Frey meist über 45 Jahre alt. Es seien oft Menschen mit erwachsenen Kindern und leerem Wohnraum. «Gemeldet hat sich beispielsweise eine Witwe, die in einem Doppel-Einfamilienhaus wohnt und den einen Teil zur Verfügung stellen will. Das ist natürlich eine sehr grosszügige Variante.»

Ideal zur Unterbringung ist laut Flüchtlingshilfe eine Einlegerwohnung mit separatem Eingang. Ausserdem eigne sich ein ganzes Stockwerk mit eigenem Bad. Auch ein Ferienhaus ist laut Frey eine Idee – vorausgesetzt, der Gastgeber kümmere sich um die Flüchtlinge.

Was muss man den Flüchtlingen bieten?

Mehr als nur ein Zimmer
Eigenes Bad
Mitbenutzung der Küche, wenn keine separate Küche vorhanden
Einführung und Begleitung in den Alltag

Was bekommt man dafür?

Finanzielle Entschädigung (je nach Anzahl Gäste und Anzahl Räume)
Flüchtlinge erhalten ihr eigenes Kostgeld

Der genaue Geldbetrag für die Unterbringung sei kantonal geregelt und deshalb uneinheitlich. «Klar ist, es handelt sich nicht um eine Riesensumme, Geschäfte machen liegt nicht drin», sagt Frey. Es gehe den interessierten Privatpersonen eher um den interkulturellen Austausch als ums Geld.

Überprüfung der Wohnsituation

Der Leumund möglicher Gastgeber werde von der Flüchtlingshilfe nicht einzeln geprüft. Mit Interessierten würden aber eingehende Gespräche geführt. Zudem werde die Wohnsituation inspiziert. Die Dauer der Unterbringung wird laut Frey in jedem Fall mindestens drei Monate betragen.

Bei den Hilfesuchenden handelt es sich vor allem um Menschen aus Syrien mit Ausweis F, vorläufig Aufgenommene oder um Asylsuchende, bei denen mit grosser Wahrscheinlichkeit ein Bleiberecht in der Schweiz in Aussicht steht. «Oberstes Ziel ist die rasche Integration der Flüchtlinge», sagt Frey.

Flüchtlingswelle

Die Zahl der Asylgesuche in der Schweiz steigt so stark wie seit Ende 2012 nicht mehr. Alleine im Juni sind beim Bundesamt für Migration über 2100 Gesuche eingegangen. Klar ist: Kantone und Gemeinden müssen mehr Asylunterkünfte zur Verfügung stellen. Experten gehen davon aus, dass die Anzahl Gesuche weiterhin steigen wird.

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41 Kommentare

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  • Kommentar von K. Keller, Schaffhausen
    Wie es bald aussieht, sollten wir doch noch Moscheen bauen, Schleier tragen in unseren Schulen erlauben, getrennt schwimm Unterricht usw.....
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  • Kommentar von Theresia Wenk, Adlikon
    Ja so ist es in unserem Land - traurig,traurig. Ich arbeite in der Spitex und finde es unerträglich wie viele hilfsbedürftige Menschen untendurch müssen und dazu steuermässig extrem belastet werden. Wer hat den zum heutigen Wohlstand beigetragen...?
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  • Kommentar von Patrick Schneider, Bern
    Vor allem es sind nicht mal die Betroffen Flüchtlinge den die armen bleiben dort es sind meistens die wo Geld haben, ist überall so. Aber auch ich würde keine Aufnehmen wollen, die Schweiz hat dafür einfach kein Platz mehr und sollte sich mal um ihre eigene Leute kümmern, Invaliden und alte Leute, das wäre 1000 mal besser als immer so Milliarde verschwenden. Nur komisch das die Flüchtlinge wo wir ihr haben ins eigene Land Ferien machen können und Häuser bauen, Denkt mal über das nach.
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